Grexit oder Schrecken ohne Ende

8. Juli 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Ganze fünf Monate dauerten die jüngsten Verhandlungen über eine Verlängerung der »Hilfspakete« zwischen den »Institutionen« und der griechischen Regierung an. Doch statt wie von den »Rettern« mit ihrem „letzten Angebot“ erhofft, endete der Verhandlungsmarathon nicht mit der griechischen Zustimmung zum Versenken weiterer Rettungskredite (der IWF schätzt den Finanzbedarf bis 2018 auf weitere rund 50 Mrd. Euro!), sondern mit deren Anberaumung eines Referendums darüber, ob das 5-jährige Spardiktat, welches das Land bereits in die völlige Katastrophe »gerettet« hat, weiter fortgeführt werden soll…

Diese Unbeugsamkeit der griechischen Regierung forderte jedoch einen hohen Tribut, schließlich fror die mächtige EZB prompt jene Liquiditätsversorgung per ELA-Notkredite für griechische Banken ein, mit der sie in den letzten Monaten noch bereitwillig die Insolvenzverschleppung des Landes finanziert hatte (ca. 90 Mrd. Euro!). Die zwangsweise sofort ausgerufenen »Bankfeiertage« und deklarierten Kapitalverkehrskontrollen zeugen vom wahren Zustand des unter faulen Krediten und einem Banken-Run leidenden Bankensektors, womit die Griechenland-ist-nicht-Pleite-Rettungsaktionen der Eurokraten endgültig als Farce entlarvt wurden.

Dass das Aussprechen einfacher Wahrheiten durch Finanzminister Varoufakis – „ich bin Finanzminister eines bankrotten Staates, „wir sind nicht gewählt worden, um den Leuten weiterhin irgendetwas vorzumachen“ oder „es stimmt nicht, dass Deutschland nicht genug gezahlt hätte. Deutschland hat zu viel gezahlt“ – bei den Zentralplanern in Brüssel auf taube Ohren stößt, zeugt nur von deren totalen Realitätsverweigerung. Denn, wie es Europas neuer Intimfeind Nr. 1 zu Recht betonte, „sind 91% der deklarierten Rettungsgelder [über 240 Milliarden Euro!] allein an den Bankensektor gegangen, um den Anschein zu erwecken, dass faule Kredite gute wären!“

Und obwohl die dem Land dafür diktierte »Sparpolitik« für eine historisch beispiellose Depression sorgte (selbst die „Great Depression“ in den USA war schwächer!), löste auch die seit fünf Jahren unverändert desaströs hohe Arbeitslosigkeit keinen Umdenkprozess unter den »Rettern« aus. Vielmehr interpretierten diese den ungebremsten wirtschaftlichen Absturz stets als »gesunde Basis«, um dem bereits im Jahr 2010 unter seinen Schulden zusammengebrochenen Staat immer neue »Rettungskredite« aufzubürden.

Wirtschaftsleistung_und_Staatsschulden_in_Griechenland_1998-2014

Aber es interessiert die EU-Zentralplaner längst nicht mehr im Geringsten, ob ihre am Reißbrett entworfenen stets optimistischen (kreditbegründenden) »Fünf-Jahres-Pläne« für Griechenland (und die anderen Krisenländer) mit 100%iger Treffergenauigkeit immer wieder scheitern, geht es doch angesichts des verkündeten der-Euro-ist-unumkehrbar-Dogmas nicht mehr um (traurige) ökonomische Realitäten, sondern einzig nur noch um Machtspielchen und Gesichtswahrung seitens der Visionäre eines total(itär)en Europas. Vieles an der Intensivierung der realitätsverleugnenden Politik erinnert uns inzwischen frappierend an den letzten DDR-Staatslenker Honecker, der – so wie die EU-Politiker heute – damals glaubte, nur ein „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ würde dauerhaft den Untergang seiner Illusion verhindern können.

Griechenland_BIP-Prognosen_des_IWF_vs_Realitaet

So grotesk der Umgang mit der griechischen Pleite ist, so grotesk ist auch die verbreitete EU-Propaganda, die »griechische Sparpolitik« würde in den anderen Krisen(Musterschüler)ländern bestens funktionieren. Ein Blick »hinter die Kulissen« des gefeierten BIP-»Wachstums« der Krisenstaaten verrät, was die EU-Vorderen zu erwähnen vergessen: Die laufende Verschuldungsorgie, die in keinem Verhältnis zu den »Erfolgen« steht!

EU_2014_Wachstumserfolge

Da die nur mit Neuverschuldung und Zinsmanipulation »therapierten« Krisenländer allesamt griechischer als die Griechen sind, und der EuGH einer unbegrenzter Staatsfinanzierung aller EU-(Krisen-)Staaten erwartungsgemäß seinen Segen erteilte, steht nunmehr der Entwicklung des Euros in Richtung »Drachme-für-alle« nichts mehr im Wege.

Während sich die Aktienmärkte dem Griechenland-Sog nicht in Gänze entziehen konnten, verharrten die Anleihemärkte trotz aller Verwerfungen (größter Renditeanstieg deutscher Anleihen seit Oktober 1998) aufgrund des weiterhin nicht ansatzweise abgebildeten tatsächlichen Ausfallrisikos im Blasenmodus. Gold beschloss das Halbjahr wie schon die letzten vier Halbjahre zuvor wieder im Bereich von 1.180 USD, während auch Silber in den ersten sechs Monaten per Saldo unverändert war.

Da die Eskalation der Krise weiter voranschreitet, Politiker und Notenbanken jeden Tag (neue) unkalkulierbare Risiken produzieren, und selbst der einstige US-Fed-Chef Greenspan, der ehemalige Fed-Gouverneur Lindsey oder der frühere Dallas-Fed-Chef Fisher nun offen vom „unangenehmen Endspiel“, „tickenden geldpolitischen Zeitbomben“ bzw. von „revoltieren“ und die „Katastrophe“ auslösenden Märkten sprechen, halten wir weiter an unserem hohen Engagement im Edelmetall(minen)sektor fest.
© Mack & Weise – Homepage



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9 Kommentare auf "Grexit oder Schrecken ohne Ende"

  1. Insasse sagt:

    Nachdem in den letzten 5 Jahren keinerlei Erfolge bei der GR-Rettung erzielt wurden, aber dafür massenhaft Steuergeld versenkt, hat die EU es jetzt plötzlich sehr eilig und setzt eine allerallerallerallerallerallerallerallerallerletzte Frist von (nur) 5 Tagen, um nun endlich eine Einigung zu erzielen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/griechenland-in-fuenf-tagen-grexit-oder-rettung-a-1042565.html

    Und was kommt dann? Der Grexit? Ach was! Wer glaubt denn sowas?! Dann kommt die allerallerallerallerallerallerallerallerallerallerletzte Frist!

    Und wenn die EU nicht irgendwann gestorben ist (man wünscht das ja grundsätzlich niemanden, aber in diesem Fall…), so setzt sie auch weiterhin alleralleralleralleralleralleralleralleraller………allerletzte Fristen. Denn wenn der Euro scheitert, dann scheitert Europa…hat jedenfalls Mutti Merkel gesagt.

  2. FDominicus sagt:

    Jeder der behauptet die Griechen sind Opfer nehme ich nicht ernst. Die Mrd wurden versenkt und die Griechen haben kein Einnahmenproblem sondern ein Ausgabeproblem. Wer länger Zeit mehr ausgibt als er einnimmt geht pleite.

    Es ist absolut nicht notwendig für die EU weitere Gelder für Griechenland zu übernehmen. Es war auch vor der ganzen Krise nicht notwendig.

    Fakt ist die Griechen haben betrogen und die EU-kraten haben diesen Betrug mit getragen.

    Was hier gefordert wird ist eine verantwortungslose Haltung zu honorieren. Ergo moral hazard zu unterstützen. Könne Sie gerne mit Ihrem eigenne Geld machen, aber als Maxime für mich lehne ich derartige „Vorschläge“ ab.

    • cubus53 sagt:

      Ich stimme Ihnen zu, aber das gilt nicht nur für Griechenland.

      Auch die Deutsche Regierung lebt seit nun ca. 70 Jahren über deren Verhältnisse und wirft (Steuer-)Geld zum Fenster hinaus. Inzwischen belaufen sich die Schulden auf 2 Billionen Euro bei ca. 80 Millionen Einwohner, gegenüber 350 Milliarden bei ca. 10 Millionen Bürger in Griechenland. Die Pro-Kopf-Verschuldung unterscheidet sich also nur marginal.

      „Wer länger mehr Geld ausgibt als er einnimmt, geht pleite“. Richtig, und genauso wird es irgendwann auch uns gehen. Wer weiss, vielleicht bekommen die Deutschen bald auch nur noch 100 Euro am Tag aus dem Bankautomaten ihres Vertrauens.

      • FDominicus sagt:

        Meine Antwort war auch nicht allein auf Griechenland bezogen. Wir gehen „natürlich“ genau so pleite, oder auf eine andere Weise, aber im Endeffekt läuft es auf dasselbe heraus. Das große Problem mit Staaten ist, daß Sie die Bürger als Geiseln haben und das kann man eine Riesenmenge an Geld immer „erpressen“. Perfide ist es natürlich, daß es keine Möglichkeit gibt sich dieser Geiselhaft zu entziehen. Hier gilt uneingeschränkt “ mitgefangen – mitgehangen“. In welcher Form auch immer man „hängt“.

        Was ich richtig entsetzt ist hier die Einstellung die ich gar nicht gut finden kann. Wir müssen doch den „armen Griechen“ helfen. Meinetwegen ganz bestimmt nicht.

  3. waltomax sagt:

    „Da die Eskalation der Krise weiter voranschreitet, Politiker und Notenbanken jeden Tag (neue) unkalkulierbare Risiken produzieren, und selbst der einstige US-Fed-Chef Greenspan, der ehemalige Fed-Gouverneur Lindsey oder der frühere Dallas-Fed-Chef Fisher nun offen vom „unangenehmen Endspiel“, „tickenden geldpolitischen Zeitbomben“ bzw. von „revoltieren“ und die „Katastrophe“ auslösenden Märkten sprechen, halten wir weiter an unserem hohen Engagement im Edelmetall(minen)sektor fest.“

    Das ist so erfreulich wie der Nachahmung wert.

    Allerdings sollte man nicht vergessen, dass wir uns nach den Lehren Kondratieffs in einem nach ihm benannten „Winter“ befinden, gekennzeichnet durch gesättigte Märkte und einen Mangel an Basisinnovationen.

    Dieser ist nur durch Risikokapital zu überwinden, damit es ein neues Netz von Wertschöpfungen geben kann und damit echtes Wachstum. Wenn alle ihr Kapital in der Form von Edelmetallen im Keller bunkern, dann kommt der Absturz also gewiss.

    Geld verdient kein Geld, auch wenn das immer noch viele glauben. Leute mit Ideen verdienen Geld.

  4. bluestar sagt:

    Nach dem XXXXVVVIII. Rettungsgipfel kommt dann die allerallerallerallerletzte Frist, bevor es erneute Finanzhilfen im Vorfeld des XXXXVVVIIII. Rettungsgipfels gibt.
    In Zeiten der Euro und EU-Dauerkrise sollten Dauergipfel eingerichtet werden, am besten in einer geschlossene Anstalt – wegen der „Terrorgefahr“.

  5. Lickneeson sagt:

    „Jeder der behauptet die Griechen sind Opfer nehme ich nicht ernst.“

    Sie sind Opfer – ihrer eigenen korrupten, selbstherrlichen Oligarchenschicht. Und wie überall auf der Welt lassen sich politische Umwälzungen nicht von aussen aufzwingen. Die „Revolution“ muss im eigenen Land, vom eigenen Volk ausgehen. Anscheinend hat auch die Masse in den letzten Jahrzehnten ganz gut mit der politischen Klasse leben können, von AUfständen und nachhaltigen Protesten habe ich (fast) nichts mitbekommen. Die Lebensumstände werden jetzt täglich und für einen langen Zeitraum schlechter – ein guter Zeitpunkt für eine Neuordnung. Die EU ist nicht nur bei Griechenland bestrebt willige Absatzmärkte zu halten um weiter den ganzen Plunder zu verhökern, den eigentlich niemand braucht. Das Märchen vom „ewigen Wachstum “ ist ein Märchen. Damit ist es endgültig vorbei. Insofern stehen global sehr spannende, harte Zeiten vor uns. Bescheidenheit und umdenken in allen Bereichen ist Trumpf.

    Eine Transferunion lehne ich ab. Eigenverantwortung bei gemeinsamen Zielen – so sollte eine Union arbeiten.

    MfG

  6. FDominicus sagt:

    „Sie sind Opfer – ihrer eigenen korrupten, selbstherrlichen Oligarchenschicht. Und wie überall auf der Welt lassen sich politische Umwälzungen nicht von aussen aufzwingen. “

    Ja genau wie wir, und wer hat trotzdem diese Politiker immer wieder gewählt. Warum sollte ich auch nur eine Spur Mitleid haben. Was mir „nur“ leid tut das es keine Möglichkeit gibt sich der Geiselhaft seines Staates zu entziehen. Nur Sie schreiben es ja selber. Die Aufräumarbeiten müssen im eigenen Land anfangen und was sehen Sie 60 % der zum Referendum gegangen wollen nicht. Also kann ich nur sagen farewell?

    Ohne einen freiwilligen ¢ als „Hilfe“ von mir oder Deutschland oder der EU, damit kann ich leben.

    Eigenverantwortung bei gemeinsamen Zielen? Hätten Sie da mal ein Beispiel welche gemeinsamen Ziele könnte es denn so geben und warum muß ich mich denen anschließen, und warum sollte ich für Ziele die nicht meine sind irgendeine Verantwortung übernehmen?

    Ich kann den Spruch vom „ewigen“ Wachstum nicht mehr hören. Das ist der kranke Ausdruck von Politikern die darauf angewiesen sind genügend Blöde zu finden die die Versprechungen der Politiker erarbeiten

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