Griechischer Poker: Euro-Krise 2.0 im Anmarsch?

8. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

vom Smart Investor

Mit voller Wucht kam über die Weihnachtsfeiertage die Eurokrise zurück in das Bewusstsein vieler Anleger – den angekündigten Neuwahlen in Griechenland sei Dank. Das griechische Schuldendrama geht damit in eine neue Runde…

Sollte der Wahlsieger des Urnenganges am 25. Januar der Linkspolitiker Alexis Tsipras und seine Syriza-Partei sein, wird es wohl ungemütlich für die EU und die EZB. Tsipras hat bereits einen Bruch mit dem Reformkurs der heutigen Regierung angekündigt, mit den in der Troika organisierten Gläubigern möchte er im Fall einer Regierungsbeteiligung seiner Partei über einen weiteren Schuldenschnitt verhandeln.

Ein „Grexit“ – das heißt der Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone (Kunstwort aus Greek euro exit) – würde damit vermutlich zu einer realistischen Option. Für die „Euro-Retter“ droht hier entgegen aller Dementis eine Katastrophe. Ein griechischer Euro-Austritt könnte neben einer veritablen Bankenkrise auch ein erneutes Übergreifen der Krise auf Länder wie Italien, Spanien oder Portugal bedeuten. Zwar wird von einigen Politikern (wie dem deutschen Vizekanzler Sigmar Gabriel) behauptet, dass die Euro-Zone, anders als vor drei Jahren, heute nicht mehr erpressbar sei. Derlei Aussagen lassen sich jedoch als Pokerspiel auf hohem Niveau abtun.

Gegenseitige Erpressbarkeit

Natürlich ist die Euro-Zone erpressbar, alleine aufgrund der möglichen Konsequenzen eines „Grexits“. Bereits die angekündigte Neuwahl sorgte für einen massiven Abfluss von Liquidität aus dem griechischen Bankensystem. Für Pleiten der dortigen Banken sind dank Bankenunion seit Anfang dieses Jahres auch die Sparer der restlichen Euro-Staaten in der Haftung. Sollte es zu einem zweiten Schuldenschnitt kommen, werden diesmal vermutlich alle Gläubiger mitmachen müssen, d.h. auch die EZB, die Gläubiger der Hilfskredite aus dem ersten Griechenlandpaket und der Rettungsfonds EFSF (daran ist Deutschlands Anteil rund 27%).

Laut Berechnungen des Münchener ifo-Instituts beträgt der mögliche Verlust des deutschen Staates bei einem Staatskonkurs Griechenlands und einem gleichzeitigem Austritt aus dem Euro rund 76 Mrd. EUR, darin enthalten sind auch die ausstehenden Target 2-Salden der griechischen Zentralbank. Für eine Insolvenz bei einem gleichzeitigen Verbleib im Euro-Verbund sehen die Wissenschaftler interessanterweise sogar einen Verlust von 77 Mrd. EUR voraus. Bei einem Schuldenschnitt auf rund 90% des BIPs (derzeit 175%) drohen Deutschland Verluste von bis zu 40 Mrd. EUR.

Für alle Beteiligten steht also viel im Feuer, in Wahrheit dürften beide Seiten jeweils „gegenseitig erpressbar“ sein. Die Griechen mit einer Einstellung der Hilfsgelder, die Euro-Länder mit dem Horror-Szenario eines Austritts aus der Währungsgemeinschaft. Im Vorfeld der Wahlen versucht die EU daher vermutlich die griechischen Wähler einzuschüchtern. Sollte Tsipras dennoch gewinnen, lassen sich bereits heute neue Marathonverhandlungen und Nachtsitzungen in Brüssel vorhersehen – mit einem höchstwahrscheinlich absehbaren Ergebnis: Einem Verbleib Griechenlands im Euro bei weiteren Zugeständnissen der Gläubiger oder einem partiellen Schuldenschnitt. Auch trotz – oder vielleicht gerade wegen – der Existenz der Rettungsschirme und der weitgehenden „Verstaatlichung“ der griechischen Staatsschulden (angeblich liegen derzeit nur noch Anleihen für 23 Mrd. EUR im Banken- und Privatbesitz) steht wohl viel zu viel auf dem Spiel.

Sollte Griechenland in Konkurs gehen, müsste beispielsweise die EZB neu kapitalisiert werden. Das Eigenkapital der Notenbank wäre durch die Verluste aus griechischen Staatsanleihen dann nämlich aufgebraucht. Auch der Schreck Europas, Alexis Tsipras, spricht in einem jüngst veröffentlichten Artikel in der deutschen Huffington Post von einem Verbleib im Euro, die Debatte um den Grexit ist damit wohl vor allem eines: Ein großer Bluff in einem Pokerspiel.

Auf dem Weg zur Parität

Unterdessen setzt der Euro weiterhin seinen dramatischen Sturz im Verhältnis zum US-Dollar fort. In einer neuerlichen Verkaufswelle gab die Gemeinschaftswährung seit Mitte Dezember nochmals deutlich nach, die Abwärtsbewegung gewinnt daher immer mehr an Dynamik. War im Dezember vermutlich noch überwiegend die Rubel-Krise und die Sanktionen gegen Russland der Belastungsfaktor, ist es nun vermutlich die jüngste Griechenland-Krise. Bis zum Wahltermin am 25. Januar gibt es an dieser Front zunächst keine Beruhigung, langfristig gehen wir von einer nachhaltigen deutlichen Abwertung des Euros aus… (Seite 2)




 

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Ein Kommentar auf "Griechischer Poker: Euro-Krise 2.0 im Anmarsch?"

  1. JayJay sagt:

    Richtig erkannt, alles ist nur ein riesen Bluff, den am Ende wird die politische Kaste in Brüssel, Paris, Berlin oder sonst wo in der EUDSSR alles aber auch alles akzeptieren was ihnen Athen diktiert. Nur wird das natürlich hinter Fachchinesisch und seichtem BlaBla versteckt für die Bürger.

    Unsere Milliarden sind so oder so weg und sicherlich kommen noch ein paar dutzend über die nächsten Jahre dazu.
    Aber was solls, das Thema interessiert doch die breite Masse sowieso nicht mehr, dann sollen sie später aber auch nicht jammern wenn sie bluten müssen für die verlogene politische Kaste.

    Gold & Silber Ahoi

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