Grenzen? Am besten ignorieren…

8. Juni 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Wer Warnsignale ausblendet und sich von ausuferndem Optimismus anstecken lässt, der kann Dinge erleben, die er sein Leben lang nicht mehr vergisst. Diese Chance sollten Sie auf gar keinen Fall verpassen!

Vor vielen Jahren bin ich einmal einen Marathon gelaufen. Eigentlich waren es sogar zwei: Mein erster und mein letzter. Denn natürlich hätte ich wissen müssen, dass passionierte Fahrradfahrer ohne spezielles Training auf der 42-Kilometer-Laufstrecke nichts zu suchen haben.

So bin ich also, nachdem ich tags zuvor im Englischen Garten das Ankündigungsplakat zum München-Marathon gesehen hatte, ohne die geringste läuferische Vorbereitung in dieses Abenteuer gestartet.

Anfangs ging auch alles erstaunlich gut. Der schier grenzenlose Übermut der vielen Mitstreiter war in der Startphase tatsächlich euphorisierend. In kühler Morgenluft sind wir alle gemeinsam sehr flott dahingetrabt und getragen von einem unsichtbaren „Rückenwind“ bin ich erstaunlich locker über die Halbdistanz gekommen.

Ich dachte noch, was die nur alle haben mit ihrem Marathon. Ist doch alles easy…

Doch was dann kam, das werde ich nicht mehr vergessen:

Ab Kilometer 30 begannen Qualen, die man sich nicht vorstellen kann, wenn man das nicht einmal selbst ausprobiert hat. Bei Kilometer 35 steigerte sich die Tortur ins Unermessliche und kurz vor dem Ziel bin ich kaum noch vom Fleck gekommen.

Nach 42 Kilometern habe ich völlig zermartert auf dem Boden gelegen und mir geschworen, dass ich das nicht noch einmal probieren werde. Seither bin ich beim Fahrradfahren geblieben. Seltsamerweise sind damit selbst 200 Kilometer kein größeres Problem…

An diese unvergessliche Marathon-Premiere musste ich denken, als ich mir kürzlich einige Börsenindikatoren angesehen und die Stimmung an den wichtigsten Märkten analysiert habe.

Die Anleger halten sich wieder einmal für unverwundbar, erkennen ihre Grenzen nicht und glauben, weil sie zuletzt schöne Gewinne gemacht haben, werde das immer so weitergehen.

Wie jedem unerfahrenen Marathonläufer kann man den Anlegern nur wärmstens empfehlen, einfach so weiter zu machen.

Denn wer seine Grenzen konsequent ignoriert, wer sich selbst so richtig überschätzt und sich vom ausufernden Optimismus anstecken lässt, der jetzt wieder überall um sich greift, der darf das später mit einem „Kater“ bezahlen, den er sein Leben lang nicht mehr vergessen wird. Ein Erlebnis, das man auf gar keinen Fall verpassen sollte!

Und weil wir gerade so schön beisammensitzen, und Sie nach dem Allzeithoch beim DAX von dieser Woche vielleicht gerade von unermesslichen Börsengewinnen träumen, hier eine Geschichte von Ende Mai:

Dort kann man nachlesen, dass die Insider in den USA gerade erstaunlich viele Aktien verkaufen. Nämlich ungefähr viermal mehr als sie kaufen. Seltsam, wo doch gerade alles so toll aussieht und der Himmel voller Geigen hängt. Wahrscheinlich machen sich die Manager wieder mal übertriebene Sorgen oder sie haben von der Börse sowieso keine Ahnung.

Kein Sorgen machen sollten auch Sie sich, falls Sie gleich das folgende Video anklicken. Technisch ist der Beitrag nämlich nicht gerade der letzte Schrei, der Schnitt wirbelt die Bilder ein wenig durcheinander und auch der Ton ist gewöhnungsbedürftig.

Und wie ist der Inhalt? Naja, sehen Sie einfach selbst einmal nach, falls Sie sonst nichts zu tun haben. Der Titel lautet übrigens:
„Mutige Reporterin konfrontiert Baronin Rothschild mit den Machenschaften ihrer Bank“

Wo denn hier die Grenzen sind und was dieses blöde und unprofessionelle Video mit der Börse zu tun hat?  Keine Ahnung. Am besten ignorieren…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

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