Griechenland ist wieder Opfer der Demokratie

30. Januar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Ein Schneesturm wütete an Amerikas Ostküste. Die Politiker stellen Südeuropa auf den Kopf. Und hier, während ich an den Ausläufern des Strandes sitze, den Blick über den Pazifik schweifen lasse, fährt eine sanfte Brise durch die Bäume… die Vögel singen… Surfer schleppen ihre Bords über den Strand… … schwer vorstellbar sind hier die Unwetter in Nord-Amerika, geschweige denn diese dunkle Wolke über dem Parthenon.

Die Koalition der Radikalen Linken gewann in Griechenland. Und so ist Griechenland wieder einmal das Opfer der Demokratie.

Austerität? Welche Austerität?

Was das bedeutet, kann jeder nur raten. Das Wall Street Journal tat sich schwer und meldete sinngemäß: Innerhalb von Minuten nach dem Schluss der Wahlen, drängte Jens Weidmann, der mächtige Chef der Deutschen Zentralbank, zurück:

„Es ist klar, dass Griechenland weiterhin auf Unterstützung angewiesen bleiben wird. Genauso klar ist auch, dass diese Hilfe nur dann gewährleistet wird, wenn dies innerhalb eines Hilfsprogramms stattfindet.“, sagt er dem Fernsehsender ARD.

Eine Nachricht von dem gewöhnlichen Twitter-Account des britischen Premierminister David Cameron warnte unterdessen davor, dass die Griechenland die Bilanz daraus ziehen würde, „die wirtschaftliche Ungewissheit in ganz Europa zu steigern.“ Gesteigerte Unsicherheit ist ein guter Tipp. In der Zwischenzeit berichten die Zeitungen, dass Europas Apparatschiks Überstunden machen, um die neue Regierung so unter zu bringen, dass das System weiterhin funktioniert. Auch berichten sie, dass die griechischen Wähler deprimiert seien, über diese Austerität. An dem ersten Teil dieser Meldung hege ich keinen Zweifel. Kein Machthaber möchte ein ehemaliger Machthaber werden. Sie tun, was nötig ist, um ihre Autorität zu behalten.

Was den zweiten Teil der Meldung betrifft, sage ich nur „Huh?“ Nicht, dass ich das nicht schon mal gehört hätte. Die Griechen… die Spanier… die Italiener…die Portugiesen… die Franzosen – sie alle werden für „austeritätsmüde“ gehalten.

Aber welche Austerität?

Laut meinen Quellen gibt Griechenland derzeit 59% des BIP aus, eine Zahl, die höher ist, als in Frankreich. Wie in Frankreich gibt es auch in Griechenland zahlreiche öffentlich Bedienstete, die sich auf Kosten der Steuerzahler ein bequemes Leben machen. Und auch im privaten Sektor genießen einige ihre Vorteile, Privilegien und Steuererleichterungen…während etwa die Hälfte der eigentlich fälligen Steuererträge nicht vereinnahmt wird. Das könnte möglicherweise etwas Gutes sein.

Gäbe es keinen Schwarzmarkt und Steuerhinterziehung, würde die griechische Wirtschaft vermutlich auseinander fallen. An anderer Stelle wird berichtet, dass die griechische Regierung 45% des BIP einnimmt. Diese Differenz zwischen 45% einnehmen und 59% ausgeben ist offensichtlich die Ursache des Problems. Aber sicher bin ich nicht. Alle Zahlen, die ich höre, sind doch recht zweifelhaft. Es ist diesen zweifelhaften Zahlen zu verdanken, dass Griechenland in die EU aufgenommen wurde.

Tatsächliche Austerität hat man, wenn die Deutschen ‚Nein’ sagen zu weiterer finanzieller Unterstützung. Die Griechen haben keine tatsächliche Austerität. Und das ist es auch nicht wogegen die griechischen Wähler gestimmt haben. Austerität ist nicht was Griechenland hat, sondern was sie brauchen. Austerität ist das, was wir alle brauchen.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Griechenland ist wieder Opfer der Demokratie (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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3 Kommentare auf "Griechenland ist wieder Opfer der Demokratie"

  1. Wolfgang sagt:

    Lieber Rottmeyer,

    hier liegst Du falsch.
    Die Griechen sparen durchaus und geben nicht 50 % ihrer Ausgaben durch den Staat aus.
    Vielmehr sind es die unsinnigen Maßnahmen, wie z.B. Privatisierung der Cash-cows in der Infrastruktur und der Erdgas-Konzessionen, die große Probleme bereiten. Außerdem war es Unsinn, einem überschuldeten Staat im Mai 2010 erneut neue Kredite zu geben. So eine Praxis verfolgen normalerweise nur Kredithaie.

    Zu weiteren Infos:

    http://www.querschuesse.de/griechenland-update-zur-wirtschaftlichen-lage/

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