Griff ins Klo: Hochprozentiges vom Mittelstand

22. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Unternehmensanleihen gehören zu den brisantesten Anleiheklassen. Tausende von deutschen Sparern sind auf sie hereingefallen. Doch Differenzierung tut not. Die Reinfälle betreffen zum Großteil Mittelstandsanleihen…

Das sind überwiegend von keiner oder nur von einer wenig kompetenten Ratingagentur untersuchte Anleihen, die nach ihrer Emission, wenn überhaupt, mit hohen Abschlägen gehandelt werden. Ihre Ausfallrate beträgt etwa 25 Prozent, das heißt, ein Viertel der Anleger erleidet Totalverluste.

Es geht aber auch anders. Das Deutsche Aktieninstitut lud am vergangenen Donnerstag zu einer neuen Unternehmensanleihen-Runde ein. Da waren Profis unter sich. Im Folgenden stütze ich mich auf Aussagen von Thomas Kull (Société Générale), Michael Schiller (Union Investment) und Volker Marnet-Islinger (Deka Investment).

Bisher waren Unternehmensanleihen in der Regel stark überzeichnet, weil sie höhere Renditen als Staatsanleihen boten. Das hat sich in den ersten Monaten dieses Jahres geändert. Jetzt sind eher nur noch zwei- bis dreifache Überzeichnungen üblich. Um trotzdem auskömmliche Renditen zu erzielen, konzentrieren sich die Investoren mehr und mehr auf Anleihen mit langen Laufzeiten. Besonders zehnjährige sind in – klar, wenn Bundesanleihen mit dieser Laufzeit schon unter 0,2 Prozent rentieren, verlagert sich die Nachfrage automatisch zu höheren Renditen. Man nimmt vereinzelt sogar Anleihen ohne Rating in Kauf und ohne dass ein Prospekt vorliegt. Manchen Investoren ist es egal, ob der Sekundärmarkt ordentlich funktioniert. Dann sind starke Schwankungen der Anleihenkurse so gut wie programmiert.

Von daher gesehen erhält der Begriff Liquidität eine große Bedeutung: Fällt der Sekundärmarkt weitgehend aus, werden Anleihen praktisch illiquide. Wobei speziell private Anleger aufpassen müssen: Kaufen sie jetzt Anleihen, die in großen Tranchen vor allem unter institutionellen Anlegern gehandelt werden, stoßen sie mit ihren kleinen Tranchen auf mangelnde Nachfrage. Die nächste Krise an den Kapitalmärkten wird indes eher von illiquiden Institutionen als von illiquiden Personen ausgehen. Auslöser können auch Ereignisse wie die Eskalation in Griechenland, in der Ukraine oder im Baltikum sein.

Es gilt, einige Facetten besonders im Auge zu behalten. Dazu gehört zweifellos der Anlagenotstand einiger Institutionen, seien es Versicherer, Pensionskassen, Fonds oder Family Offices. Sie sorgen im Zuge der extrem expansiven Geldpolitik der EZB dafür, dass die Spreads (Unterschiede, in diesem Fall bezüglich der Renditen) zwischen gut und weniger gut beurteilten Anleihen immer geringer werden. Das führt dazu, dass die Emittenten von Anleihen und ihre Helfershelfer an den Kapitalmärkten in erheblichem Umfang die Bedingungen diktieren können. In letzter Zeit sind zunehmend auch amerikanische Emittenten am Markt für Euro-Anleihen aufgetreten. Das könnte diesen Markt volatiler machen, also reicher an Schwankungen.

Der Anteil der illiquiden Anleihen will seit 2010 einfach nicht mehr weiter fallen. Folglich bleiben viele Groß- und Kleinanleger so lange auf ihren Papieren sitzen, bis deren Tilgung ansteht – bei mittelprächtigem, negativem oder gar keinem Rating aus Anlegersicht ein großes Wagnis. Und was die vonseiten des Kapitalmarktes ausgehenden Risiken betrifft, sei noch erwähnt, dass immer mehr Institutionen wegen der extrem niedrigen Zinsen dazu übergehen, ihre Anlagen zu hebeln, das heißt, Renditen mithilfe von Krediten aufzupolieren. Das ist allein schon deshalb gefährlich, weil dadurch der Trend zu höherverzinslichen Anleihen mit schlechtem Rating verstärkt wird.

Der Anleihemarkt unterliegt einem Wandel, zu dem es auch wegen der verschärften Regulierung gekommen ist. Vor der Finanzmarktkrise dominierte das Market-Maker-System: Banken in ihrer Brokerfunktion sorgten für Liquidität im Sinn von Marktbreite. Sie fungierten daneben auch als Vermögensvewalter für sich und ihre Kunden. Nebenher beteiligten sich Fonds und Versicherer an diesem System. Die Gewichte sind nun verschoben: Die Broker- und Verwalterfunktion der Banken hat an Bedeutung verloren. Dagegen sind Fonds und Versicherer dominant. Und private Anleger, statt ihre Anleihen weiter von Banken verwalten zu lassen, steigen lieber direkt ins Brokergeschäft ein. Fazit: Halten Sie sich vom Geschäft mit Anleihen fern, überlassen Sie es den Institutionen!
Manfred Gburek – Homepage



 

2 Kommentare auf "Griff ins Klo: Hochprozentiges vom Mittelstand"

  1. FDominicus sagt:

    Ich bin mir der Probleme durchaus bewußt, entscheide mich aber bewußt für eben solche Anleihen. Es geht darum ob man diesen Betrug mit Staatsanleihen gutiert oder nicht und ich finde es falsch, hier denjenigen Kredit einräumen die jeden Kredit (aka Glaubwürdigkeit) verspielt haben. Wer heute noch Anleihen von Staaten kauft beteiligt sich aktiv an dem Betrug des aktuellen Falschgeldsystems. Das ist ein Fakt. Egal wieviele Sprüche von welcher Zentralbank auch kommen. Und das die Zentralbanken aufhören zu drucken, ist an Lächerlichkeit kaum zu überbieten. Bei den Schulden die die Staaten weltweit haben? Das Ende wird kommen wie in Zimbabwe und wie bei jedem Falschgeldsystem in der bisherigen Geschichte. Es gibt nur wenige Fragen die dazu noch zu klären sind
    1) Wann
    2) Wie viel Tote?

    Alle Wähler wählen weiterhin diejenigen Parteien die den ganzen Verbrechenszyklus angefangen haben. Weltweit. Diejenigen die es nicht tun, haben keine Chance nicht mitgehangen zu werden. Jeder einzelne Immobilienbesitzer ist eine Geisel des Staates in dem er gerade lebt. Und es wird keine blutfreie Befreiung geben. Es wird im Gegenteil noch sehr viel repressiver werden.

    Man sieht es ja schon an den „Austauch“ von Daten zwischen EU Ländern und Nicht Eu Ländern, man sieht es an der Forderung von mehr Überwachung und Datenspreicherung und man sieht es ganz speziell an der Kriminalisierung von Bargeld.

    Es wird auch an der Mehrheit der Wähler nicht vorbeigehen und das ist da einzig gut daran. Ich persönlich hoffe es wird gerade die Mehrheit massiv erwischen. Sie haben es sich redlich verdient.

  2. bluestar sagt:

    @FDomicus
    „Es wird auch an der Mehrheit der Wähler nicht vorbeigehen und das ist da einzig gut daran. Ich persönlich hoffe es wird gerade die Mehrheit massiv erwischen. Sie haben es sich redlich verdient.“
    Ja, das sehe ich genauso. Allerdings schließe ich selbst bei Eintritt der Katastrophe einen grundlegenden Erkenntnisgewinn bei der Masse aus.
    Die Mehrheit der Deutschen bleibt treu bei der Stange bis zum Endsieg, also Totalniedergang der Heimat. Und danach waren alle anderen daran schuld. Vor allem Putin, der Winter, die Verschwörungstheoretiker, Rechtspopulisten oder der Weihnachtsmann…

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