Die große Spekulation mit Immobilien, Aktien und Edelmetallen

17. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Vor einigen Tagen traf ich einen alten Bekannten, der mir freudestrahlend von seinem neuesten Hauskauf im Niederbergischen Land erzählte. Als ich ihn nach dem Grund fragte, antwortete er mir mit einem einzigen Wort: Griechenland…

Nun kenne ich die Gegend seit langer Zeit; über ihre Grenzen hinaus ist sie in erster Linie durch den Neandertaler bekannt. Was den mit dem Volk der Hellenen verbindet, war mir erst einmal schleierhaft. Aber mein Bekannter klärte mich ratzfatz auf: „Du weißt doch, Griechenland bringt uns Inflation, und ich schütze mich davor, indem ich ein Haus kaufe. So bringe ich mein Geld in Sicherheit.“ Sprach’s und verabschiedete sich mit einem Leuchten in den Augen.

Aussagen wie diese sind typisch für die aktuelle Gemütslage breiter Bevölkerungskreise hierzulande und für die Argumentation vieler Immobilienmakler. Sie enthalten sogar ein Körnchen Wahrheit, allerdings unter ganz anderen Vorzeichen: Je mehr Griechen – und Bewohner aus anderen Peripherieländern Europas – nach Deutschland kommen, desto stärker wächst hier der Bedarf an Wohnraum, was die Immobilienpreise von Fall zu Fall durchaus nach oben treibt. Das hat indes nichts mit der Gegend rund um das Neandertal zu tun und mit der Inflation als solcher erst recht nicht.

Aber warum hat sich dann Griechenland als vermeintlicher Inflationstreiber in den Köpfen vieler Deutscher schon derart festgesetzt, dass sie auf einmal mehr Immobilien kaufen als noch vor zwei oder drei Jahren? Die Antwort ergibt sich zum Teil zwar aus der hinreichend bekannten Kombination von niedrigen Zinsen und Nachholbedarf in den Ballungszentren, zu einem weiteren nicht zu unterschätzenden Teil aber aus der medialen Wahrnehmung und aus der Massenpsychologie: So gut wie alle gängigen Medien bombardieren uns ständig mit den Themen Griechenland, Schuldenkrise, -bremse und -schnitt, ESM, Target2, Geldschwemme usw. Da können Reaktionen der Bevölkerung nicht ausbleiben, einer steckt den anderen an, und am Ende heißt es oft, die Deutschen seien in puncto Inflation besonders sensibel, weil sie eine ganz schlimme Geldentwertung 1923 und eine fast so schlimme nach dem 2. Weltkrieg erlitten haben.

Besonders an der Geldschwemme ist zweifellos viel dran. Nachdem sie bis zum vergangenen August die Edelmetalle so stark begünstigt hatte, dass damals sogar die Bild-Zeitung das Thema Gold auf die Titelseite hob, ergoss sie sich später immer mehr über deutsche Wohnimmobilien und – nach einigem Hin und Her – seit Beginn dieses Jahres auch über Aktien. Wobei zu beachten ist, dass es sich bezüglich der Edelmetalle und Aktien um ein internationales, bezüglich der Wohnimmobilien in diesem Fall dagegen um ein deutsches Phänomen handelt, während die Preise dieser Immobiliengattung in vielen anderen Ländern eher abwärts gerichtet sind (dazu später mehr). Was allerdings einschließt, dass sich bei uns inzwischen wieder viele Anleger aus dem Ausland tummeln, die besonders großen Gefallen an Wohnungen und ganzen Häuserzeilen in Hamburg und Berlin finden.

Die Edelmetalle haben, wenn man so will, zwei Konkurrenten. Sie mit Aktien und Immobilien zu vergleichen, gerät dennoch immer wieder zu einem wahren Abenteuer, auch wenn alle drei gemeinhin als Sachwerte gelten. Das beginnt damit, dass Edelmetalle sich nicht verzinsen, dass Aktien wie auch Immobilien Mischungen aus Ertrags- und Substanzwerten sind und dass alle drei ihre spezifischen Zyklen haben… (—> Seite 2)

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