Griechenland – der Schrecken ohne Ende?

19. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Wie heißt es so schön: Am Ende wird alles gut. Was Griechenland und den Euro betrifft, befinden wir uns leider erst am Anfang vom Ende…

Eigentlich kann man das Thema ja schon nicht ehr hören. Seit Wochen beherrscht ein Themenkomplex die Kommentarseiten der Finanzszene: Griechenland und kein Ende. Selbst bekennende Daueroptimisten, wie etwa Robert Halver von der Baader Bank wird das Treiben allmählich zu bunt. In seinem jüngsten Kommentar mit dem abschließenden Fazit, ein Austritt Griechenlands aus dem Euro sei „das Beste, was der Eurozone und ihren Finanzmärkten passieren kann“, schreibt der Kollege:

„Die Euro-Politiker können der Geopolitik nicht alles unterordnen. Es geht hier vor allem um Schadensbegrenzung für die Eurozone an sich. Unsere Euro-Stabilitätsseele dürfen wir nicht einfach so verkaufen, um Griechenland um jeden Preis vor der Pleite zu bewahren. Dieser Preis wäre viel zu hoch, auch weil damit die Krise nach der Krise droht.

Zum einen würden die griechischen Schuldenprobleme noch größer. Und zum anderen: Was wir Griechenland gewähren, können wir anderen Euro-Ländern nicht verwehren. Zum Schluss verkäme die uns damals versprochene Europäische Stabilitätsunion zur tatsächlichen griechischen Schuldenunion.

Das wäre der größte Etikettenschwindel in der neueren Finanzgeschichte. Und dann kommt es erst Recht zum geopolitischen Bedeutungsverlust. Oder glaubt irgendjemand, dass wir bei bröckelndem weltwirtschaftlichem Gewicht unseren geopolitischen Wert beibehalten können? Gelächter!“

Das war am Mittwoch, und das Gelächter ist noch nicht verklungen, da eilt die griechische Tragödie schon ihrem nächsten Höhepunkt entgegen. Wie am Freitag bekannt wurde, hat ein griechischer Parlamentsausschuss den Schuldenberg des Landes unmittelbar vor Ablauf der entscheidenden Fristen an diesem Wochenende kurzerhand für illegal erklärt. Griechenland sei Opfer eines „Angriffsplans“ von Internationalem Währungsfonds, Europäischer Union (EU) und Europäischer Zentralbank (EZB). Die Schulden von rund 320 Milliarden Euro seien daher nicht zu begleichen.

Nun hat die jüngste Erkenntnis der griechischen Parlamentarier ja durchaus einigen Charme, denn es lässt sich ja nicht wegdiskutieren, dass die so genannte „Rettung“ des Landes bislang vor allem zu Lasten der griechischen Bevölkerung gegangen ist:

Wo Arbeitslosigkeit, Armut und sozialer Verfall um sich greifen, während angeschlagene Banken in Rettungsmilliarden förmlich ersaufen, zuletzt durch die Notfallkredite der EZB, da war es nur eine Frage der Zeit, bis bei den griechischen Politikern derartige Erkenntnisse reifen würden.

Offenkundig präsentieren die Griechen den Geldgebern jetzt die Rechnung für ihr inhumanes und ausschließlich am Profit orientiertes Verhalten. Kein schlechtes Signal in diesen turbulenten Zeiten.

Und es scheint auch nicht ohne Folgen zu bleiben. Denn wie kurz vor Ablauf des „entscheidenden“ Ultimatums ebenfalls durchsickerte, könnte es vor dem Hintergrund der jüngsten Entwicklungen eine Verlängerung der Hilfsprogramme für Griechenland geben. Es wäre – wieder einmal – die Rettung in letzter Sekunde. Dass die EU entsprechende Berichte dementiert, macht die Sache umso wahrscheinlicher.

Sollte dies zutreffen, wäre das gleichbedeutend mit einer Verwandlung der Eurozone in eine gigantische Schulden- und Transferunion, bei der Pleiteländer auf Kosten der europäischen Steuerzahler tun und lassen können, was sie wollen.

Und die Börsen? Wird das Hilfsprogramm für Griechenland in den kommenden Tagen tatsächlich verlängert und anschließend mit einem dritten „Rettungspaket“ womöglich weiter aufgestockt, dann können sich Anleger (zunächst) auf eine Erleichterungsrallye gefasst machen. Und darauf, dass der Schrecken am unvermeidlichen Ende dieses Dramas dafür umso größer ausfallen wird…
©Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief




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