Großreinemachen bei den Minen

31. Oktober 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Die größtenteils selbstverschuldeten Probleme der Bergbauunternehmen verursachen bei vielen Anteilseignern zunehmende Schmerzen. Man darf gespannt sein, wann es zur wohl unvermeidlichen Kapitulation kommt und die Aktien der Unternehmen die letzten Treppenstufen mit einem großen Satz nehmen….

Über die Ursachen der Probleme im Sektor wurde an dieser Stelle mehrfach geschrieben. (etwa „Keine Entwarnung bei den Minen“ Teil 1 & Teil 2). Neben den steigenden Kosten, die sich mancher Investor immer noch über eine der zig kursierenden Spielarten der Produktionskosten pro Unze schönrechnet, sorgt auch die Verwässerung des Aktienkapitals für anhaltende Sorgen. Der etwas schlichte Hinweis auf die „Schuldenfreiheit“ vieler Firmen ist nicht sonderlich gehaltvoll, wenn zur Deckung von Kapitallücken ständig neue Aktien platziert werden. Der Effekt aus dem Zusammenspiel von immer mehr Aktien bei gleichzeitig sinkender Profitabilität hinterlässt deutliche Spuren in den Charts der Unternehmen. Bei Barrick Gold ist man allein mit Aktienverkäufen nicht weit gekommen, daher ist auch die Nettoverschuldung in der Nähe der alten Rekordmarke.

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Bei vielen Aktien der Branchenvertreter bietet sich für Freunde der technischen Analyse an, den Verlauf der Marktkapitalisierung anstelle des Preischarts zu verwenden. Das könnte auch so manchen halb-fundamentalen Beobachter davon abhalten anzunehmen, eine Mine sei wieder so „billig“ wie vor zig Jahren, nur weil der Kurs das damalige Niveau wieder erreicht hat. Das muss nicht der Fall sein, wie folgendes Beispiel zeigt.

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Was man so alles Branchenprimus nennt, aber derartige Fehlbenennungen kennt der Deutsche ja auch aus dem Bankensektor. Nimmt man die Kennzahlen zur Hand sieht man wie drastisch sich die Erhöhung der Aktienzahl auswirkt. Die Entwicklung der letzten Jahre führte die Marktkapitalisierung in deutlich höhere Regionen als dies Kurs suggeriert. Aktuell liegt sie in etwa auf dem Niveau von 2006. Der Kurs hingegen laviert auf dem Level der frühen 90er Jahre herum. Will man von der Marktkapitalisierung in ähnliche Regionen, benötigte man dazu Kurse von knapp über 3 (drei) Dollar, vorausgesetzt es werden nicht noch mehr neue Aktien platziert.

Nun hat sich natürlich im Unternehmen seither viel bewegt, vor allem hat sich aber reichlich Cash aus der Firma herausbewegt. Angesichts der derzeit offenbar nicht gerade rund laufenden Geschäftstätigkeit kann man von einer operativen Verbesserung wohl kaum sprechen. Auch die Finanzkennzahlen verdienen nicht das Attribut „topfit“.



Auch abseits der Edelmetalle braut sich in den letzten Jahren Ungemach zusammen. Die großen Bergbauunternehmen dürften in den kommenden Quartalen mit weiteren Schmerzen rechnen. So meldete gerade die brasilianische VALE einen Quartalverlust von 1,4 Milliarden Dollar und klagt über die sinkenden Eisenerz-Notierungen. Erwartet worden sei, so las man bei Reuters, ein Gewinn von einer Millarde Dollar. Die fallenden Erz- und Metallpreise werden nicht nur den reinen Eisenerzproduzenten das Leben und Finanzieren schwerer machen. Nicht nur Aktionäre werden grübeln dürfen. Auch wer diesen Firmen sein Geld zum Niedrigstzins geliehen hat und in oft langlaufenden Anleihen steckt, wird bei steigenden Risikoprämien seinen Teil der Unterhaltung abbekommen. Ansonsten gilt die alte Weisheit: Never guess a bottom.


 

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Ein Kommentar auf "Großreinemachen bei den Minen"

  1. MFK sagt:

    Das sind alles Kaufkurse. Immer schön in fallende Kurse nachkaufen. Das ist der schnellste Weg in den Ruin. Auch kann der Goldpreis nicht unter den Produktionspreis fallen. Warum ist mir allerdings immer noch nicht klar, da Gold bekanntlich nicht verbraucht sondern gehortet wird. Schließlich müsste ein Unternehmen, welches von dem Verzehr seiner Substanz (abbaubare Reserven) lebt, schöne Dividenden auszahlen. Eigentlich …

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