Griechenland ist weiter! Scheitern keine Option.

20. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Na bitte, wer sagt`s denn? In Brüssel steigt weißer Rauch auf. Die EU-Finanzminister haben sich mit Griechenland im Schuldenstreit geeinigt. Hatte jemand gezweifelt?

Die in den kommenden Stunden breitzutretenden Details sind Nebensache. Was aber noch fehlt, ist die die Methode, wie Griechenlands Schulden erträglich gemacht werden können, also die 320 Milliarden Euro Schulden in der Laufzeit gesteckt und im Zins verkleinert. Alles andere ist Unterhaltung, bedeutungsschwangere Zeichen, Gesten, Rhetorik, Propaganda und sinnloser Verbrauch von Strom. Die „Berlusconisierung“ der Politik schreitet voran.

Das wäre ja noch schöner, wenn man sich nicht geeinigt hätte. Wie schon mehrfach hier vermutet, hieß es in den letzten Tagen „The Show must go on!“ Und sie geht weiter. Zumindest für vier Monate. So lange wird das Hilfspaket verlängert. Und so dürfen wir uns freuen, davon weiter belästigt zu werden. Viel Zeit für noch mehr Schlagzeilen und Verhandlungen. Die Finanzmärkte, oder das, was davon noch übrig geblieben ist, hatten diesbezüglich kaum Sorgen, schaut man auf die Kursverläufe von DAX, Euro und Anleihen.

Am Abend springt der DAX über 11.100 Punkte und der Euro springt auf 1,14 zum US-Dollar. Alles bestens. Banken müssen sich ohnehin keine Sorgen mehr machen. Schließlich konnten sie ihre Anleihen in Höhe von 260 Milliarden Euro auf rund 30 Milliarden Euro reduziert, indem sie diese Papiere und damit das Risiko in die öffentlichen Hände schob und dem Steuerzahler in die Taschen steckte. Gratulation!

Die Kernsanierung des Dachs in Griechenland geht weiter, obwohl die Pfeiler im Fundament wie das der Schiersteiner Brücke stets morsch waren. Demnächst werden neue Gardinen angebracht. Und gefeiert.

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Der frühere Deutsche Bank-Chef Alfred Herrhausen soll sinngemäß gesagt haben, man dürfe einen Schuldner nicht umbringen, sondern soll ihm so viel Luft zum Atmen nehmen dass er zumindest noch seinen Schuldendienst bewerkstelligen kann. Und so können die Griechen sich auf jahrelanges finanzielles Waterboarding freuen. Niemand wird die Absicht haben, den Euro zu verlassen.

Ein Scheitern hätte eine zeitnahe Pleite der Helleren bedeutet – und eben keine Fortsetzung des Schuldendienstes, also einen Totalausfall. Frau Merkel hätte den Verlust von 93 Milliarden Euro erklären müssen. Italiens Ministerpräsident das Abschreiben von 71,5 Milliarden Euro und Frankreichs Präsident 62,1 Milliarden Euro verloren geben müssen. Auf die inzwischen rekordhohen Schulden von Spanien von über einer Billion Euro käme ein Ausfall von 43 Milliarden Euro. Nicht doch!

Und auch die EZB steht derzeit nicht nackig in den Erbsen. Bei ihr stehen schließlich auch 20 Milliarden Euro der aufgekauften griechischen Anleihen im Feuer und 68,5 Milliarden Euro an Notfallkredite. Die wären weg und damit auch das Eigenkapital. Dann müsste die Kanzlerin auch noch erklären, warum die EZB eine Kapitalerhöhung benötigt und dafür 27 Prozent der zuzuschießenden Summe aus Deutschland.

Und wieder beweist sich: Scheitern ist keine Option! Die Show geht weiter, bis alle scheitern.




 

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4 Kommentare auf "Griechenland ist weiter! Scheitern keine Option."

  1. rote_pille sagt:

    dieses finanzsystem wird wohl nie streben. auf die hyperinflation können wir vergeblich warten, denn sie müssten einfach nur den geldzufluss in die realwirtschaft drosseln, was sie schon perfekt können. und die probleme des finanzsektors können sie in den griff bekommen indem sie rückzahlungspunkte auf anno 2200 schieben und nebenbei noch die zinsen auf 0% halten.
    zum kotzen die situation.

  2. Insasse sagt:

    Wiedermal „Neues aus der (EU-) Anstalt“. Nun können wir mit absoluter Sicherheit für jeden weiteren, noch so toll inszenierte EU-Mega-Fight zwischen Schuldner und Gläubiger davon ausgehen, dass bis zum bitteren Ende immer mit dem gleichen Ergebnis „gerettet“ wird. Alternativlose und bis zum unausweichlich bitteren Ende. Koste es, was es wolle!

    Warum der Schäuble überhaupt noch so einen Affenaufstand macht und nicht gleich ohne zu Murren die Kohle vom deutschen Steuermichel überweist, versetzt den geneigten Zuschauer in großes Staunen.

  3. FDominicus sagt:

    Leider kann ich nur der Roten Pille beipflichten. Und natürlich auch Herrn Meyer „Scheitern ist keine Option“ nun so sehen es die EURokraten, nur gescheitert ist der EUR er wird nur noch durch noch mehr Verbrechen künstlich am Leben erhalten. Nur irgendwann wird die Realität nicht mehr zu verleugnen sein. Diese Tag wird kommen und er wird leider interessant werden.

  4. Skyjumper sagt:

    Nun ja; Es hat doch nicht etwa irgend jemand etwas anderes erwartet als eine Einigung? Die Damen und Herren Volkszertreter werden sich immer einigen. Das sie immerhin gewillt sind uns dabei eine „spannende“ Show zu bieten gehört zum Programm und ist dem medialen Zeitgeist geschuldet.

    Es wird voraussichtlich auch nicht zu irgendwelchen „Big Bang“ oder „Crash“ Szenarien kommen. Jedenfalls nicht in der Form wie man das unter Interessierten (die sich ein Mindestmaß an Verstand bewährt haben) erwartet. Nein, es werden immer wieder Lösungen aus dem Hut gezaubert werden die all die Meyers, Polleits, Rotts, Skyjumpers etc. vollkommen überraschen werden weil sie in der Vergangenheit und der Gegenwart schlicht Straftatbestände erfüllen. Was gestern und heute jedoch noch eine Straftat ist kann und wird schon morgen alternativlos sein und „normalstes“ Vorgehen der hohen Hand.

    Es wird auch nicht zu einem Aufstand der Bürger kommen. Ja nicht einmal zu einem Aufschrei. Vielleicht ein leises Murren hier und da. Aber wir leben auf einem alternden Kontinent. Bereits heute ist der überwiegende Teil der europäischen Bevölkerung vom Staat abhängig. Und diese Quote wird man salamitaktikmässig weiter steigern. Und eines gar nicht mehr so fernen Tages werden wir alle, jeder einzelne, tagtäglich und existenziell vom Staat abhängig sein. Das nannte man früher Sklaverei, heute nennen wir es Wohlfahrtsstaat und setzen uns in Mehrheit begeistert dafür ein, was wir dann Demokratie nennen.

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