Goldpreisexplosion? Ja, aber erst später

7. Juli 2009 | Kategorie: Kommentare

von Manfred Gburek

Wann endlich explodiert der Goldpreis? Das ist seit Wochen eine oft an mich gerichtete Frage. Klare Antwort: Die ganz große Preisexplosion wird noch mindestens ein Jahr, womöglich zwei bis drei Jahre auf sich warten lassen, dann aber umso heftiger ausfallen und zu einem mittleren vierstelligen Preis in US-Dollar führen (in Euro etwas weniger)….

Üben Sie sich also in Geduld, die Sie bis dahin dringend brauchen werden – auch wenn das Hin und Her des Goldpreises (und noch mehr des Silberpreises), wie es in den vergangenen Wochen immer wieder zu beobachten war, Sie zwischenzeitlich ganz nervös machen sollte. Ignorieren Sie einfach die ganze Hektik und lassen Sie sich von den vielen Fehlsignalen der Charts samt ihrer Interpreten nicht verrückt machen. Vielleicht tröstet es Sie ein wenig, dass das Preisniveau, von dem aus die Explosion stattfinden wird, auf jeden Fall vierstellig (in Dollar) sein wird.

Die Hintergründe dieser absehbaren Entwickung sind mindestens ebenso spannend wie die Preisbewegungen: Es geht um nicht weniger als darum, ein neues, allseits akzeptiertes Währungssystem zu etablieren. Dazu bedarf es der tatkräftigen Mithilfe aller wichtigen Länder samt ihrer Notenbanken, also USA, China, EU-Länder, Russland, OPEC-Länder, Brasilien, Indien u.a. Einige von ihnen haben ja schon Vorstöße unternommen, um die Stimmung der anderen zu testen: China mit der Idee, den Dollar durch die angestaubten Sonderziehungsrechte (eine Art Kunstwährung) ersetzen zu lassen, oder die Golfstaaten mit dem Versuch, eine eigene Währungsunion zu gründen (allerdings ohne die Vereinigten Arabischen Emirate).

Zieht man die Abwehrreaktionen der Amerikaner und Europäer auf diese Vorstöße sowie die Gegenreaktionen in Betracht, lässt sich ermessen, dass wir uns erst am Anfang eines langwierigen Prozesses befinden. An dessen Ende wird in einigen Jahren – und dann auch nur unter erheblichem Druck (durch die Folgen der jetzigen Weltwirtschaftskrise und/oder durch Kriege) – ein neues Währungssystem stehen. Dabei sollte man sich vergegenwärtigen, unter welch massivem Druck, vor allem seites der USA, das System von Bretton Woods 1944 zustande kam.

Es begann bereits knapp ein Vierteljahrhundert später, in den 60er Jahren, zu zerbröseln und machte endgültig 1973 dem noch heute existierenden Nicht-System Platz. Bevor sich die Vertreter der wichtigsten Länder samt ihren Währungshütern wie 1944 an einen Tisch setzen, muss also noch etwas Außergewöhnliches geschehen, das sie dazu zwingt.

Bezeichnenderweise begann auch die Goldspekulation, in deren Zuge der Preis des Edelmetalls während der 70er Jahre und dann noch bis Januar 1980 zusammen mit dem Silberpreis explodierte, schon Ende der 60er Jahre. Das lag vor allem daran, dass der 1961 gegründete Goldpool im März 1968 die Waffen streckte. Dabei handelte es sich um eine Vereinigung führender westlicher Länder zur Dämpfung des Goldpreises. Die aktuell laufende Goldspekulation hatte ihren Ursprung eigentlich im September 1999 mit dem Washington Agreement (Begrenzung der Goldverkäufe durch europäische Notenbanken) und dann so richtig im April 2001.

Gibt es Parallelen zwischen den 70er Jahren und heute? Bis auf die Tatsache, dass die Preise von Gold und Silber gestiegen sind, lassen sich auf Anhieb zwar keine erkennen, aber bei näherer Betrachtung wird deutlich: Es gibt Vergleichbares, man muss dazu nur die Hintergründe ausleuchten. Thema Goldpreisdämpfung: Nach der Jahrtausendwende verschleuderten England und die Schweiz auch ohne irgendeine Art von Goldpool wie von Sinnen – weil zu Tiefstpreisen – ihr Gold, die Schweiz offensichtlich auf Druck der USA, die schwer im Verdacht stehen, dem Goldpreis auch anderweitig einen Dämpfer versetzen zu lassen.

Der Druck auf die Schweiz beginnt sich gerade wieder zu verstärken, denn sonst hätte das Land nicht sein Bankgeheimnis gegenüber den USA gelockert. Thema Währungs-Nichtsystem: Seinerzeit gingen alle Versuche, daraus ein System zu machen, total daneben. Heute wäre man froh, wenn überhaupt solche Versuche unternommen würden.

Stattdessen müssen wir uns, bevor es dazu kommen kann, vorab mit den Folgen der Globalisierung abplagen, von denen eine währungspolitisch besonders brisant ist: China sitzt auf einem riesigen Dollar-Berg, Amerika auf einem noch höheren Schuldenberg, von dem ein Großteil die Gegenbuchung zu den China-Dollars ist. Beide Berge können nicht weiter so wachsen wie bisher, ohne dass es zu einem großen Knall kommt. Folglich werden Chinesen und Amerikaner noch in diesem Jahr intensivere Verhandlungen als bisher führen, um einen solchen Knall zu vermeiden. Erst danach werden sie sich zusammen mit anderen bedeutenden Ländern im Schneckentempo auf ein neues Währungssystem zubewegen.

So gesehen, ergibt sich für die Goldspekulation noch viel Potenzial, sei es wegen der zu erwartenden Unsicherheit auf dem Weg zum kommenden Währungssystem, sei es aufgrund der vagabundierenden Geldmengen, die im Zuge der expansiven Politik der Notenbanken ein sicheres Zuhause suchen und unter anderem im Gold finden. Dabei ist, vergleicht man die 70er Jahre mit dem jetzigen Jahrzehnt, besonders zu beachten, dass der Goldpreis von 1970 bis 1980 auf Dollar-Basis in der Spitze um das 24fache stieg (von 35 auf 850 Dollar), von 1999 bzw.

2001 bis heute dagegen noch nicht einmal um das Vierfache. Das liegt, was die Entwicklung im jetzigen Jahrzehnt betrifft, zu einem Großteil an den Spekulationsalternativen: Anleihen, Aktien, Rohstoffe, Immobilien, Derivate usw. Sobald diese Alternativen weniger nachgefragt werden, etwa weil Aktien nicht mehr von der Stelle kommen oder weil Derivate als Teufelszeug gelten, werden Gold, Silber und die anderen Edelmetalle den nächsten Preisschub nach oben bekommen. Erst danach wird es, wahrscheinlich nur von der einen oder anderen technischen Reaktion unterbrochen, zur ultimativen Preisexplosion kommen.

Manfred Gburek, 26. Juni 2009
—> zur Homepage von Manfred Gburek

Diese Seite drucken



weitere Berichte

Aufgelesen

Ronald Gehrt Blog
Videoblog

Print Friendly, PDF & Email

 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.