Government Shutdown: Schlechte Regierungsführung, aber belanglos für die Börse

5. Oktober 2013 | Kategorie: Gäste

von  Claus Vogt

Derzeit sorgt der „government shutdown“, also die teilweise Schließung von Behörden in den USA für Schlagzeilen. Dabei vermisse ich in der umfangreichen Berichterstattung über dieses absurde und belanglose Polittheater den einzig passenden Begriff, mit dem dieses Geschehen kurz und bündig benannt werden sollte: „bad governance“, also schlechte Regierungsführung…

Dieser Begriff entstammt dem internationalen Bürokratenvokabular. Dort wird er allerdings nur auf Entwicklungsländer angewendet oder auf Nationen, die – wieder im internationalen Bürokratenjargon gesprochen – keine Regierung haben, sondern ein „Regime“.

Nun haben die USA natürlich eine Regierung, eine sehr mächtige sogar, die sowohl eine schlagkräftige Armee unterhält, deren manchmal tödlichen Drohnen in zahlreichen Ländern zum Einsatz kommen, als auch eine hoch technisierte und international tätige Staatssicherheits-Behörde. Die Abgrenzung zwischen „Regierung“ und „Regime“ wird dank Friedensnobelpreisträger Obama leider noch unschärfer als sie ohnehin schon war.

„Government Shutdown“ kein Thema für die Börse

Und jetzt das: Die teilweise Schließung von Behörden, weil die in der Verantwortung stehenden Politiker es nicht zuwege bringen, rechtzeitig einen Kompromiss auszuhandeln, um den sie am Ende ja sowieso nicht herumkommen werden. Wenn das keine schlechte Regierungsführung ist, dann müssen wohl alle politischen Ränkespiele neu eingeordnet werden. Aber vielleicht schafft es der trotz allem in bestimmten Teilen der Öffentlichkeit noch immer wie ein neuer Messias verehrte Obama ja auch aus dieser Situation unbeschadet hervorzugehen, wenn nicht gar einen Preis für vorbildliches Regieren einzuheimsen. Ich zumindest halte diesbezüglich inzwischen fast alles für möglich.

Ein Blick auf die Finanzmarktgeschichte zeigt, dass ein „Government Shutdown“ an der Börse gewöhnlich keine Spuren hinterlässt. Seit 1970 kam es immerhin 17-mal zu einem „Shutdown“. In acht dieser Fälle hielt er allerdings nur ein bis drei Tage an. Der S&P 500 Index zeigte sich mit einem durchschnittlichen Minus von 0,1% nahezu unverändert. Interessanterweise kam es auch im Vorfeld der „Shutdowns“ und in den Tagen danach nicht zu auffälligen Kursbewegungen.

Die längste „Shutdown“-Episode fand übrigens Ende 1995 unter der Clinton-Regierung statt. Sie dauerte immerhin 21 Tage. Dennoch zeigte sich der S&P 500 Index auch in diesem Fall mit einem Plus von 0,1% nahezu unverändert.

Erhöhung der US-Staatsschuldengrenze steht bevor

Am Dienstag dieser Woche fragte mich Herr Schick vom Deutschen Anlegerfernsehen (DAF) im Rahmen eines Interviews, ob mit dem unmittelbar bevorstehenden Erreichen der US-Staatsschuldengrenze ein Fiasko drohe. In dieser Frage kommt unterschwellig die weit verbreitete Sichtweise zum Ausdruck, dass mehr Staatsschulden gut seien und die Beendigung der Staatsschuldenorgie der vergangenen Jahre zu einer Katastrophe führen würde.
Diese Sichtweise verkennt das eigentliche Problem. Dass demnächst wieder einmal die US-Staatsschuldengrenze erreicht wird, ist belanglos. Wie üblich werden Politiker versuchen, diese Situation für ihre individuellen Zwecke propagandistisch auszunutzen. Sie werden eine kleine Schlammschlacht veranstalten und anschließend für eine Erhöhung der Schuldengrenze stimmen, damit die Staatschuldenorgie ungebremst weitergehen kann. Business as usual, wie man in Amerika zu sagen pflegt… (Seite 2)

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2 Kommentare auf "Government Shutdown: Schlechte Regierungsführung, aber belanglos für die Börse"

  1. bluestar sagt:

    „Auf diesem Weg wird sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen, wie nur wenige, und zwar die Wohlhabenden, sich vor den negativen Folgen der Inflation schützen können.“
    Das sehe ich anders.
    1. Kann sich niemand vor den negativen Folgen völlig schützen.
    2. Auch die Wohlhabenden verlieren, sei es im Geldbereich oder in den sogenannten
    Sachwerten, welche schon jetzt durch eine Vermögensinflation künstlich aufgeblasen
    werden. Sie verlieren vielleicht etwas weniger als die mittellose Masse.
    3. Nur relativ gesehen verlieren Wohlhabende vielleicht etwas weniger als Arme,
    absolut betrachtet dürfte es mehr sein. Werden Schulden durch Inflation
    abgebaut, wird auch Vermögen vernichtet.
    4. Wer schon heute arm ist und nichts besitzt , der kann auch kein Vermögen
    verlieren.Damit der soziale Frieden
    und das System erhalten bleibt, wird der für den Systemerhalt zuständige Staat die
    Grundbedürfnisse der sogenannten Armen absichern. Dazu kann er ja dann wieder
    neue Schulden aufnehmen….oder den Vermögenden zusätzliche Abgaben
    auferlegen. Beispiele in der Geschichte Deutschlands gibt es ja genügend, dort
    wo es etwas zu holen gibt, da wird auch zugelangt und das betrifft in der Regel
    die sogenannten Wohlhabenden. Insofern wird Inflation den schon jetzt
    stark dezimierten wohlhabenden Mittelstand weiter enteignen.
    5. Nur die wirklich richtig Reichen, also die 0,01 Prozent dürften mit ihren eigenen
    global operierenden Vermögensverwaltungen in der Lage sein, sich vor dem
    Zugriff des Staates zu schützen. Macht nichts, denn der Staat ist doch sowieso ihr
    Herrschaftsinstrument.

  2. FDominicus sagt:

    „Auf diesem Weg wird sich die Schere zwischen Arm und Reich weiter öffnen, weil nur wenige, und zwar die Wohlhabenden, sich vor den negativen Folgen der Inflation schützen können. “

    Das stimmt so nicht, auch nicht so wohlhabende könnten Alternativen zu US-IOYs kaufen.

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