GREXIT? EZB dreht Griechenlands Banken den Geldhahn ab

5. Februar 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Die Nachricht schlug ein wie eine Bombe. Kurz vor Handelsschluss an der Wall Street gab die EZB bekannt, keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit für neues Geld für Banken zu akzeptieren. Die Märkte brachen ein, der Euro sackte ab und Gold in Euro stieg. Ist dies das GREXIT-Endpiel? Theoretisch!

Alexis Tsipras hat vielleicht noch nicht geschlafen, als die EZB die Nachricht herausschickte. Vielleicht war es auch nur ein kleines „Betthupferl“ für den neuen griechischen Regierungschef vor seinem großen Besuch bei Wolfgang Schäuble in Berlin am Donnerstag… dass Tsipras nicht vergisst, dass es Verträge gibt … dass sich Tsipras, der „Geisterfahrer“, wie ihn der „Spiegel“ nannte, besinnen möge. Ist mit der EZB-Entscheidung ein Besuch vielleicht sogar hinfällig geworden? Nicht doch! 

Tsipras hat zwei Trümpfe im Ärmel. Zum einen, man mag es nicht glauben, 315 Milliarden Euro Schulden. Diese ausfallen zu lassen, wäre die Blamage des Jahrzehnts für jeden Zentralplaner und die europäischen Staatschef, die ihre Steuerzahler in Haftung genommen haben, indem sie Verträge zu einem Bail Out Griechenlands unterzeichnet haben. Alles sollte ja gar nichts kosten. Nun müsste nicht nur Frau Merkel erklären, warum diese vielen Milliarden Euro weg sind, während hierzulande wegen der schwarzen Null Schäubles überall Geld fehlt. 

Zum anderen gibt es ja gar keine Euro-Ausstiegsklausel. Okay, man kann auch Gesetze brechen. Es wäre ja nicht das erste Mal. Aber wie sieht das denn bitteschön aus?

Nicht nur Eurolands Politiker würden nackig in den Erbsen stehen, sondern auch die EZB. Sie müsste ihre gekauften griechischen Papiere abschreiben, womit das Eigenkapital der EZB aufgebraucht sein dürfte. Dann müsste Frau Merkel schon wieder erklären, warum es kein Geld für Kindergärten gibt, sondern für die EZB. Ihr Finanzminister müsste zudem erklären, warum aus der schwarzen eine rote Null wird – mit einigen Zahlen vor ihr stehend. Wie peinlich!

Dann müssten auch die Zentralplaner in Brüssel ihr Scheitern erklären, wobei Juncker lügen würde, wenn es ernst wird.

Wenn sich aber Griechenland (ohne Schulden) erholen sollte, würden andere Troika-Gepeinigte merken, dass es auch bessere Wege gibt, sich der Schulden entledigen zu können, als diese zu bezahlen. 

Griechenland wäre zudem ein Präzedenzfall und könnte viele Nachahmer finden, was wiederum die Regierungschef der dann verbliebenen Staaten in der Eurozone in die Bredouille brächte zu erklären, warum auch dieses Geld fort sei. Die „Aktion Sorgenkind“ war ja was Gutes, aber nicht das, was da beschlossen wurde. Die EZB bräuchte dann wieder eine Kapitalerhöhung und Frau Merkel müsste schon wieder erklären, warum Schlaglöcher in den Straßen alternativlos, da sportlich wären.

Von wegen, es gibt keine Ansteckung!

Wie begründet die EZB ihren jetzigen Schritt? Da Griechenland die Troika vor die Tür gesetzt hat, wird es wohl auch keinen TÜV-Abschluss des Troika-Programms geben. Damit sind die griechischen Papiere bei griechischen Banken auch keine Sicherheit mehr für die EZB. Griechenlands Banken werden damit vom Geldstrom abgeschnitten. Wer hätte das gedacht! Oder ist es nur ein weiterer Zug im Schachspiel um Macht, Geld und Kredite?

Griechische Banken können aber weiterhin an den „geldpolitischen Operationen der EZB teilnehmen, wenn sie genügend andere Sicherheiten vorweisen können. Ha. Das saß! Welche Sicherheiten? Notfalls können sie auf Schnellkredite (ELA) der griechischen Notenbank ausweichen. Und wenn diese nicht mehr als Sicherheit für Geld von der EZB taugen?

Es sieht nicht gut aus um Hellas Finanzen. Nichts Neues, aber im März sind große Zahlungsprobleme zu erwarten, wenn die Troika dem Land nicht zugesteht, mehr als die derzeit erlaubten 15 Milliarden Euro an kurzlaufenden Staatspapieren auszugeben.

Ist es schon ganz schlimm? Nein. Die EZB habe der griechischen Zentralbank eingeräumt, Notfallkredite (ELA) in zweistelliger Milliardenhöhe zu vergeben, heißt es. Die Banken werden damit erst einmal über Wasser gehalten.

Am Mittwoch hießt es ganz offen, die EU wäre in Sorge, weil so viele Griechen ihr Geld von den Konten holen würden. Allein im Januar waren es 11 Milliarden Euro. Was würden Sie tun? Richtig… Euros bunkern. Das aber bringt die Banken weiter unter Druck, denn diese Gelder sind Grundlage für Kredite. So würde in den kommenden Tagen ein Bank-Run Sinn durchaus machen, solange die Geldautomaten noch die gewünschte Summe ausspucken. Zypern kommt schnell in Erinnerung. Folglich müssten recht schnell Auszahlungsbeschränkungen an den Automaten gelten. Alles schon gehabt. 

Inzwischen sollen drei der vier Großbanken schon Not-Liquiditätshilfen genommen haben. Das ist kein Problem, solange die EZB diese ELA-Papiere als Sicherheit akzeptiert. Damit scheint es aber vorbei zu sein… außer Tsipras fügt sich in die tollkühnen Pläne der Zentralplaner in ihren fliegenden Kisten. Die EZB akzeptiert ELA nur, wenn die Troika da arbeitet. Pustekuchen!

Und so wird Griechenland wohl bald das Geld ausgehen, was alle Beteiligten wissen. Sollte der Grundsatz weiterhin gelten, (der nie ausgesprochen wurde) „Scheitern ist keine Option“, dann hieße das aber, es kann nur auf eine Schulderstreckung für Griechenland hinauslaufen – bei Zinsen, die man mit der Lupe suchen muss – und Laufzeiten, die auf den Sankt Nimmerleinstag datiert werden. 

Eine Hoffnung bleibt Griechenland noch, um am Geldtopf der Zentralplaner aus Brüssel saugen zu könen: Es gibt eben keine Aufstiegsklausel aus dem Euro. Das ist so, als ob man unkündbar wäre, aber trotzdem nicht zur Arbeit erscheint. Niemand kann rausgeworfen werden. Mitgefangen – mitgehangen. Diese Karte wiegt nicht weniger schwer wie die Pokerkarte Tsipras, was passiert, wenn 315 Milliarden Euro an Schulden durch den Kamin jagen. Fröhliches Verhandeln!



 

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15 Kommentare auf "GREXIT? EZB dreht Griechenlands Banken den Geldhahn ab"

  1. FDominicus sagt:

    „Und so wird Griechenland wohl bald das Geld ausgehen, was alle Beteiligten wissen. Sollte der Grundsatz weiterhin gelten, (der nie ausgesprochen wurde) „Scheitern ist keine Option“, dann hieße das aber, es kann nur auf eine Schulderstreckung für Griechenland hinauslaufen – bei Zinsen, die man mit der Lupe suchen muss – und Laufzeiten, die auf den Sankt Nimmerleinstag datiert werden. “

    Davon bin ich auch ausgegangen: http://www.q-software-solutions.de/blog/2015/02/03/steilvorlage-fuer-die-eu/

    Was haben wir bis jetzt? Einen Umschuldung und was soll kommen? Eine neue Umschuldung. Ich brauch nur in diesem Blog zurückgehen und sehen wie gewarnt wurde. Inzwischen sind wir wohl bei 1 000 000 : 0,5 (Kapitalismus : Sozialismus) oder aber 1 000 000 000 : 0 (von Mises : Keynes) ;-(

  2. Werner sagt:

    Die Frage aller Fragen wird immer vorsorglich unter den Teppich gekehrt:
    Wie ist es möglich dass Griechenland einen solchen Schuldenberg angehäuft hat?
    Wie wurde dieses Geld ausgegeben?
    Bei dieser Frage wird es nämlich peinlich, sehr peinlich vor allem für deutsche Konzerne.
    Denn vor allem deutsche Konzerne haben griechische Politiker mit unverschämten Geldsummen bestochen um sich Aufträge zu sichern. Diese Praxis ist dermaßen ausgeartet, dass Griechenland bankrott ging.
    Deutschland hat es in der Folge allerdings geschafft diese Schulden auf ganz Europa zu verteilen und deutsche Konzerne völlig schadlos zu halten.

  3. Avantgarde sagt:

    Ach was wurden wir hier doch von der angeblich so schrecklich radikalen Syriza gewarnt – auch das griechische Wahlvolk war einem Bombardement von Drohungen ausgesetzt.
    Und nun fragt man sich: Ist das
    http://www.tagesschau.de/multimedia/video/video-60109.html
    tatsächlich der Finanzminister dieser ach so schrecklich radikalen Parei ?
    Der Mann ist absolut fähig und versteht die Lage sehr gut, spricht aus was andere sich nicht getrauen.

    Eigentlich wäre es mal an der Zeit, daß sich unsere Medien mal entschuldigen – aber darauf wird man wohl lange warten müssen.

    • bluestar sagt:

      @Avantgarde
      Wahrheiten und Probleme auszusprechen – das ist doch diesen Zeiten schon ein Vergehen, was mit Ignoranz, Ausgrenzung, Diskriminierung und Verleumdung bekämpft werden muss.
      Genau das ist die Aufgabe der gleichgeschalteten Systemmedien, deshalb werden sich diese niemals entschuldigen, egal welcher Dreck und Schwachsinn verbreitet wurde.
      Willkommen in der DDR.

      • Avantgarde sagt:

        Ja – das einzige was an Yanis Varoufakis radikal ist ist seine Ehrlichkeit.

        GR I-S-T der Kanari in der Kohlegrube und weil es so klein ist das erste Opfer – die Probleme sind aber in der Tat grundsätzlich.

        Immerhin haben unsere Medien das verlinkte Interview uns allen zugänglich gemacht.
        Von gleichgeschalteten Medien möchte ich noch nicht sprechen – wenn man mal nach Amiland oder Italien blickt dann ist das dort noch sehr viel grausamer.
        Wir haben hier mit Arte, Phoenix und 3Sat schon ein paar recht gute Informationssender – das Problem ist halt, daß die Menschen das Angebot auch annehmen müssen.

  4. Karla Johnson sagt:

    Es gibt eine Austrittklausel im Lissabonvertrag, der §50
    http://de.wikipedia.org/wiki/Vertrag_von_Lissabon#Austritt
    Ich wünsche mir das sich diese krimminelle Vereinung so schnell wie möglich in Luft auflöst.

  5. Beobachter sagt:

    Mit der Pleite in GR, d.h. Kreditabschreibungen wird vielleicht dem einen oder anderen hierzulande endlich auffallen, dass der zweifelhafte Titel „Exportweltmeister“ und dem damit verbundenen Leistungsbilanzüberschuss von derzeit ca. 8% des dt. BIP einem volkswirtschaftlichen Selbstmord gleichkommt.

    Waren und gleichzeitig Kredite herzugeben, wenn absehbar niemals gleichwertige Waren zur Kompensation zurückkommen, ist reine Dummheit.

    Wir brauchen eine starke DM die die Bürger in die Lage versetzt, bei unseren Nachbarn unsere Überschüsse dauerhaft abzubauen, alles andere mündet absehbar in Enteignung durch Schuldenschnitte.

  6. Sandra sagt:

    Eine andere Frage
    Was soll man denn tun?
    Einem Finanzmanagement in Zwergenmanier ist nicht beizukommen. Daher kracht es sowieso. Kollateralschäden zu begrenzen, versucht man ja schon, indem man es gezielt krachen läßt. Fair ist das nicht – natürlich nicht. Doch ganz im Ernst: Was soll man anderes tun, um die globale Infrastruktur irgendwie aufrechtzuerhalten?
    Das ist die eine Seite.

    Die andere Seite ist die Überführung einer alten Infrastruktur in eine Neue. Normalerweise macht man das so, daß man nicht alles Alte zerstört. Man richtet den Fokus auf die Dinge, die man selbst erhalten möchte, die Sinn machen erhalten zu werden, man unternimmt den Versuch, das Beste mitzunehmen, erhält es und baut darauf VOR und WÄHREND des Wechsels auf.

    • Sandra sagt:

      Natürlich habe ich meine ganz persönlichen Interessen und nehme daher die Gestaltung MEINER Zukunft in die Hand. Dies obliegt jedem selbst. Als DDR-Kind kann ich nur sagen, das dies jeder tun sollte, so er nicht nur einen grünen Pfeil an der Ampel als kläglichen Rest einer vergangenen Ära beibehalten möchte.

    • Sandra sagt:

      Ich hatte vergessen zu sagen, wie insbesondere MANN und FRAU das machen kann.
      Aus einem verbildeten Verstand heraus, findet man nur Lösungen, die diesem weiterhin dienen.
      Durch offenes Interesse an der Umwelt (kindliche Neugierde) nimmt man viel mehr an Informationen auf, als der Verstand es zu fassen vermag. Diese Anhäufung von Wissen, das man nicht zum Ausdruck bringen kann, fühlt man. Mit Geduld und etwas Übung bekommt der Verstand etwas davon zu fassen und kann echte Lösungen hervorbringen.

  7. JayJay sagt:

    Athen wird weiter an den Futtertrögen der EU versorgt, das ist gewiss. Das Spiel geht solange weiter bis alle in der EU bzw. der Euro über den Jordan gehen.
    Der arme Bürger wird dann bluten müssen, aber das sollte er eigentlich auch wissen, dafür ist er da.

    Gold & Silber Ahoi 🙂

  8. Salim Spohr sagt:

    786 – Ein Dank an Frank Meyer für diesen schönen erfrischend klaren Artikel. – Wenn wir einen Wunsch frei hätten, was wäre es dann, was wir uns wünschen könnten? – Unter dem Vorbehalt eines eingeschränkten Laienverständnisses der geschilderten Zusammenhänge würde ich mir wünschen, daß Griechenland und alle armen (vielleicht ja auch die reicheren) Staaten der EU sich stante pede für bankrott erklären und einen Tag später alles wieder glückhaft schuldenfrei neu aufbauen würden. Die Völker könnten es verstehen und zusammenstehen. Und Geld gibt es nur für die reale Wirtschaft. Die Banken hätten – wie wunderbar gerecht! – einmal erfolgreich das Risiko ihres anrüchigen Gewerbes getragen, der Markt wäre frei, und Draghi könnte am Meer spazieren gehen. 🙂

  9. ben sagt:

    ein brillianter Film über die Absurdität
    unseres mit Geld aus dem NICHTS Systems.

    http://www.arte.tv/guide/de/048762-000/staatsschulden-system-ausser-kontrolle
    wird am 19.Feb.8:55 noch mal ausgestrahlt.

    Warum sollte sich dieses absurde System nicht weiter ausdehnen wie das Weltall mit virtuellen Krediten. Wir dulden es oder dulden es nicht.
    Von Bankern werden 100% der Menschheit damit versklavt es sei —- denn Waren sind mehr Wert als bunte Zettel. Viel Erfolg der griechischen Regierung mit dem angenehmen Finanzminister!!! Sind nicht 50% der Gelder eh schon wieder in – D – gelandet – Panzergeschäft etc….

    • FDominicus sagt:

      Banken arbeiten nicht im gestzlosen Raum. Das was man Betrug nennen muß wurde von Staaten in Gesetzen als Recht deklariert. Das sollt man bei der Kritik an Banken niemals vergessen.

      Ich mach Ihnen nur eine kleinen Vorschlag. Sie gründen hier in D eine Bank mit folgenden Richtlinien:
      – Kotenn werden in GE (Goldequivalenten geführt)
      – Diese Bank verleiht nur (a) Ihr Geld b) Geld was Ihnen explizit von den Einlagehaltern zur Verfügung gestellt wurde
      – Einlagekonten sind keine Kredite an die Bank sondern Anderkonten.

      Wenn Sie es schaffen, diese Bank hier in D zu gründen, komme ich direkt zu Ihnen. Diese Wahl hat man in D ja in der ganzen EU nicht.

      Sie können nicht „einfach“ so eine solche Bank gründen. Dagegen gibt es Gesetze!

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