Griechenland: Geschlagen und verachtet

28. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Es erreichte mich vor ein paar Tagen die Neuigkeit, dass die griechischen Banken wieder geöffnet haben. Die Bankkunden waren nun für drei Wochen von ihrem Geld getrennt. Doch auch jetzt noch sind ihnen nur kurze Stippvisiten erlaubt…

Sie dürfen lediglich 420 Euro (456 Dollar) pro Woche von ihren Konten abheben. Auch der griechische Aktienmarkt ist wieder offen. Doch ohne WiFi komme ich spärlich an Updates. Die griechischen Aktien sind, wie Sie sich vorstellen können, noch härter getroffen worden, als die Reisenden im kanadischen Bahn-System. Seit ihrem Hoch im Jahr 2007 sind sie sage und schreibe 95% gefallen. Da gibt es Aktien mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 2. Viele werden für den Gegenwert von lediglich einenm Jahr Cashflow verkauft.

Es ist nicht an mir zu wissen, zu welchen Kursen die griechischen Aktien gehandelt werden sollten. Doch die Griechen sind schon eine ganze Weile da. Vermutlich werden sie nicht verschwinden. Genauso wenig die Unternehmen, die dort ansässig sind. Und viele der größten Payoffs in der Welt der Investments sind zustande gekommen, weil Geld da investiert wurde, wo es kein anderer wollte. Das ist die geschlagene, verachtete und traurige Sackgasse eines Marktes, der das größte Potential hat: er kann sich nirgendwo hin entwickeln, außer nach oben.

Wenn man beispielsweise im Jahr 1988 in den türkischen Aktienmarkt investiert hat, würde dieses Investment heute einen Gewinn von 1.188.047% aufweisen. Mit andern Worten: jeder investierte Dollar wäre heute 11.000 Dollar wert. Auch Argentinien war 1988 ein einziges Chaos. Hat man sein Geld dort hin getragen, hat man einen Gewinn von 39.297.300%. Hätten Sie dort 10.000 Dollar investiert, hätten Sie nun 392.973.000 Dollar.

Weitere Dramen stehen an

Doch das Drama in Griechenland ist vorbei. Der arme Alexis Tsipras hängt fest. Auf der einen Seite ist es das harte Umfeld: viele in seiner Koalition weigern sich, den Deal mit zu machen, den er gerade geschlossen hat. Rollende Köpfe sind das Ergebnis. Auf der anderen Seite sind die Felsen des nördlichen Europas – vor allem Deutschland. Auch sie erweisen sich als heimtückisch. Tsipras Syriza-Regierung könnte schon in einer Woche Geschichte sein. Es wird Neuwahlen geben… weitere Verhandlungen… mehr Rausschmisse… mehr Fußtritte… und weitere Absurditäten.

Es ist faszinierend, wie viel Nonsens zu diesem Thema veröffentlicht wird. Die Mainstream-Presse hat es zu einer Trottel-Version des Kinderfilms „Das große Krabbeln“ gemacht – eine Balgerei zwischen griechischen Grashüpfern und deutschen Ameisen. Von den Lesern wird erwartet, Partei zu ergreifen – entweder für die armen Griechen oder gegen sie.

Die meisten Ökonomen – die bekanntesten unter ihnen sind Paul Krugman und Thomas Piketty – geben ihren Senf von der Seite der Griechen dazu. Sie mahnen Deutschland, den Grashüpfern mal eine Pause zu gönnen – mehr Zeit…mehr Geld…und längere Strippen. Sie glauben, die „Austerität“ des nördlichen Europas hat die Griechen in eine endlose Depression verdammt hat.

Doch diese ganze Show ist dämlich. Die Griechen werden nicht anfangen, sich so zu verhalten wie Ameisen. Sie werden keine alten Rechnungen begleichen… oder neue. Und noch mehr Geld an jemanden zu verleihen, der bereits jetzt mehr bekommen hat, als er jemals wird zurückzahlen können, ist nie im Leben Hilfe für eine krankende Wirtschaft.

Quelle: Kapitalschutz Akte
Geschlagen und verachtet (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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3 Kommentare auf "Griechenland: Geschlagen und verachtet"

  1. cubus53 sagt:

    Zu einem Geschlagenen gehört auch immer einer, der sich schlagen lässt. Warum lassen sie sich die Griechen dieses EU-Mandat gefallen ? Und übrigens – es sind es nicht nur die Griechen.

    Die EU ist auch eine riesige Geld-Kuh, die sich gerne melken lässt. Die Gier nach dem Geld ist bei allen grösser als der Drang nach echter Freiheit. Echte Freiheit und Unabhängigkeit haben die wenigsten von uns gelernt, deshalb haben wir Angst davor. Die Angst vor der Freiheit ist so gross, dass man sogar für 60 Euro am Bankautomaten in der Schlange steht. Wenn man sich auf diese Weise freiwillig jeder Würde beraubt, dann fehlt mir das Mitleid.

    Die grosse Masse taugt nur zum Sklavendasein und deshalb wird immer es immer wieder „Geschlagene“ geben, die sich von „Diktatoren“ sagen lassen, wo es lang geht.

    • bluestar sagt:

      „Die Gier nach dem Geld ist bei allen grösser als der Drang nach echter Freiheit. Echte Freiheit und Unabhängigkeit haben die wenigsten von uns gelernt, deshalb haben wir Angst davor“
      Angst – DAS wichtigste Herrschaftsinstrument. In richtigen Dosen verteilt wirkt sie besser wie Drogen oder Religion. Deshalb hat die tägliche Erzeugung von Angst oberste Priorität. Sie macht unterwürfig, klein, abhängig, feige verräterisch, dumm, egoistisch, gierig, impotent und erzeugt geistige Lähmung und Abhängigkeit.
      Angst vor Freiheit, Unabhängigkeit, Konsumverzicht, Terror oder Putin – da gibt es genug Material.
      Letztendlich ist die Masse froh im überwachten Zoo zu leben und von den Wärtern und Eliten ein paar Brotkrumen zugeteilt zu bekommen. Als Dank werden diese oder ihre Parteien auch brav und alternativlos gewählt.

  2. Mei Nung sagt:

    Ich würde nicht ausschliessen das „da unten“ so ziemlich alles den Bach runtergeht. Nur um ein Exempel zu statuieren…

    http://www.zerohedge.com/news/2015-07-28/greek-economy-faces-total-collapse-doctors-flee-retail-sales-plunge-70

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