Griechenland: Hiergeblieben!

26. April 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Von wegen Griechenland geht aus dem Euro. Das ist nicht vorgesehen. Und es wäre ja zudem noch schöner, wenn sich das Land dann ohne Euro auch noch erholen würde wie Island nach dem Crash…

Mancher Komödiant meint ja beharrlich, die „Märkte“ hätten doch so große Angst vor dem GREXIT. Mumpitz! Ich kenne keinen einzigen Börsianer, der sich davor fürchtet. Wenn sich wirklich jemand fürchtet, dann sind es Politiker, dass ihr Euro-Projekt Schaden nehmen oder scheitern könnte. Wie sieht das denn aus?

Außerdem liegen die griechischen Schulden glücklicherweise nicht mehr bei Banken sondern in öffentlicher Hand, also beim Steuerzahler. Finanziell und wirtschaftlich wäre ein Austritt verkraftbar, politisch aber nicht.

Was sagte Wolfgang Schäuble? Am 28. Februar wäre „over“. Welches Datum schreiben wir heute? Okay, der Untergang im Maya-Kalender wird ja auch ständig verschoben. Unterdessen schiebt die EZB fleißig weitere Nothilfen nach Athen, in dieser Woche allein 1,5 Milliarden Euro. Gleichzeitig heißt es aber, sie drehe den Geldhahn zu. Sie gibt Geld für Schuldscheine, die bei ihr lagern. Herrlich! So bleibt es ja in der Familie.

Es gibt ja Querdenker, die behaupten, der Euro wäre ohne Griechenland machbar, wenn der Schwächste geht, aber auch der Stärkste, also Deutschland. Beide in einer Währungsunion funktioniert nicht. Gar nicht so dumm. Dann könnten sich Spanien und Frankreich streiten. Es wäre wie in einer Schulklasse, meint Christian Vartian… Sowohl der Streber stört die ganze Klasse und auch derjenige, der weniger strebt, weil er nicht streben kann, allein schon wegen des Mühlsteins, dem Euro. Interessanter Gedanke.

Nein, bei einem GREXIT stünden die Politiker nackig in den Erbsen. Zudem könnte es ja sein, dass sich Griechenland den Russen an den Hals wirft oder China einen geostrategischen Brückenkopf dort baut. Niemals! Die eleganteste Lösung wäre doch, die Schulden zu strecken und die Zahlungen 100 Jahre lang zu stunden, selbst wenn Frau Merkel dann noch Kanzlerin ist. Und das bei Null-Zinsen, was ja irgendwie wieder Scharia-konform ist.

Frau Merkel müsste so auch nicht erklären, dass die vielen Milliarden nicht futsch, aber weg sind. Ja, man kann einen Betrug mit einem noch größeren verdecken. Dennoch bleibt es Betrug. Nur nennt man das heute Politik.

©Frank Meyer, Kolumne aus den Lübecker Nachrichten (Langfassung)

 

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6 Kommentare auf "Griechenland: Hiergeblieben!"

  1. Insasse sagt:

    Nur dumm, wenn die Betrogenen (= Wähler…jedenfalls die, die noch wählen gehen) einfach nicht erkennen (wollen), dass sie permanent betrogen werden und dieselben Betrüger immer wieder wählen. Da fällt einem wirklich nichts mehr dazu ein außer: Nur die dümmsten Kälber, wählen ihren Schlachter selber. Für die nicht so Dummen gilt einstweilen: mitgehangen, mitgefangen. Dumm gelaufen!

    Schönen Sonntagabend aus der Anstalt vom Insassen

  2. Helmut Josef Weber sagt:

    Wir Deutschen sind schon ein seltsames Völkchen. Wir glauben unseren Führern so lange, bis das was über uns zusammenbricht uns auch erschlagen hat.
    Das erinnert mich daran, dass der Endsieg noch propagiert wurde, als der Kessel um Berlin schon so klein war, dass die Russen sich versehentlich (durch den Kessel hindurch) gegenseitig erschossen haben.
    Was muss denn noch passieren, damit das Volk aufwacht. Oder sagen hinterher wieder alle, dass sie davon nichts gewusst haben.

    Viele Grüße
    H. J. Weber

    • cubus53 sagt:

      Sehr geehrter Herr Weber,
      genauso ist es … andererseits : was soll das Volk denn machen ? Wer zu Zeiten des Endsiegs Widerstand leistete, wurde hingerichtet, übrigens auch hochrangige Militärs. Heute geht es Gott sei dank nur um Geld und niemand wird hingerichtet. Aber was soll man tun ? Geld von der Bank abheben ? Wozu, wenn der Bargeldverkehr bald eingeschränkt wird ?

    • bluestar sagt:

      @H.J.Weber

      „Was muss denn noch passieren, damit das Volk aufwacht. Oder sagen hinterher wieder alle, dass sie davon nichts gewusst haben“
      Natürlich haben sie nichts gewusst, und das ist nicht einmal gelogen. Die graue Masse ist sehr unwissend, uninteressiert, gläubig und manipulierbar. Die Deutschen sind dazu noch extrem obrigkeitshörig und führeranfällig, also unterwürfig und infantil.
      Leider wird sich das wohl auch nicht nach Katastrophen ändern…

  3. Avantgarde sagt:

    „Die eleganteste Lösung wäre doch, die Schulden zu strecken und die Zahlungen 100 Jahre lang zu stunden, selbst wenn Frau Merkel dann noch Kanzlerin ist. Und das bei Null-Zinsen, “
    —-

    Eben – genau das ist die Lösung – bis auf den Teil, daß wir die Merkel nicht unbedingt zur Königin krönen sollten…. 🙂

    Ein Kreditgeldsystem verträgt nun mal Ausfälle extrem schlecht – da drohen dann immer diese blöden Lehman-Momente – wirklich keine gute Idee bei diesem riesigen Kreditozean.

    Wir können ja daß es optisch besser aussieht den Zins auf 0,01% festlegen und somit auch noch einen Ertrag generieren – in Zeiten in denen viele den Staaten wie CH oder D ihrem Geld sogar noch eine Aufbewahrungsgebühr hinterherwerfen noch nicht mal ein schlechter Deal – 100 oder vielleicht besser 150 Jahre lang Großeuropäisch garantiert.

  4. FDominicus sagt:

    Ich weiß nicht wo ich es her habe. Es sollen nur noch 12% der Schulden von Griechenland in privaten Händen liegen. Rechnen wir grob mit 300 Mrd, haben also die Privaten gerade noch 36 Mrd dieser Schulden, die sie abschreiben werden müssen. Sie sind ja nicht die EZB die „mal“ eben alte Anleihen durch neue ersetzt bekommt die von der EU „garantiert“ werden.

    Das mit dem 100 jährigen Schulden habe ich einfach mal so als „Lösung“ dargestellt. Wäre ja auch für die EZB einfach. Die alten Schulden werden durch 100 jähige Anleihen ersetzt, die Griechen bezahlen dafür 0 – 1 % an Zinsen uns auf einmal kosten die Schulden Griechenland nur noch maximal 3 Mrd Euro im Jahr…. Problem „gelöst“….

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