„Grande Catastrophe“ und andere Unerfr-EU-lichkeiten

3. Juni 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Mack & Weise

Europa hat gewählt! Zwar konnte die Bevölkerung nicht über Krieg oder Frieden abstimmen, ganz so wie es uns die EU-Politiker zuvor weismachen wollten, jedoch darüber, wie weit sich das (T)Raumschiff Brüssel inzwischen von der Realität entfernt hat…

Die Anti-Brüssel-Parteien avancierten vielerorts zur stärksten oder zweitstärksten Kraft, womit die Wahl belegt, dass die Lage in Europa nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch immer fragiler wird!

So gewann im EU-kritischen Großbritannien die UKIP mit ihrer Forderung nach einem Austritt aus der EU mit rund 30% der Stimmen klar die Mehrheit, was den amtierenden Premier Cameron, der ohnehin für 2017 ein Referendum über einen Verbleib des Landes in der EU in Aussicht gestellt hatte, europapolitisch noch stärker unter Druck setzen dürfte.

Blickt man auf die Wahlergebnisse in den Südländern, so spiegeln diese nicht nur den schlechten wirtschaftlichen Zustand, sondern auch die Hoffnungslosigkeit nach sechs Krisenjahren wieder. In Griechenland, dem Aufschuldungs-Versuchslabor der Eurozone, konnte nicht nur das vom EU-Schreck Tsipras angeführte Linksbündnis Syriza, das 2009 noch auf 4,7% Stimmenanteil kam, die Wahl mit 26,6% deutlich für sich entscheiden, es gelang sogar der rechtsextremen Partei Chrysi Avgi, deren halbe Führungsriege derzeit im Knast sitzt, als drittstärkste Kraft 3 EU-Mandate zu ergattern.

Italien_Staatsschulden und Rendite

In der drittgrößten Volkswirtschaft Europas Italien, wo die Wirtschaftsleistung im „Jahr des EU-Aufschwungs“ zu Jahresbeginn abermals nur „negativ“, die Staatsverschuldung jedoch „positiv“ auf 2,12 Billionen Euro wachsen konnte, vereinte der neue Schulden versprechende Ministerpräsident Renzi mit 41,4% zwar eine deutliche Mehrheit der Stimmen auf sich, doch die M5S-Partei des Komikers Grillo, der die Schulden des Landes Schulden lassen sein will, wurde klare zweite Kraft im Lande.

Während in Italien der große Schock noch vermieden werden konnte, kann dieses im Bezug auf den Wahlausgang in Frankreich jedoch nicht behauptet werden.

Eine „grande catastrophe“ mussten die EUrokraten in Frankreich zur Kenntnis nehmen, wo mit Marine Le Pen und ihrer Front National ausgerechnet jene Partei zur stärksten Kraft gewählt wurde (24,9%), die besser gestern als heute die EU als auch den Euro hinter sich lassen möchte.

Der Zulauf für die von W. Schäuble als faschistisch bezeichneten Partei zeigt, wie desolat die Lage im zweitgrößten EU-Land tatsächlich ist. Seit Jahren stagniert die Wirtschaft, die Staatsquote ist mit lähmenden 56,1% die höchste in ganz Europa, während die Verschuldung des Landes nun sogar kurz davor steht, die 2-Billionen-Euro-Mauer zu durchbrechen – trotz aller Sparrhetorik!

Auch ging die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs seit der Einführung des Euros inzwischen nahezu gänzlich verloren, wie nicht nur die rund 25% oberhalb der deutschen liegenden Lohnstückkosten beweisen… (Seite 2)


 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , , , , ,

8 Kommentare auf "„Grande Catastrophe“ und andere Unerfr-EU-lichkeiten"

  1. Traumschau sagt:

    „Auch ging die Wettbewerbsfähigkeit Frankreichs seit der Einführung des Euros inzwischen nahezu gänzlich verloren, wie nicht nur die rund 25% oberhalb der deutschen liegenden Lohnstückkosten beweisen…“

    Tja, warum ist das so?
    Es ist ganz einfach: DE hat sich, entgegen der Vereinbarung über das vereinbarte Inflationszeil von 1,9%, nicht an diese Abmachung gehalten und seit der Einführung des Euro das Inflationsziel unterlaufen. Die Lohnstückkosten bestimmen maßgeblich die Inflation! Frankreich hat sich daran gehalten, hat also die Löhne entsprechend des Produkivitätszuwachses plus Inflationsziel erhöht! DAS ist der Zusammenhang! Frankreich hat als einziges Land alles richtig gemacht und ist jetzt trotzdem in Schwierigkeiten. Die Leistungsbilanzungleichgewichte in der Eurozone sind hauptsächlich durch das deutsche Lohndumping entstanden!
    Schauen Sie mal diese Charts hier an:

    http://www.levyinstitute.org/conferences/minsky2014/flassbeck_s4.pdf

    Leider versteht kaum jemand diesen einfachen, logischen Zusammenhang. Deshalb ist die Krise auch nicht zu lösen – schon gar nicht mit geldpolitischen Verrenkungen!
    LG Traumschau

  2. Traumschau sagt:

    Ergänzung:
    Dieser Beitrag erklärt den grassierenden Wahnsinn der Mainstreamökonomen, die immer noch glauben, dass die EZB das Ruder herum reissen könnte, weil sie nicht verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert:

    „Schwaches Wachstum und Deflationsgefahr im Euroraum – letzte Hoffnung EZB?“

    http://www.nachdenkseiten.de/?p=21914#more-21914

    LG Traumschau

  3. FDominicus sagt:

    @Traumschau. Nomen est Omen? Entschuldigung, ihre Kaufkraftgewinne können Sie getrost vergessen. Frankreich hat genau zwei Probleme. Kein Geld und zu viele Schulden. Und da beißt keine Maus einen Faden ab. Frankreich hat sich wie so gut wie alle anderen BRICS Länder für Konsum verschuldet. Und was Sie nun vorgefressen haben müssen Sie nun nachhungern (frei nach Baader)

    Der Staat ist in Frankreich mindestens genauso ein Molich wie der Deutsche, aber noch ist Deutschland nicht völlig in die Hand von Apparatschiks einer ENA gefallen. Wir sind auf dem schlechtesten Weg das nachzuholen. Aber ich glaube nicht, daß wir bald schon Frankreich einholen.

    Eigentlich müsste jeder Europäer Hollande danken, so blind gegen die Mauer zu rasen. Sozialisten sehen ganz alt aus wenn Ihnen das Geld andere Leute ausgeht und genau das passiert glücklicherweise den Sozialisten.

    Was wir gerade in Frankreich sehen, zeigt mal wieder eindrucksvoll wie Sozialismus oder auch der dritte Weg, im Endeffekt im Zusammenbruch endet. Und in diesem Fall hoffe ich ehere auf einen früheren Zusammenbruch als später. Wenn noch lange so weiter gemacht wird, wird es nur noch einen neuen Rekord jedes Jahr geben der Schuldenstand, der mit Sicherheit zu einem großen Teil bei der EZB landen wird….

    • Traumschau sagt:

      Mhh, entweder haben Sie die von mir eingestellten links nicht angesehen oder den Inhalt nicht verstanden.
      Vielleicht versuchen wir es später noch einmal …
      LG Traumschau

    • Skyjumper sagt:

      @ FDominicus

      Nicht gleich das Kind mit dem Bad ausschütten. Natürlich ist es richtig wenn Sie schreiben, dass Frankreich als Staat über seine Verhältnisse gelebt hat und daher heute mit zu viel Schulden (und daher leerer Pulverkammer) da steht. Natürlich ist es auch richtig, dass die Staatsquote in Frankreich bereits heute so extrem hoch ist, dass da kaum noch was zu holen ist ohne die letzten kümmerlichen Reste von Privatwirtschaft auch noch abzuwürgen.

      Richtig ist aber auch was @Traumschau schrieb (bzw. Heiner Flassbeck), nämlich dass sich DE nicht an die vereinbarten Ziele gehalten hat und dadurch die wirtschaftlichen Divergenzen noch verstärkt hat die heute ein wesentliches Grundübel innerhalb der Eurozone darstellen und mit egal welchen Mitteln der EZB auch nicht gelöst werden kann. Denn alles was die EZB machen kann wirkt sich nahezu identisch auf alle Euromitglieder aus. Dank der völlig auseinander gelaufenen Lohnstückkosten würde ein schwacher Euro zwar Frankreich zugute kommen, aber Deutschlands Wirtschaft würde geradezu explodieren. Was die Unterschiede dann noch mehr hervortreten lässt.

      Allerdings sind Flassbecks Thesen stark ideologiegeprägt und greifen deutlich zu kurz. Denn auch mit höheren Lohnstückkosten würde DE immer noch besser auf dem WELTmarkt verkaufen als Frankreich. Und all das hin- und hergeschiebe von Produkten und Finanzmitteln innerhalb des Euroraums ist nur ein linke-Tasche-rechte-Tasche Gemurkse. Der EU kann es insgesamt nur besser gehen wenn der Aussenhandelsüberschuss der Gesamt-EU steigt. Vorzugsweise mit höheren Anteilen für die PIIGS Länder und Frankreich. Das dem nicht so ist hat allerdings mit den Ungleichgewichten innerhalb der EU wenig bis nichts zu tun.

      Das sind 2 vollkommen getrennte unterschiedliche Probleme.

      • Traumschau sagt:

        Zitat:
        „Allerdings sind Flassbecks Thesen stark ideologiegeprägt und greifen deutlich zu kurz. Denn auch mit höheren Lohnstückkosten würde DE immer noch besser auf dem WELTmarkt verkaufen als Frankreich.“

        Hallo Skyjumper!
        Das ist m.E. nicht so wirklich richtig.
        Man hat im Zuge der Euroeinführung anhand VERGLEICHBARER Produkte die jeweiligen Wechselkurse zum Euro festgezurrt. Danach sollten die Preise für diese Produkte entsprechend dem Inflationsziel steigen! Statt Auf-Abwertungsprozesse hat man jetzt ein einheitliches Inflationsziel. Wenn die Preise auseinanderlaufen, dann muss man an den Lohnstückkosten schrauben. DE und FR hatten genau die gleiche Produktivität – mit dem Unterschied, dass sich FR an das Inflationsziel gehalten hat, und DE IMMER darunter lag – durch Lohndumping im Namen der Banken und Konzerne. Es spielt überhaupt keine Rolle, welche Wirtschaftsform ein Land bevorzugt oder gar das Renteneintrittsalter. Ist FR weniger produktiv, dann fällt der Lohnzuwachs eben geringer aus – und das ist alles! Wichtig ist die Anpassung an die EIGENEN Verhältnisse. Für mich ist das vollkommen logisch!
        LG Traumschau

  4. FDominicus sagt:

    Die Preise für eine Stunde Arbeit werden im Endeffekt durch wirtschaftliche Rahmenbedingungen ausgehandelt. Wenn jemand etwas von Inflation zusammen mit Kosten für Arbeit schreibt, kann er der liebe Gott persönlich sein und hat trotzdem nicht recht.

    Ein Inflationsziel insgesamt ist an Perversität schon kaum zu überbieten. Es zeigt eine zutieft asoziale Grundhaltung, nämlich : Sparer können beliebig enteignet werden (aber bitte aus sozialen Gründen nur nicht allzu viel)

    Ich habe den ganzen Eintrag völlig korrekt verstanden und es wurde mir sogar hier noch mal erklärt. Die Traumschau ist völlig im aktuellen Irrtum verfangen. Und nur das habe ich kritisiert.

    Ansichten und Antworten von der Traumschau auf trivialste Fragen wie:
    1) Warum sind die Schulden auch vom frz. Staat so gestiegen
    2) Wie kann man erwarten, daß sich Leute anstandslos 3/4 Ihrer Arbeit einfach so wegnehmen lassen werden
    3) wieso wurde Frankreich deindustrialisiert.

    Werden erst mal gar nicht behandelt. Diese Idee man muß „nur“ mehr Geld unter die Leute bringen und dann brummt der Laden schon, hat auf Dauer niemals geklappt und endete immer in einem Desaster.

    ich verstehe auch nicht warum man so etwas immer noch nicht erkennen kann. Genau das ist doch auch die Geschichte der WWK I. Man braucht sich doch „nur“ den ganzen Aktonismus zu dieser Zeit anschauen. Dort sollten auch die Preise „stabilisiert“ werden. Wie? Indem man ganze Ernten vernichtete? Wie kann man durch die Vernichtung von Gütern reicher werden?

    • Traumschau sagt:

      Hallo FDominicus!
      Wenn ein Land mehr importiert als exportiert, dann macht es Schulden. DE hat FR durch das Lohndumping Marktanteile abspenstig gemacht – innerhalb und außerhalb des Euroraumes! Und das war gegen die Vereinbarung des gemeinsamen Inflationsziels.
      Im übrigen sind Schulden in unserem System notwendig! Wenn es keine Schulden gäbe, dann gäbe es auch keine Ersparnis. Gibt es keine Ausgaben, dann gibt es keine Einnahmen.
      Sie können gerne die Schulden zurückzahlen, wenn Sie mir erklären, wessen Vermögen in selbiger Höhe gestrichen werden sollen. Der Irrtum ist: Der Schuldner ist schuld!
      Und ich habe den Eindruck, dass Ihre Thesen um das Thema Schulden kreisen.
      „Die Welt ist ja soooo verschuldet“! Aber wer ist denn der Gläubiger? Die Venus?
      Die Welt kann werder verschuldet sein noch ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern. Der Saldo ist immer NULL!
      Deshalb ist das Mantra „Wettbewerbsfähigkeit“ Unsinn! Wenn man seine Nachbarn, die ja unsere Kunden sind, nieder konkurriert, dann wird man denen das Geld geben müssen, damit die dann unsere Waren abnehmen. Genau das passiert mit unseren Überschüssen, die wir auf Pump geliefert haben. Jetzt sind die pleite und nu? Das waren unsere Ersparnisse, die da als Kredit über die Banken ins Ausland geflossen sind!!
      Beten Sie darum, dass der Euro nicht zerbricht, denn dann stehen wir bis zur Oberlippe in der Scheiße!
      LG Traumschau

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.