Der schlechteste Zentralbanker aller Zeiten

18. Februar 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Claus Vogt

Wie Sie wissen, verfolgen Roland Leuschel und ich schon seit der Recherche für unser Buch „Das Greenspan-Dossier“, das im Jahre 2003 erschienen ist, sehr genau, was uns Ex-Fed-Präsident Alan Greenspan zu sagen hat. Dessen Geldpolitik haben wir bereits damals scharf kritisiert. Zu einer Zeit also, in der die staatstragenden Massenmedien noch voll des Lobes waren für diesen Mann und seine völlig verantwortungslose Politik.

Nun hat der ehemalige US-Notenbanker in der aktuellen Zeitschrift des World Gold Council ein dreiseitiges Interview gegeben, bei dem ich mir angesichts des hier zum Ausdruck kommenden Sinneswandels Greenspans die Augen reiben muss.

Wer von Ihnen unser Buch gelesen hat, weiß, dass wir ihn damals schon als den schlechtesten Zentralbanker aller Zeiten bezeichnet haben. Diese Bewertung mussten wir später zwar noch einmal überdenken, nachdem sein Nachfolger Ben Bernanke eine noch irrwitzigere Geldpolitik durchführte als Greenspan. Revidieren mussten wir sie allerdings nicht. Denn Bernankes Politik folgte lediglich der inneren Logik der von Greenspan vertretenen geldpolitischen Doktrin.

Deshalb sind wir weiterhin der festen Überzeugung, dass Greenspan sich den Titel „Schlechtester Zentralbanker aller Zeiten“ in jeder Hinsicht verdient hat. Denn er hat in seinen 18 Jahren als Chef der mächtigsten Zentralbank der Welt maßgeblich dazu beigetragen, dass sich das Finanzsystem auf dem Weg in den Abgrund befindet, der Wohlstand abnimmt und die Demokratie bedroht ist.

Unfassbar: Opportunist Greenspan setzt seine Politik mit dem Goldstandard gleich

In dem oben erwähnten Interview zeigt sich Greenspan wieder einmal als allglatter und extrem selbstgerechter Opportunist. Zu meiner Verwunderung verteidigt er zunächst den Goldstandard und stellt völlig zu Recht fest, dass dieser zu einer Epoche außergewöhnlichen Wohlstands geführt habe. Ebenfalls korrekt ist seine Feststellung, dass damals nicht der Goldstandard versagt habe, sondern die Politik. Schließlich weist er sogar darauf hin, dass unter dem Goldstandard die extreme Verschuldung, in die sich die Welt manövriert hat, schlicht und einfach nicht möglich gewesen wäre. Absolut richtig, aber leider viel zu spät erkannt.

Denn dass die von ihm durchgeführte ultralaxe Geldpolitik die notwendige Voraussetzung war, diese Schuldenberge zu kreieren, erwähnt er in diesem Interview natürlich mit keinem Wort. Obwohl er mit ebendieser ultralaxen Geldpolitik die Hauptverantwortung trägt an dem fragilen Zustand, in dem sich die Weltwirtschaft und das Finanzsystem heute befinden, hat er sogar die Chuzpe zu behaupten, er sei stets Signalen gefolgt, die es auch unter dem Goldstandard gegeben hätte. Ich finde, selbstgerechter und verlogener kann man sich die Welt wohl kaum zurechtbiegen.

Doch damit nicht genug. Jetzt fordert er, der stets der Deregulierung des Bankensektors das Wort geredet hat, sogar höhere Eigenkapitalquoten des Bankensektors – mit der erneut korrekten Begründung, dass alle Krisen der vergangenen Jahrzehnte geldpolitischer Natur gewesen sind. Was für ein Heuchler.

Für mich ist dieses Interview nur ein weiterer Beleg für die Verlogenheit moderner Zentralbankbürokraten. Diese Damen und Herren wissen sehr genau, was sie angerichtet haben. Und Sie wissen auch, dass es keinen schmerzlosen Weg mehr aus der Misere gibt, die sie herbeigeführt haben, und die in einer Katastrophe enden wird.

Auch für „Starökonom“ Kenneth Rogoff sind wir jetzt die Zahlesel

In diesem Lichte sollten Sie auch die jüngste Aussage des Harvard-Ökonomen Kenneth Rogoff sehen. Plötzlich weiß auch dieser elitäre US-Wirtschaftswissenschaftler, dass die Euro-Krise nicht etwa gelöst wurde und dass Deutschland eine große Rechnung für die Euro-Rettungspolitik ins Haus steht. „Die Last der deutschen Schulden ist höher, als die Zahlen es vermuten lassen. Sie sind nicht in der Bilanz, aber eines Tages werden sie fällig – und die Deutschen sollten darauf vorbereitet sein“, so Rogoff in einem aktuellen Interview mit der Zeitschrift „Capital“.

Nehmen Sie diese klaren und programmatischen Worte aus diesem der wirtschaftspolitischen Elite angehörenden Munde ernst. Sie zeigen, dass die Mächtigen der Welt jetzt offenbar der Meinung sind, das deutsche Volk auf das Unausweichliche vorbereiten zu müssen, das auf die völlig verfehlte Geld- und Staatsschuldenpolitik der vergangenen Jahre und die verfehlte „Euro-Rettung“ Draghis folgen wird. Mit anderen Worten: Das Endspiel kann beginnen – zumindest in Europa.

© Claus Vogt – Krisensicher Investieren

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