Große Träume, kleine Brötchen

14. Juni 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott

Seit der Jahrtausendwende hat Australien von der wachsenden Bergbauindustrie profitiert. Die Erzpreise kannten bis zur Kreditkrise nur eine Richtung, die Gewinne und  Investitionen der Konzerne lieferten sich ein Wettrennen. Diese Zeiten sind vorerst vorbei…

Seit dem Jahr 2000 gleichte vor allem der Preisverauf von Eisenerz einem raketenartigen Aufstieg, an dessen Ende die Notierungen fast auf das Elffache gestiegen waren. Wie andere Grundstoffe legte auch Kupfer deutlich zu. Die beiden Rohstoffe sind von großer Bedeutung, machen sie doch mehr als 50% der gesamten Förderung der größten Minenkonzerne aus. Die oft höher eingeschätzte Kohle liegt bei lediglich 17%.

Die weltweit geführten Diskussionen um den Abbau und Verkauf der heimischen Rohstoffe resultierten down under in der von der australischen Regierung initiierten Minerals Resource Rent Tax („Mining Super Tax“). Wie so oft wurde auch in diesem Fall der Gipfel derartiger Begehrlichkeiten nahe des Hochpunkts der Unternehmenserträge erreicht. Die genannte Steuer trat im Juli 2012 in Kraft.

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Die Bedeutung des Abbaus von Erzen in Australien hat vor allem für die Großkonzerne in den vergangen Jahren deutlich zugenommen. Mit 45% der Förderung hat sich der Kontinent deutlich von den anderen Wirtschaftsräumen abgesetzt. Man gräbt heutzutage lieber daheim als anderswo.

revenue by area

Damit steigt auch die Bedeutung der Bergbauindustrie für Australien, eine Erkenntnis, die sich mittlerweile auch aus den regelmäßigen Veröffentlichungen der RBA herauslesen lässt. Neben den Einnahmen aus der erwähnten Steuer, die nach den Ertragseinbrüchen der Unternehmen allerdings deutlich geringer als geplant ausfällt, profitierten die Wirtschaft und die Politik von einem Einstellungs- und Investitionsboom. Wenn auch nicht so massiv wie in einigen Schwellenländern, so überdeckte auch in Australien der Bergbauboom lange die strukturellen Schwächen der anderen Wirtschaftszweige und die sorgen der Konsumenten.

Jeder Aufschwung bringt seine spezifischen Übertreibungen mit sich und so dürften sich einige Firmen langfristrig Probleme aufgehalst haben. Die Unternehmen, der Staat und die Angestellten werden wohl kaum vom mehr hormon- denn vernunftgesteuerten Übernahmeboom einiger Kolosse und den schlichten Hoffnungen mancher Vorstände profitieren. Einige der vermeintlichen Visionäre waren so erfolglos, dass sie mittlerweile einer anderen Tätigkeit nachgehen.

Den Aktionären hilft dies wenig. Die Kosten für unprofitable Großprojekte und Übernahmen liegen schon jetzt deutlich im mittleren zweistelligen Milliardenbereich, was auch für eine Branche mit einem Jahresumsatz von mehr als 700 Mrd. Dollar schmerzhaft ist. Dazu gesellt sich ein bald aufkeimender Finanzierungsdruck.

aussie mining business

In den öden Weiten der australischen Wirtschaft, die seit geraumer Zeit dahindümpelt, war der Minensektor bis vor einigen Quartalen eine Stütze des Arbeitsmarktes, der Investitionen und des privaten Konsums. Dieser Trend nähert sich dem Ende.

Es bedarf nur wenig Fantasie, sich die Auswirkungen der angekündigten Senkung der Bergbau-Investitionen auf die australische Wirtschaft vorzustellen. Schon im April dieses Jahres wurde der höchste Stand bei den Firmenpleiten seit 1999 erreicht. Kein schönes Zeichen.



 

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