Große Schulden, größere Sprechblasen

17. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Nein, es gibt nichts Neues zu berichten, nichts, was die Leute interessieren könnte – außer die alten Themen. Nun ja, Griechenland lehnt weitere Hilfsprogramme ab. In der Ukraine versickern die Milliarden. Und in Hamburg wurde gewählt. Langweilig, nicht wahr?

Soso, die „Schulden-Kolonie“ Griechenland gibt sich mal wieder widerspenstig. Von einem weiteren Eklat wird berichtet. Hellas will die Forderungspapiere der EU-Finanzminister nicht unterzeichnen. Selbst Paul Krugman meinte: „Die Regierung Tsipras hat gar keine Möglichkeit, so eine Erklärung zu unterzeichnen.“ Wenn das selbst Krugman versteht…

Von einer möglichen Pleite in wenigen Tagen ist die Rede. Die „Märkte“ sind „verunsichert“, warnen Experten. In der Tat, der DAX ist seitdem um 100 Punkte gefallen, also um ein Prozent. Das sind elf Milliarden Euro Börsenwert, die sich ausgelöscht haben. Danke, Herr Tsipras! Stellen wir in Rechnung! Kleiner Scherz!

Das Dumme an einer möglichen griechischen Pleite wäre, dass Griechenland seine Schulden auf einmal los würde. Frau Merkel müsste dann erklären, warum 70 Milliarden Euro weg sein dürften, und auch all ihre europäischen Kollegen, während man in der Heimat nicht vor Lachen in den Schlaf kommt, sondern aufgrund der wachsenden Schlaglöcher. Die „Märkte“ haben das schon eingepreist oder einpreisen können. Vielleicht geht es in Sachen Griechenland weniger um Schulden, sondern um Geopolitik. Varoufakis und Tsipras wissen das. Der Poker geht weiter. Die Leute hierzulande interessiert das aber nicht mehr.

Wählermarkt

Während der DAX gerade vor sich hinbröckelt, möchte man gerne wissen, was der „Markt“ denkt. Der Politiker „Markt“ sind ja ihre Wähler. Wer kann sich schon etwas über verlorene 70 Milliarden Euro vorstellen. Solange das gesendet wird, was in der Programmzeitschrift angekündigt wurde, Facebook funktioniert und die Heizung warm bleibt, scheint alles in Ordnung zu sein. Mancher wird sich fragen: „Was kann man denn tun?“ Und schaltet um. Vielleicht gibt`s ja die „Quittung“ bei der nächsten Wahl, wenn man wieder mal glaubt, etwas tun zu können.

Wenn auch noch ein paar Milliarden in der Ukraine versickern, ist das weniger schlimm. Es war ja für einen den Frieden und ist zudem viel weniger, als uns Griechenland insgesamt gekostet hat. Eine etwaige Steuerverschwendung von nur 10 Millionen Euro ist unterdessen kaum noch erwähnenswert, sondern nur eine derzeit gerade versagende Kurbel in der Konjunktur.

Ob die Politiker dem Rettungspaket für Banken, Pardon, für Griechenland zugestimmt hätten, wenn sie bei einem Scheitern eine Strafe bezahlen müssten aus dem privaten Vermögen? Auch die offenbar verlorenen Kredit für die Ukraine sind ja eine Investition, wenn auch nicht sinnvoll. Damit werden unter Umständen auch „Abfangprämien“ gezahlt werden. Zudem ist die Ukraine ein kleines Griechenland 2.0.

Schwarmdumm: So blöd sind wir nur gemeinsam

In Hamburg hat die SPD gewonnen. Zumindest haben 52 Prozent der Leute ihre Stimme in einer Urne abgelegt, wo man normalerweise die Asche von Toten bestattet. Das eine vom anderen zu unterscheiden ist zugegebenermaßen etwas schwierig geworden. Herrn Scholz von der SPD werden inzwischen sogar Kanzlerqualitäten nachgesagt. Wenn ich es richtig sehe, regiert er mit Zustimmung von 24 Prozent der Hamburger. Das hat schon was für einen künftigen Kanzler! Während die Bilder des Jubels noch über die Matsch-Scheibe flimmern, fragte ich mich, was die anderen 48 Prozent bewogen hat, ihrer Urne fernzubleiben? Karneval? Das Wetter? Desinteresse?

Hamburg: Happy Desaster

Ich vermute, viele der 52 Prozent Wählerschaft in Hamburg wurde durch Versprechen auf bunten Plakaten mit Null-Statements mobilisiert, wodurch sich heute jeder Wahlkampf auszeichnet. Vermutlich werden auch viele Leute sichergestellt wissen wollen, dass künftig Geld ohne eigene Leistung vom Staat kommt mit der Hoffnung auf mehr. Wer vom Staat lebt, wird sich nicht weniger Staat wünschen. Im Gegenteil! 20 Millionen Rentner werden mir zustimmen. Wenn es auch derzeit (noch) wenig Rente ist, könnte es doch später mehr werden, wenn man … den richtigen Kanzler wählt.

Die Empfänger von staatlichen Geldern brauchen zudem keine Freiheit und wünschen sich diese auch nicht. Wozu auch? Und diejenigen, die ihre Dinge selbst in die Hand nehmen wollen, sollen mal eine GmbH gründen. Viel Spaß! Dann doch lieber abhängig beschäftigt sein, statt selbst und ständig. Fünf Millionen Beamte in Deutschland werden mir vollumfänglich zustimmen, auch dass Bürokratie den Feind in Friedenszeiten ersetzt. In Sachen Umverteilung der Guthaben sieht es nach einem künftigen Krieg aus… (Seite 2)

 

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6 Kommentare auf "Große Schulden, größere Sprechblasen"

  1. bluestar sagt:

    „Unsinn mutiert nach und nach zur Normalität und Lügen zu Wahrheiten. Wenn es sich da oben festgesetzt hat, bekommt man es schlecht wieder raus wie Rotwein aus Tischdecken. Fleckenentfernung ist sinnlos, denn neuer Rotwein wird schneller nachgekippt, als man diese Flecken entfernen kann. Irgendwann sind violette Tischdecken der letzte Schrei. Es ist sinnlos.“
    Genau das trifft den Kern. Und Leute die diese verseuchten Tischdecken entfernen wollen sind Verschwörungstheoretiker, Putinversteher, Rechtspopulisten.

  2. Lazarus09 sagt:

    Die einzige Weisheit ist Zynismus. [Gottfried Seume]

  3. Sandra sagt:

    Humor hilft nur, wenn man zuletzt lacht.

    Warum haben wir keine wirtschaftlichen Neuerungen? Weil diese nicht in die bestehende Struktur passen. Warum nicht?
    Weil das Zeitalter des Dienens der einen oder anderen anerkannten Authorität auf welchem Level auch immer vorbei ist. Das Zeitalter der Kooperation hat schon längst begonnen, passende Strukturen sind erdacht, Lösungen werden gefunden. Die Zeit in ihrem Lauf hält niemand auf.

  4. stonefights sagt:

    Bei einer Mengen-Angabe von „110% der Frauen“ stellt sich bei mir eher ein Ganser-Syndrom ein.
    Aber vielleicht liegt es auch nur am chromosomen Y-„Syndrom“, dass ich mir nicht mehr als 100% (m)einer Frau vorstellen will 🙂
    lg, stonefights

  5. Avantgarde sagt:

    Was sind schon 70 Mrd heutzutage – die EZB braucht doch künftig noch nicht mal 2 Monate um diese Summe neu zu erzeugen…..

    Das Geld ist eh schon ausgegeben. Daß GR niemals seine Schulden wird zahlen können und die Wirtschaftsdaten allesamt frisiert waren das wusste die EU doch bereits 2010- da ist die Monetarisierung nur der zwingened logische Schritt.

    Traurig aber wahr – und pragmatisch…….

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