Griechenland: Man kann es auch anders sehen

4. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

Kurzkommentar von Frank Meyer

Es heißt, Griechenland steht das Wasser bis zum Hals. Das ist die halbe Wahrheit bzw. eine halbe Lüge. Wenn Griechenland nicht zahlt, weil es nicht zahlen kann, dann steht nämlich den Gläubigern das Wasser bis zum Hals…

Aber dazu wird es wohl nicht kommen. Irgendwann wird weißer Rauch aufsteigen und die „Erfolge der harten Verhandlungen“ gefeiert. Der Pulverdampf, der keiner war, wird sich als Zuckerstaub in den Lungen der Medien-Konsumenten zu einem wohligen Gefühl wandeln – mit einem „endlich!“

Was ansteht, ist eine Vertiefung der Transferunion. Das Geld, was die Gläubiger erschaffen, wird für einen Moment über Griechenland sofort zurück an die Gläubiger fließen. Diese retten sich damit selbst und nicht etwa  Griechenlands Bürger. Das Geld macht nur einen Umweg. Die Sache ist politisch und eigentlich wieder mal ganz einfach: Scheitern ist eine Option. Derzeit wird nur die entsprechende Unterhaltung in der Sache geliefert, dass es nach einem harten Kampf aussieht. Wie das nervt!

Ach ja, es gab eine Umfrage auf meinem Sender, wonach 94 Prozent der Anrufer sich für ein Ende der Zahlungen aussprechen. Dann bekommen sie es. Das ist fast garantiert, Dinge heute zu bekommen, die die Mehrheit nicht will.

Wenn es denn so schön wäre: Wenn Griechenland nicht zahlt, weil es nicht zahlen kann, dann werden die Schulden eben geschnitten. Dann wird es richtig teuer – und zwar für die Steuerzahler, die ihre Expertisen derzeit an den Stammtischen voller Inbrunst der Überzeugung in die Bierkrüge rülpsen. Die entsprechenden Abgaben für sie sind ja längst in Vorbereitung. Otto Normal wird zudem nörgeln, dass seine Kinder in heruntergekommenen Schulen die Vorteile der EU gelehrt bekommen und er seinen Nachwuchs zweimal täglich durch Schlaglöcher fährt. Und auch, dass Griechen faul und gierig bleiben dürfen, obwohl es vor Ort und in den Geldbörsen der Leute teilweise so aussieht wie in Bitterfeld zu DDR-Zeiten.

Hoppla! Man gibt sogar Fehler der sich heute als Institutionen nennenden Protagonisten zu. Der Kleine zahlt dort die Zeche in Form von Lohn – und Rentenkürzungen bei exorbitant gestiegenen Steuern und Abgaben. Was für eine Erkenntnis! Es gab für diejenigen mit Geld und die 1.000 Oligarchen genügend Zeit, ihre Ersparnisse in Sicherheit zu bringen – nach London, in die Schweiz oder in den deutschen Immobilienmarkt. Und Herr Papandreou, der mit der ewig fliederfarbenen Krawatte, bekam damals von Deutsche Bank-Chef Josef Ackermann irgend eine Auszeichnung aus Blech in Berlin. Damals sagte Papandreou, jeder Euro wird zurückgezahlt. Ehrenwort!

Während Herr Ackermann damals seine Schuldscheine der öffentlichen Hand übereignet hat, sendet diese nun aus dem Nichts geschaffenes Geld, um nicht aufgrund eines Schuldanschnittes nackig in den Erbsen zu sehen. Was für eine widerliche Vorstellung! Aber wer begreift das schon? Wirtschaftlich ist die Lage klar: Griechenland ist pleite. Politisch ist die Lage ebenso klar: Griechenland darf nicht pleite sein! Und darauf läuft es hinaus. Wie immer. Der Rest ist Zeitverschwendung. Fahren Sie Fahrrad! Gehen Sie spazieren! Kochen Sie Erdbeermarmelade oder verschlafen Sie die Zeit einfach. Alles bleibt gut, bis es nicht mehr gut bleibt. 

 

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5 Kommentare auf "Griechenland: Man kann es auch anders sehen"

  1. Moppel sagt:

    „Man kann es auch anders sehen“ … und es wird (anderorts) auch anders gesehen:
    http://www.griechenland-blog.gr/2015/06/strategie-lehrstueck-fuer-europa-aus-griechenland/2135186/

  2. cubus53 sagt:

    Welche Typen von Menschen gelangen ganz nach oben, an die Schaltzentrale der Macht ?

    Es sind immer nur die gewissenlosen, die habgierigen, die machtstrebenden. Alle anderen – mit wirklich sozialen und menschlichen Ambitionen – verlassen vorher freiwillig das System. Entweder weil sie den offensichtlichen Lug und Betrug nicht mehr mit ihrem Gewissen vereinbaren können oder weil sie vom System rausgemobbt werden, weil sie die Macht der gerade Mächtigen zu stark gefährden könnten.

    Ganz oben bleibt also nur ein Haufen von Psychopathen ohne Gewissen und frei jeglicher Skrupel übrig. Diese Strukturen können wir überall beobachten, nicht nur in der Politik, sondern auch beim Fussball, in der Finanzwelt oder aber beim ADAC, natürlich mal mehr und mal weniger ausgeprägt.

    Wenn also wieder etwas mächtig schief läuft, wissen Sie jetzt warum. Was man allerdings dagegen tun kann, bleibt offen. Psychopathen zeichnen sich übrigens auch dadurch aus, dass sie ihr Umfeld bezüglich ihrer wahren Absichten extrem gut täuschen können. Wir sind es, die darauf hereinfallen.

    • bluestar sagt:

      @cubus53

      „Wir sind es, die darauf hereinfallen.“
      Wer ist denn wir ? Sie mit Sicherheit nicht, viele andere auch nicht. Aber klar, es sind zu wenige.
      Jeder Mensch der sich der Mühe unterzieht selbständig zu denken kann das simple Schema der Manipulation und Propaganda durchschauen. Aber wer möchte sich schon anstrengen ?
      Es ist wie immer in der Geschichte der Menschheit, die dumme, träge und korrumpierbare Masse ist das Problem. Und: Sie will belogen werden. Denken Sie an die Wort von Platon: „Wer in der Demokratie die Wahrheit sagt, wird von der Masse getötet“.
      Nicht der Überbau ist das Problem sondern die Basis. Oder andersherum gesagt: Die Qualitäten des Überbaus spiegeln das Niveau der Basis wider.

  3. Insasse sagt:

    „Irgendwann wird weißer Rauch aufsteigen und die „Erfolge der harten Verhandlungen“ gefeiert.“

    Irgendwann ist gut. Er steigt schon auf: http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-eurogruppe-kommt-tsipras-entgegen-a-1037066.html

    Am Ende wird es übrigens so aussehen:

    1. GR hält selbstverständlich auch von den paar Forderungen der Ex-Troika, die noch übrigbleiben, nichts ein. Warum sollten Sie auch?!
    2. Die EU-Deppen wie Junker, Schäuble & Co. haben in Otto-Normal-Bürgers Augen einstweilen ihr Gesicht gewahrt: Die Gläubiger üben sich weiterhin in alternativloser und unbegrenzter Solidarität (= Transferunion) und GR arbeitet weiterhin äußerst erfolglos daran, seine Schulden zu bezahlen.
    3. Der deutsche Steuermichel wird für all das kräftig zahlen, indem ihm in Salamitaktik sämtliche Gebühren, Abgaben und Beiträge erhöht werden. (der Verband der gesetzlichen Krankenversicherungen stellt für 2016 schon mal eine kräftige Beitragserhöhung von ca. 1 Prozent in Aussicht; die Sparkassen bereiten kräftige Gebührenerhöhungen vor etc. etc. pp.).

    Schöne neue (eine) Welt(ordnung)! Ups, ist mir schlecht!

  4. Don Alfredo sagt:

    „Alles bleibt gut, bis es nicht mehr gut bleibt.“ Hoffentlich kommt das Ende mit Schrecken bald. Dieser kriminelle Hochverrat am deutschen Volk ist nicht mehr auszuhalten. Aber wie „bluestar“ ganz richtig schreibt: Das Niveau der Basis ist das Problem. Wobei die Regierung fleißig daran arbeitet, die Basis auszutauschen. Und das Niveau auf Null zu drücken.

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