Großes Gold-Kino bei der Bundesbank

20. Januar 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer)

Lagert etwa deutsches Gold im Ausland? Lange Zeit galt diese Frage als böse Verschwörungstheorie. Dabei war und ist es doch gängige Praxis. Mit einer Wellen der „Transparenz“ versuchte in dieser Woche die Bundesbank Klarheit in diese Sache zu bringen. Ein paar Zahlen…

Von den 3.400 Tonnen Gold im Gegenwert von 137 Milliarden Euro lagert der größte Teil noch in New York, London und Paris. Bis 2020 soll die Hälfte davon nach Hause kehren. Für 300 Tonnen aus den USA braucht man dafür sieben Jahre. Wieso so lange? Ist alles Gold vorhanden? Ist es echt? Bislang zeigte sich die Bundesbank zugeknöpft. Geprüft wurde nichts. Wohl aus Sicherheitsgründen.

Jetzt aber präsentierte man den staunenden Journalisten 20 der insgesamt 271.000 Goldbarren als Beweis für seine Echtheit. Die Botschaft, es wäre alles in Ordnung, sollte durchs Land gehen. Alles geschah auch aufgrund öffentlichen Drucks, so die Bundesbank. Öffentlicher Druck? Immerhin fordern ja 13.500 Leute per Unterschrift „Holt unser Gold heim!„, also fast schon eine Mehrheit von 0,02 Prozent der Bevölkerung.

Und siehe da: Die 20 handverlesenen Barren waren wirklich echt – und damit ein theoretisch maximaler Schlag gegen Verschwörungstheoretiker. Trotzdem fordern diese Leute eine richtige Inventur und Prüfung des Goldes – und zwar in Frankfurt. Das war bislang nicht nötig. Aus Sicherheitsgründen?

Der deutsche Goldschatz umfasst umgerechnet 42,5 Gramm pro Bundesbürger im Gegenwert von 1.725 Euro. Verkauft es und senkt Staatsschulden, fordern schon die ersten Experten. 137 Milliarden Euro reduzieren schließlich die bundesdeutschen Schulden um sagenhafte sieben Prozent. Politiker würden wohl das Doppelte davon wieder ausgeben und die Hälfte davon für Sinnloses.

Ist wirklich alles in Ordnung mit dem deutschen Gold? Keine Ahnung! Ich halte mich dann lieber an den eigenen Goldstandard im Sparstrumpf. Die Geschichte zeigt eines im Fall der Fälle: Gold ist der Star. Also holt es da raus – aus den fremden Bunkern!

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)


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