Goldminen: Reparatur im laufenden Betrieb

19. August 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Bankhaus Rott 

In der Liga der schlechtesten Anlagen kletterte der Minensektor in den letzten Monaten auf einen Spitzenplatz. Entgegen vielen Vermutungen sind diese Verluste fundamental nicht allein auf die gesunkenen Edelmetallpreise zurückzuführen…

Neben klassischen Managementfehlern und Unfähigkeit zur Unternehmensführung haben Investoren auch offensichtliche Warnsignale ausgeblendet, wie etwa die massive Verwässerung des Aktienkapitals durch die ständige Ausgabe neuer Anteilsscheine und die ausufernde Nettoverschuldung.

Die Korrektur am Goldmarkt wird begleitet von einem wahren Schlachtfest im Minensektor. Obwohl das Ausmaß der Konsolidierung des Metallpreises angesichts des vorangegangen jahrelangen Anstiegs nicht sonderlich bemerkenswert ist, stoßen viele Bergbaufirmen schon jetzt auf existenzielle Probleme. Offenbar infiziert von der eigenen Propaganda schoben die Minen einen irrwitzigen Übernahme- und Investitionszug den Berg herauf. Dieser Zug, beladen mit Schulden und überbewerteten Assets hat die Richtung gewechselt und rollt den Großstrategen nun entgegen. Viele Firmen werden unter der Last der selbstverschuldeten Fehler zusammenbrechen.

produktivkapital

Während in 2012 vor allem die großen Förderer von Eisen- und Kupfererzen einen Teil der Fehler der Vorjahre aus den Bilanzen strichen, sind nun die Edelmetallminen an der Reihe. Dummerweise sind diese meist deutlich schwächer kapitalisiert. Die mehr als 200 Mrd. die von den Gold- und Silberminen für Übernahmen zu Fantasiepreisen ausgegeben worden,  müssen nun zum großen Teil abgeschrieben werden. Das wäre in vielen Fällen übrigens auch bei einem Goldpreis von $1.500 notwendig gewesen, da man schlicht massiv überzahlt hat.

Man könne es den ebay-Effekt nennen. Auf der Auktionsplattform soll ja schon so mancher 20-Euro-Ikea Gutschein für 25 Euro den Besitzer gewechselt haben. Da der normale ebay-Nutzer nicht den Titel CEO trägt, wird er für sein Handeln ausgelacht. Selbst wenn eine übernommene Mine natürlich nicht so exakt zu bewerten ist wie ein Gutschein, der einen Preis trägt, waren die bezahlten Preise teils dermaßen absurd, dass sich kein großer intellektueller Unterschied zwischen dem Entscheider und dem Auktionsteilnehmer ausmachen lässt.

Das Virus, das sich im Blut der Minenchefs ausbreitete, schaffte vor Jahren dann den Sprung in die Blutbahn vieler Anleger, die sich oft fix im Kopf oder aus dem Zettel ausrechneten, was mit den Minenaktien passieren würde, wenn der Goldpreis denn auf $5.000 stiege. Vergessen wurden neben temporär immer möglichen deutlichen Preisrückgängen auch die wirtschaftliche Lage vieler Firmen. In einer akuten Euphoriephase ist diese für die Kurse oft unerheblich. So wie in der Tech Blase alles stieg, was ein „.com“ im Namen trug und so die Solarwelle fast alle Solartitel nach oben spülte, so trieb es mit dem steigenden Goldpreis auch fast alle Minenkurse gen Norden. Wer sein Unternehmen wirklich ordentlich geführt hat, zeigt sich nun in den nächsten Quartalen… (Seite 2)

 

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2 Kommentare auf "Goldminen: Reparatur im laufenden Betrieb"

  1. crunchy sagt:

    … und, wann sind diese News in den Preisen drin?
    Sie sind bereits eskomptiert.
    Sollten die Goldpreise ihren Aufwärtstrend wieder aufgenommen haben, wovon ich ausgehe, wird man in 2 Jahren in ein tiefes Preistal zurückblicken.

    • Bankhaus Rott sagt:

      Hallo crunchy,

      nach einem durchaus bemerkenswerten Fall sind Erholungsbewegungen nichts außergewöhnliches. Bei vielen Minen sieht es jedoch so aus, als bestimme noch immer der Gedanke „geht der Rohstoff hoch, steigen die Minen umso deutlicher“ die Gedanken. Das gilt übrigens auch für die großen Erzförderer, deren fundamentale Situation weitaus schlechter ist als 2008/2009. Ob dies nun besser von den Markteilnehmern eingepreist wird als die Situation vor einem Jahr wird sich zeigen.

      Noch vor den massiven Abschreibungen sind die negativen freien Cash Flows derzeit oft das drängendste Problem. Die albernen Kostenangaben der Betreiber sollte man daher nicht allzu ernst nehmen, sie unterzeichnen die realen Kosten meist sehr deutlich. Das gleiche gilt für die Bewertung der Reserven, die man mit einer guten Portion Höflichkeit etwa im Vergleich zu Ölunternehmen nur als überaus ambitioniert bezeichnen kann.

      Am Bondmarkt zahlen die Firmen derzeit hohe Risikoprämien, falls sie sich überhaupt finanzieren können. Auch die oft gefeierte Finanzierung über Aktien hat bekanntermaßen den Nachteil der Verwässerung. Diesbezüglich müssen sich viele Minen auch vor der Coba nicht verstecken. Um die alten Kurshöhen wieder zu erreichen, müssten die Firmen deutlich höhere Kapitalisierungen erreichen als dies seinerzeit der Fall war.

      Aber immerhin hilft der suvivorship bias. Bei den Firmen die hops gehen, schaut in ein paar Jahren ja niemand mehr hin 🙂

      Beste Grüße
      Bankhaus Rott

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