Gut gedacht, schlecht gemacht

30. August 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Auch das noch! Die Deutsche Bank sagt dem Geld den Untergang vorher. Geld schmilzt wie Eis in der Sonne, so die (Werbe-)Botschaft in dieser Woche. Auf den Konten liegen hierzulande immerhin 2.016 Milliarden Euro herum. Bald sind sie weg. Nur wohin?

Heureka! Das ist zwar nichts Neues, aber dass Geldfraß als Werbemittel bzw. Mittel zum Zweck genutzt wird, das ist schon neu. Dass Geld irgendwann verschwindet, und zuvor seine Kaufkraft, das ist letztlich immer schon die Bestimmung des Geldes gewesen – und die Aufgabe der Zentralbank, das auch sicherzustellen. Klappt nur noch nicht so richtig.

Sicherlich sitzen in den großen Banken nur Gutmenschen herum, die sich a) Sorgen um das Geld anderer machen, b) Sorgen um die eigenen Bilanzen haben oder c) überlegen, wie sie Geld anderer umherschubsen können. Dabei locken hohe Gebühren und jährliche Prozente auf den Sparkuchen.

Eine gewitzte Idee, jetzt vor dem Kaufkraftverlust des Geldes zu warnen, während die Offiziellen von Stabilität sprechen, wenn der Euro wie ein Wackeldackel übers Eis schlittert. Am Ende verkommt ohnehin das Geld. Von daher hat die DWS, der Vermögensverwalter der Deutschen Bank vollkommen Recht.

Was empfehlen die Experten? Fonds, zusammengebastelt aus Anleihen, Immobilien und Aktien. Oha!

Anleihen bringen keine Rendite. Wie sicher Immobilienfonds waren, zeigt die jüngste Vergangenheit. Viele Fonds waren geschlossen, die Abschläge enorm. Und Aktien? Okay, wenn ihr Preis stimmt und auch die Auswahl an Unternehmen – aber bitte langfristig. Und hoffentlich erlebt man das noch.

Der Blick in den Rückspiegel ist wenig hilfreich, eher schon der Blick in Geschichtsbücher. Und Gold? Kein Wort davon. Das ist mehr als verständlich, denn die Banken verdienen im Goldhandel wenig, weshalb dieser meist und längst eingestellt wurde. Zudem: Die „Deutsche“ sagt ja wie alle anderen Experten fallende Goldnotierungen voraus.

Moment! Das ist aber seltsam, sehr lustig und vor allem erstaunlich, denn Gold steigt ja erst dann, wenn im Gegenzug die Kaufkraft dahinschmilzt wie das Eis in der Sonne. Von daher ist die Werbekampagne für die Öffentlichkeit etwas halbherzig – hat aber zum Wetter in dieser Woche gepasst.

Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

Schlagworte: , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.