„Größtes währungspolitisches Abenteuer der Menschheit“

6. Februar 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Mack & Weise) Die von der EZB im Dezember vergangenen Jahres für drei Jahre zu Vorzugskonditionen verteilten 489 Mrd. Euro (!) zeigten im Januar die von den Verantwortlichen erhoffte positive Wirkung auf die Anleihe- und Aktienmärkte. Dank dieses EZB-„Bazooka“-Tenders und des Fed-Entscheids, die Zinsen, wie schon 2001 trotz verkündetem US-Wirtschaftsaufschwungs (!) nun sogar bis 2014 weiter nahe Null Prozent halten zu wollen, starteten die globalen Aktienmärkte nahezu allerorten eine furiose Rallye…

…während parallel dazu die Sorgen verflogen, dass der enorm hohe Refinanzierungsbedarf der Banken und Staaten die eine oder andere Adresse kurzfristig zum Offenbarungseid hätte verleiten können. Damit das von der EZB angestoßene „Retten“ von Pleitebanken und -staaten aber noch eine Weile länger „funktionieren“ kann, werden den Banken Europas im zweiten Teil der „Operation Flutwelle“ die dafür benötigten weiteren Milliarden- oder gar Billionenbeträge bereits Ende Februar zur „Abholung“ per Mausklick bereitgestellt – mille grazie, Mario!

War es einst eine währungspolitische Selbstverständlichkeit, dass Zentralbanken Geld nur gegen erstklassige Sicherheiten schaffen durften, akzeptiert die EZB seit Jahresbeginn rund 10.600 (!) neue Schuldeninstrumente, die anscheinend aber keinerlei ernsthafte Qualitätsstandards mehr erfüllen müssen. So akzeptiert die EZB als „Sicherheit“ für neue Kredite jetzt sogar die eigens für diesen Zweck kreierten Anleihen italienischer und spanischer Pleitebanken, deren „Werthaltigkeit“ nur dadurch erreicht wurde, dass die jeweiligen selbst von der Pleite bedrohten Staaten diesen ihr Subprime-Garantiesiegel aufdrückten! Dieser Vorgang aber, der nun die Renditen der Staatsanleihen sinken lässt, ist nur vergleichbar mit einer Straftat:

Wechselreiterei!

Dass darüber hinaus sogar die an spanische Fußballvereine vergebenen Millionenkredite für Käufe von Stars wie Ronaldo und Kaká über den „Transfermarkt“ nun bei der EZB landen, zeigt, dass man dort nicht nur wie die Fed bereit ist, alles zu monetarisieren, sondern mit der Gründung des FC EZB wohl schon für die Zeit … danach plant.

Ein weiterer Beweis dafür, dass der Euro währungstechnisch gescheitert ist, findet sich in der Bilanz der Deutschen Bundesbank. So versorgt nicht etwa die Deutsche Bundesbank die heimischen Banken mit Kredit, sondern die Banken kreditieren inzwischen die eigene Notenbank (!), nur damit diese innerhalb des europäischen Target-2-Zahlungssystems seit Mitte 2007 463,3 Mrd. Euro lediglich mit der Pleite der Club Med-Länder „besicherten“ Forderungen aufbauen konnte! Die Wahrscheinlichkeit, dass das vom ehemaligen französischen Staatspräsidenten Chirac als „größtes währungspolitisches Abenteuer der Menschheit“ bezeichnete Experiment Euro scheitern wird, wächst angesichts des desolaten Krisenmanagements der Politik und des Irrglaubens, ökonomische Gesetze mit politischer Macht außer Kraft setzen zu können … täglich! (Seite 2)

 

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3 Kommentare auf "„Größtes währungspolitisches Abenteuer der Menschheit“"

  1. rolandus sagt:

    Wieder ein Super Weise(r) Kommentar, den aber wohl nur die dehypnotisierten wahrnehmen, denn…wer sich einmal

    http://www.youtube.com/watch?v=7KC-V_8OpLY&feature=related

    ansieht kann analog auch das Folgende besser zuordnen, es braucht Hypnose nur noch durch Medien ersetzt werden

    (…Die im Januar gesehene Euphorie der sich im Liquiditätsrausch befindlichen Marktteilnehmer sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Bankrotterklärung Griechenlands zunehmend wahrscheinlicher wird..)

    Schön Gruss von der anderen Alsterseite und ins Ried
    rolandus

  2. wolfswurt sagt:

    Größtes Abenteuer der Menschheit oder Größter-Anzunehmender-Unfall.

    Wo geht die Reise hin?

    Vielleicht wissen die hier mehr: http://www.youtube.com/watch?v=ajvCk-UeIAY

  3. Adam Smith sagt:

    Seit drei Jahren folgt eine Flutwelle billigen Geldes der anderen. Ziel sollte seit drei Jahren über den Konsumanreiz eine Stabilisierung der Konjunktur sein. Merke: wenn die Konjunktur gut läuft, sieht man die Defizite in der Struktur nicht, dann werden wirklich einschneidende Veränderungen nicht so dringend!

    Seit drei Jahren geht das schief: das Geld kommt nicht beim Konsumenten an, die Kauflaune ist nach wie vor zurückhaltend. Gleichzeitig wird das billige Geld im Bankensektor zurückgehalten zur eigenen Liquiditätsabsicherung und natürlich auch zur Erhöhung der Profitmargin: selten zuvor war der Zinsspread so hoch – Einstand 0 für ein Hypothekengesichertes Darlehen 3,5% macht 3,5% Margin und das bei einer Eigenkapitaldeckung von7% ergibt eine Eigenkapitalrendite von genau 50% (ich habe die Kosten einfach weggelassen, aber bei einer internet-Bearbeitung über Callcenter sind die notwendigen Kosten auch wirklich nicht hoch) Trotzdem strotzen die Banken nicht vor Kraft, die herrlichen Profite werden im System verplempert, alle sind notleidend, die einen mehr, die anderen weniger. Der nötige Personalabau ist erst peripher erledigt, die Bedeutung des Sektors wird überschätzt, die schöpferische Zerstörung hat nicht eingesetzt, kurzum: der Bankensektor hat die geschenkte Zeit nicht genutzt und den den Strukturwandel nicht proaktiv vorangetrieben. Er ist fortwährend mit sich selbst beschäftigt.

    Das ist bemerkt worden, jetzt kommen die Rettungspakete 2.0: das Geld soll beim Konsumenten und Hausbesitzer ankommen. Man will die Banken dazu überreden, dieses Geld dorthin weiterzugeben, wo Politik und die wirtschaftliche Globalsteuerung (ja, auch Bernanke hat das gesagt!) das Geld von Beginn an haben wollte.

    Dieses Vorhaben hat eine ganz neue Dimension: die USA hat während der drei Jahre 30-40 % des BNP ins Spiel geworfen, UK eher mehr, die Eurozone war bis Dezember brav, aber holt nun ganz groß auf. Das ist die große Inflation, meine Herren, das viele Geld wird, wenn es nun irgendwann am Bestimmungsort ankommt, nicht ein paar Schiffchen auf ein höheres Niveau tragen, sondern wie ein Tsunami die Wirtschaft zerstören. Es sei denn alle stehen zusammen und versuchen die Inflationswelle auf ein Jahrzehnt zu dehnen und langsam ausrollen zu lassen. Zusammenarbeit der Illuminati ist gefragt!

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