Griechische Wochen

5. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Affenhitze? Affenzirkus! Götter verstehen wirklich Spaß und schicken ein schweißtreibendes Hoch über Europa in der Form eines Omega. Das ist der allerletzte Buchstabe des griechischen Alphabets und steht für Ende. Ein Zufall?

Dieses Hoch schaufelt gigantische Luftmassen aus dem Westen über Umwege bis nach Griechenland wie Politiker bislang Gelder, um sich selbst zu retten. Ihre verwirrenden Statements liegen weniger am Wetter sondern an der Sorge um ihr hübsches Kartenhaus. Man ist dem ausgeliefert wie den Stechmücken am Badesee – wobei Mückenstiche einfacher behandelbar sind als die Folgen europäischer Vereinheitlichungspolitik.

Die Kanzlerin wiederholte im Bundestag: „Scheitert der Euro, scheitert Europa“. Wirklich? Oder scheitern beim Scheitern des Euro nicht sogar diejenigen, die sich jetzt plötzlich um die armen Griechen sorgen, die per Referendum entscheiden dürfen, ob sie weiterhin die Zeche für die Großen da oben zahlen wollen?

Zudem ist es doch ziemlich undemokratisch, wenn eine Regierung das Volk fragt – und auch gefährlich, wenn die für dumm verkauften Leute bei komplexen Themen im Sinne der EU-Politik falsch abstimmen. Dieses Problem gibt es hierzulande zum Glück nicht.

Warum aber telefonierte Frau Merkel mit Herrn Obama? Griechenland spielt doch für die USA wirtschaftlich eine so große Rolle wie wenn eine Mücke einen Elefanten streichelt. Sollte Griechenland eine geostrategisch wichtige Rolle auch für die USA spielen, dann stören weder zu hohe Schulden, eine jahrelang verschleppte Pleite und deren Folge, sondern eigentlich nur der Tsipras und seine Regierung. Und der muss weg. Nun aber besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich dieses Problem mit dem Referendum löst, sollten die Griechen mit einem „Ja“ für den Verbleib beim Alten stimmen. Die aufgebaute Drohkulisse bei einem „Nein“ wurde passend dazu aufgebaut:

Nicht ganz zufällig geht den griechischen Banken am Montag das Geld aus. Nicht zufällig heißt es, 30 Prozent der Guthaben über 8.000 Euro auf dem Konto könnten einem Haircut zum Opfer fallen. Nicht zufällig redet man über humanitäre Maßnahmen für das Land – wie nach einem Erdbeben der Stärke 10. Die Medien bediente diese Ängste auf passende Art und Weise, so dass das Lager derer wuchs, die für einen Verbleib Griechenlands im Euro, in der der Eurozone und unter dem Diktat der Institutionen als kleineres Übel vermittelt bekamen.

Nein, Griechenland darf den Euro aus politischen Gründen nicht verlassen, koste es, was es wolle. Mit einem „Ja“ wäre der Weg frei, die gemachten Fehler mit noch größeren Fehlern zu beheben und die Kredite mit größeren Krediten zu bereinigen. Die Götter schickten schon mal vorab die passenden Zeichen: Das Omega-Hoch wird uns noch eine Weile erhalten bleiben.

© Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)




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2 Kommentare auf "Griechische Wochen"

  1. waltomax sagt:

    Immer noch steht die Frage im Raum, ob die USA Griechenland nicht offiziell in die Pleite ziehen lassen wollen, weil sich Lehman sonst wiederholen könnte? Gemeint ist die Fälligkeit von Credit-Default-Swaps. Ich würde mich freuen, wenn einmal jemand dazu was sagen könnte, der mehr von Wirtschaft versteht, als unsereiner… Sollte also nicht schwer sein.
    So um 20 12 konnte man über dieses Thema jedenfalls noch so einiges lesen. Jetzt nicht mehr…

    Lautes Schweigen.

  2. gargamel sagt:

    Oh, es wird schon das „richtige“ Ergebniss bei der Abstimmung herauskommen, dafür ist schon vorgesorgt worden.
    Singular Logic gehörte zur Marfin Investment Group. Als im Dezember 2014 klar wurde, dass Syriza künftig Griechenland regieren würde, da verkaufte Marfin Investment Singular Logic an das US-Investmentunternehmen KKR. Im Management von KKR sitzt der frühere CIA-Chef David Petraeus.
    Der ist heute auch Chairman des KKR Global Institute. David Petraeus gilt als ein Bindeglied zwischen Goldman Sachs und KKR. Goldman Sachs und KKR treten immer dann zusammen auf, wenn es darum geht, gemeinsam Kasse zu machen.
    Wenn KKR sich also unlängst jenen IT-Dienstleister gekauft hat, der in Griechenland komplett ALLE Soft- und Hardwarekomponenten für Wahlen unterhält, wartet und betreibt, dann macht das – vorsichtig gesagt ‒ stutzig.
    Und jetzt führt dieses im Hintergrund von Ex-CIA-Mitarbeitern gelenkte Unternehmen die wichtigste Abstimmung in der jüngeren griechischen Geschichte durch und hat ganz allein alle Datensätze für das Abstimmungsergebnis. Werden wir also Zeuge einer großen Wahlfälschung im Mutterland der Demokratie?

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