Goldminenaktien sind heiß

9. März 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Manfred Gburek Im Lauf der Jahre habe ich mir angewöhnt, besonders die Aussagen solcher Anlageprofis zu hinterfragen, die mit neuen Ideen aufwarten oder deren Überlegungen sogar konträr zu meinen eigenen verlaufen – wobei dann allerdings immer noch viele Gemeinsamkeiten als Schnittmenge übrig bleiben…

So sagte mir vor einem Monat Ralf Borgsmüller, Partner der Vermögensverwaltung PSM in Grünwald, er halte bei deutschen Aktien zwei Szenarien für denkbar: Entweder einen Kursanstieg bis zum Frühsommer und danach einen heftigen Rückschlag, oder wir hätten die Höchstkurse schon im Januar gesehen. Inzwischen wissen wir, dass das zweite Szenario sich von selbst erledigt hat.

Am vergangenen Mittwoch zeichnete dann Heinz-Werner Rapp, Vorstand des breit aufgestellten Finanzunternehmens Feri aus Bad Homburg, ein überwiegend optimistisches Bild zu Aktien, nicht allein zu deutschen. Seine Begründung: Nach 13 Jahren Seitwärtsbewegung – im Trend, wenn auch unter erheblichen Schwankungen – sei die Zeit allmählich reif für einen Ausbruch der Kurse nach oben.

Nun wollen Sie wahrscheinlich wissen, was die beiden Anlagestrategen zur weiteren Entwicklung des Goldpreises zu sagen haben: Borgsmüller plädiert für zehn Prozent Gold im Portfolio, beobachtet jedoch penibel, wie sich dessen Preis in der unteren Unterstützungszone verhält. Demgegenüber meint Rapp, Gold habe als Geldanlage die beste Zeit hinter sich, wobei er dessen Funktion als Schutz vor irgendwelchen Finanzkatastrophen nicht in Frage stellt.

Zur Abrundung sei noch hinzugefügt, dass nach der US-Investmentbank Goldman Sachs auch die Konkurrentin Merrill Lynch ihre frühere optimistische Goldprognose nach unten revidiert hat. Ich erspare Ihnen hier die von den beiden Banken veröffentlichten alten wie neuen Preisziele und Begründungen. Stattdessen rate ich Ihnen, die von viel Tamtam in den Finanzmedien begleiteten Prognosen im Zweifel als Kontraindikatoren zu nutzen. Das gilt übrigens auch für entsprechende Prognosen europäischer Banken.

Will man ergründen, was hinter der aktuellen Entwicklung des Goldpreises und darüber hinaus auch hinter den Kursen von Minenaktien steckt, ist zusätzlich ein Nachschlagen bei den Interviews mit dem Geologen und Fondsmanager Joachim Berlenbach von großem Nutzen, wie zuletzt Anfang März in der Wirtschaftswoche. Dort hat er wieder seine plausiblen Thesen vertreten, denen zufolge die Kosten der Minen dramatisch gestiegen sind und nicht minder dramatische Konsequenzen nach sich ziehen.

Erst im Detail offenbart sich das ganze Kostendilemma: Gold aus dem Boden zu holen, wird immer teurer, weil

1. der Goldgehalt des Gesteins tendenziell stark abnimmt, weil…

2. die Kosten für Energie, Generatoren, Maschinen, Bohrgerät, Fahrzeuge usw. steigen, weil…

3. jede Mine irgendwann erschöpft ist, sodass neue Investitionen finanziert werden müssen, und weil…

4. solche Investitionen zunehmend auf Länder entfallen, deren Infrastruktur erst erstellt werden muss. Ähnliche Überlegungen gelten für Silber-, Kupfer- und sonstige Minen.

Laut Berlenbach belaufen sich die repräsentativen Gesamtkosten der Goldförderung führender Minen aktuell auf 1539 Dollar je Unze, und sie werden weiter steigen. Der Goldpreis liegt zurzeit leicht darüber. Bisher hat sich so manche Mine damit beholfen, Gold aus höhergradigen Lagerstätten zu fördern, um Kosten zu senken. Doch das dürfte nicht mehr lange gut gehen. (Seite 2)

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