Goldpreis: Eine „völlig verrückte“ Prognose…

12. Juni 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

In den vergangenen 15 Jahren hat physisches Gold alle anderen Anlageklassen hinter sich gelassen. Und das Beste kommt erst noch. Doch wenn Sie darauf warten, bis Sie das auch beim Friseur erfahren, dürfte es zu spät sein…

Eines vorweg: Hätten wir ein vernünftiges Wirtschafts- und Finanzsystem, wie es etwa den beiden Bestsellerautoren Marc Friedrich und Matthias Weik vorschwebt, dann bräuchte niemand Gold, um sich damit vor staatlicher Willkür und Vermögensvernichtung zu schützen. Stattdessen leben wir in einer Zeit nie gesehener Wohlstandsvernichtung und Vermögensumverteilung. Dessen ungeachtet werden wohl noch einige Jahre ins Land gehen, bis die Menschen zu einer echten Geldsystemreform fähig und bereit sind.

Es werden turbulente Jahre, soviel kann man schon heute prognostizieren. Doch weil viele Zeitgenossen, darunter auch viele Finanzexperten, die Dramatik der aktuellen Lage völlig falsch einschätzen, wird das heute vielfach noch nicht erkannt. Gold könnte es in einem solchen Umfeld zu nie gesehener Popularität bringen.

Erste Anzeichen werden bereits sichtbar. So können Goldbesitzer neuerdings sogar Zinsen erhalten. Man stelle sich vor, welche Wellen ein solches Angebot noch schlagen könnte, wenn Papiergeld-Sparer über Negativzinsen enteignet werden.

Schon zur Jahrtausendwende hatten wir unser langfristiges Goldpreisziel mit rund 5.000 US-Dollar je Feinunze veranschlagt. Was bei Kursen im Bereich von 250 US-Dollar bei Diskussionen im Bekanntenkreis größtmögliche Heiterkeit auslöste, das regt heute kaum noch jemanden auf. Seither hat Gold alle wichtigen Anlageklassen hinter sich gelassen. Doch die Geschichte ist noch längst nicht zu Ende. Genau genommen fängt sie gerade erst an.

Denn dass auf Basis der aktuellen Entwicklungen noch ganz andere Preisziele denkbar sind, das zeigt der US-amerikanische Edelmetallexperte Gary Christenson in seinem Werk „Gold – 10.000 Dollar?“

Wie kommt Christenson darauf? Der studierte Physiker hat ein mathematisch-empirisches Goldmodell entwickelt, um auf der Basis von Staatsverschuldung, Geldmengenausweitung, Ölpreis, Aktienmarktentwicklung, Silberpreis und einigen anderen Indikatoren die wahrscheinliche Goldpreisentwicklung bis zum Jahr 2021 zu prognostizieren.

Hierin liegt auch die Stärke und Aussagekraft des Goldmodells: Es setzt den Goldpreis in direkte Relation zu anderen marktbestimmenden ökonomischen Größen wie dem Ölpreis oder dem Aktienmarkt und geht dabei davon aus, dass sich die wichtigsten makroökonomischen Variablen auch künftig so verhalten werden wie in den zurückliegenden vier Jahrzehnten. Daneben berücksichtigt das Modell den enorm wichtigen Faktor Zeit. 2021 ist übrigens exakt jenes Jahr, das auch im Leitartikel unserer Juni-Ausgabe eine bedeutende Rolle spielt. Das aber nur am Rande…

Mit anderen Worten: Anders als andere Autoren betreiben Christenson und sein Co-Autor Dr. Jürgen Müller, ebenfalls studierter Physiker, keine Kaffeesatzleserei, sondern halten sich an harte Fakten. Das Ergebnis ist verblüffend einfach zu verstehen. Und die Erfahrung zeigt, dass die einfachen Dinge oftmals am zuverlässigsten funktionieren, nicht nur an der Börse. Dies könnte auch auf Christensons Goldpreismodell zutreffen.

Goldpreis und Geldmenge WICHTIG

Sieht man sich etwa die folgende Abbildung an, wird man feststellen, dass die Entwicklung des Goldpreises (gelbe Linie) direkt mit der Geldmengenausweitung (rot) zusammenhängt. Vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen sind neue Rekordwerte beim Gold daher nur eine Frage der Zeit.

Buch Gold

Ausgeklammert haben die Autoren bei ihren Berechnungen „unvorhergesehene Katastrophen“ wie einen Schuldenkollaps in den Vereinigten Staaten oder eine Hyperinflation nach Weimarer Muster. Ereignisse dieser Art, so genannte „Schwarze Schwäne“ würden noch weit höhere Goldpreise erwarten lassen. Sehen Sie sich in diesem Zusammenhang auch einmal die Aktien der Deutschen Bank an. Aus nachvollziehbaren Gründen scheint man dort allmählich in Panik zu geraten. Für Silber errechnet sich nach dem Goldpreismodell in einem „normalen“ Umfeld übrigens ein Preisziel von rund 700 US-Dollar. Je Unze versteht sich…

Wer daher einige stichhaltige Argumente sucht, um für Diskussionen im Bekanntenkreis gewappnet zu sein, wenn es um die Frage geht, ob man überhaupt Gold (und Silber) besitzen sollte, und wie weit die Preise steigen könnten, der sollte dieses Buch gelesen haben. Die gerade beginnende Sommerpause (man werfe nur einen Blick auf den DAX) bietet sich hierfür an.

Wer bislang noch keine solchen Diskussionen erlebt hat, dem verraten wir heute: Sie werden kommen. Und wenn das Thema beim Friseur oder beim Bäcker an der Ecke diskutiert wird, wird es allmählich an der Zeit sein, die Goldparty zu verlassen…

Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

 

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5 Kommentare auf "Goldpreis: Eine „völlig verrückte“ Prognose…"

  1. FDominicus sagt:

    Es kann kein „vernünftiges “ Wirtschaftssystem mit Zentralbanken deren Zahlungsmittelhoheit und Mindestreserve geben. Punkt.

  2. Skyjumper sagt:

    Ob die Unze Gold nun 2.000,–, 5.000,– oder 10.000,- $ kostet ist eigentlich relativ egal. Entscheidend ist was dann ein Brötchen kostet. Kostet es immer noch so viel wie heute? Dann kann sich der Goldeigentümer beglückwünschen zu einem sehr guten Deal. Kostet das nackte Brötchen dagegen 15,- € hat er „nur“ (Teile) sein Vermögen bewahrt, und das wahrscheinlich im Gegensatz zur Masse.

    • FDominicus sagt:

      Stimmt es wird immer davon ausgegangen, daß er € nicht zu stark gegenüber Gold abwertet. Wenn aber heute von 5000 € / Unze geschrieben wird, wird wohl er heutige € Wert zu Grunde gelegt, dann wäre es ja ganz toll eine Vervierufachung, was könnte man sich als Goldliebhaber besseres wünschen?

    • Skyjumper sagt:

      @ FDominicus

      Oh ja, das wäre sicher ganz toll. Aber ganz ehrlich: Warum sollte Gold steigen? Letztlich laufen alle Begründungen die für einen steigenden GoldPREIS geliefert werden darauf hinaus das Gold eben nicht im Wert steigt, sondern dass die jeweilige Währung gegenüber Gold abwertet.

      Selbstverständlich kann es zu Übertreibungen kommen, selbstverständlich können andere Assetklassen aus Markt- und Liquiditätsgründen temporär im Preis deutlich fallen. Aber im wesentlichen wird es „nur“ auf das Hinauslaufen als was es ja auch meist angepriesen wird. Eine werterhaltene Anlage, nicht mehr. Die Träume vom plötzlichen Reichtum sollte man sich für den Nachtschlaf reservieren.

      Damit wäre man in unseren irrealen Zeiten aber auch schon verdammt gut bedient.

      • FDominicus sagt:

        „Oh ja, das wäre sicher ganz toll. Aber ganz ehrlich: Warum sollte Gold steigen? “
        Nun hier bietet sich die Inflation der Zentralbanken an. Es wird „Geld“ erzeugt wie nie zuvor in Friedenszeieten. Ergo werden einige Sachen in € bewertet steigen müssen. Die große Kunst ist es herauszufinden welche es sein könnten. Gold wäre eine Möglichkeit, genauso wie Immobilienpreise oder Preise für Gemälde, Autos was auch immer. Eher weniger steigen dürfen Sachen wir Milchpreise, egal wieviel Geld man drucken wird wollen.

        Ich schrieb ja auch es wird davon ausgegangen, daß man bei einem steigenden Preis in € für Gold einfach mehr für jedes gramm Gold wird kaufen können. Kann passieren – muß aber nicht.

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