Good Moooorning, Ratingagentur!

18. Dezember 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bankhaus Rott

Seit einigen Jahren darf man den Niedergang der Bergbaubranche beobachten. Investitionen zur Übernahmen zu Unzeit führen zu teils dramatisch verschlechterten Bilanzen. Die einzigen, die es selbst jetzt noch nicht gemerkt haben, sind offenbar einige Ratingagenturen.

Passiert ein Finanzmarktunfall so lautet ein Mantra der Überraschten man habe wieder etwas gelernt. Für manchen Anleger ist der Lernerfolg des Geldverwalters ein derart teurer Spaß, dass es schwierig wird, aus dem Gelernten noch Profit zu schlagen. Aber man lernt ja fürs Leben.

Wer erinnert sich nicht noch an das Debakel der Ratings von strukturierten Produkten wie den unseligen CDOs. Aus mittelprächtigen Krediten, deren Ausfallrisiken hoch korreliert waren, wurden durch Strukturierung und den Segen der Ratingagenturen große Portfolios als gut bis sehr gut eingestufter Kredittranchen. Geholfen haben die guten Ratings nichts. Viele Schuldner konnten nicht zahlen, Kredite wurden notleidend, zahlreiche CDOs haben sich ebenso in Rauch aufgelöst wie manches Finanzunternehmen.

Wieder einmal könnte es heißen „viel gelernt“ sollte man meinen. Aber das ist offenbar nicht der Fall, wie der Blick auf die Einstufungen der Bergbaufirmen zeigen. Unter den derzeit angeschlagenen Firmen befinden sich Glencore, Anglo American und auch einige große Goldminen. Das grundlegende Problem sind die wegbrechenden Cash Flows auf Grund des Preisverfalls bei gleichzeitig deutlich angezogenen Kreditkosten.

Die folgende Grafik zeigt die Preisverläufe der Aktien von Glencore und Anglo American.

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Läuft es schief, läuft es schief. Der oben grafisch dargestellte Zusammenhang ist wenig überraschend. In schwierigen Zeiten steigen die Kosten für eine Eigenkapitalaufnahme ebenso wie die Aufschläge für Kredite, in besseren Zeiten sinken sie. Gemäß der alten Wahrheit, wer kein Geld braucht bekommt es, wer es braucht, kriegt es nicht, sollte man sich seine Finanzierung sichern, wenn es geht. Das ist keine Bösartigkeit des Kapitalismus sondern eine durchaus verständliche Verhaltensweise. Wer per Anhalter fährt steigt auch lieber bei einem nüchternen Fahrer ein als bei einem Besoffenen. Ob der Besoffene seinen Zustand selbst verschuldet hat oder nicht ist für den Mitfahrer nicht von Belang.

Wenn die Basis gesund ist, die Bilanz intakt und die laufenden Kosten der bestehenden Verschuldung sich in einem händelbaren Rahmen befinden haut so etwas niemanden um. Derzeit aber haben die Firmen mit den Folgen teurer, kreditfinanzierter Übernahmen und Investitionen zu kämpfen. Die Abschreibungen auf Projekte und Beteiligungen erreichten hohe zweistellige Milliardenbeträge. Besser sieht die Bilanz nach den Abschreibungen nicht aus.

Dazu gesellen sich tiefrote Cash Flows, die auf Grund der gestiegenen Risikoprämien nur teuer mit neuen Anleihen oder Krediten gedeckt werden können. Das Gegenmittel, das derzeit Anwendung findet ist die stabile oder sogar hochgefahrene Förderung bei sinkenden Preisen. Ein Teufelskreis, der zwar Cash Flows liefert, aber substanziell Werte der Unternehmen vernichtet. Eine Tatsache, die den Anlegern in den letzten Jahren nicht entgangen sein dürfte, wenn man die Kurse als Indikation der Einsicht heranzieht.

Die von den meisten geplanten Verkäufe von Anlagen klingen plausibel. Allein die Frage „an wen“ ist in den meisten Fällen ungeklärt. Für alles findet sich bekanntlich ein Käufer, allerdings dürften sich potentiell Interessierte darüber im Klaren sein, dass man nur sehr sehr wenig bieten und dann ein wenig warten muss, um zum Zuge zu kommen. Es wäre naiv anzunehmen, dass die entsprechenden Werte in den Bilanzen der Verkäufer schon auf ein realistisches Ausverkaufsniveau heruntergeschrieben sind. Ein hübsches Beispiel für den weiteren Verlauf eines abgespaltenen Geschäftszweigs liefert die South 32 Aktie. Das Unternehmen ist eine Abspaltung aus dem BHP Biliton Konzern. Nach der Abspaltung wurden die Papiere den Haltern der BHP-Aktien eingebucht. Bisher dürfte sich der Jubel in Grenzen halten.

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Blickt man auf die Entwicklung der Nettoverschuldung, die Eigenkapitalquote und die Cash Flows von Glencore, Anglo American, BHP und Barrick, so darf man sich fragen, worauf die Ratingagenturen eigentlich warten.

Vielleicht weiß man um die Problematik, die eine Herabstufung in den Junk Bereich für die Anleihen der Firmen selbst nach dem Kollaps haben könnte. Viele Investoren, die die Augen verschlossen hatten, sind dann aus regulatorischen Gründen zum Verkauf gezwungen. Aber nur weil jemand der nicht rechnen kann sensibel ist, kann man ihm noch lange kein „gut“ ins Mathezeugnis schreiben.

Oder sind etwa die „politischen Ratings“ zurück? Waren sie je weg? Gibt es die doch nicht nur bei spanischen Großbanken? Ach, da fällt uns ein, was macht eigentlich das „stabile Südamerikageschäft“ der iberischen Finanzfirmen? Das war eine der Begründungen, warum die spanischen Großbanken seinerzeit am Junk vorbeigeschrammt sind. Jetzt ist es vermutlich das stabile Spaniengeschäft, dass alles zusammen hält. Zum Glück ist das alles so absurd, sonst wäre es nur halb so unterhaltsam.

Immerhin. Auch aus diesem Scherbenaufen lassen sich beizeiten wieder Renditeperlen heraussuchen. Mal sehen, wer es ans rettende Ufer schafft.

 

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2 Kommentare auf "Good Moooorning, Ratingagentur!"

  1. Argonautiker sagt:

    Letztendlich sind Rating Agenturen derzeit doch nichts anderes als Verkündungsstellen, wer in einer scheinbar freien Marktwirtschaft, durch die Hochfinanz ab sofort gefördert, beziehungsweise sanktioniert wird.

    Ist letzteres der Fall, tut man gut daran, sich diesem „dislike“ anzuschließen, weil, täte man es nicht, man selbst mit zum nächsten auserkorenen Opfer gehörte. Es sei denn, man ist finanziell selbst so mächtig, daß man die echten Märkte selbst beeinflussen könnte. Aber dann wäre man eben kein Marktteilnehmer, sondern in der Hochfinanz, und dort gelten wie bekannt andere Regeln, beziehungsweise ist das die Liga, in der es keine Regeln gibt, aber der Ort wo die Regeln für die Anderen gemacht werden.

    Man könnte Rating Agenturen also als die modernen hochdotierten Marktschreier bezeichnen, denn außer rumschreien, was sie rumschreien sollen, tun sie nicht. Die wirkliche Entscheidung, wer fressen darf, oder wer zum gefressen werden auserkoren wurde, dürfte wesentlich näher der Notenpresse erfolgen.

    Vielleicht könnte man sie auch, gut bezahlte Mobbing Agenturen, oder Schwarzer Peter Verteiler, nennen.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo Argonautiker,

      Mobbing Agentur, das ist in der Tat mal eine Geschäftsidee! Spezialisten für so etwas zu finden dürfte kein Problem sein 🙂

      Ihnen ein schönes, mobbingfreies Wochenende
      Bankhaus Rott

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