Goldige Gedanken über den Tag hinaus

18. September 2009 | Kategorie: Kommentare

von Manfred Gburek

Rätselraten während der jüngsten Goldkonferenz in Denver um den US-Konzern Newmont: Was hat er mit seinen neuen Notes im beachtlichen Volumen von 2 Mrd. Dollar vor? Wird er damit neue Projekte finanzieren? Oder will er einen Konkurrenten kaufen? Etwa einen großen? Die Debatte um diese Fragen folgt fast nahtlos dem Rätselraten um das Timing, das der kanadische Konkurrent Barrick für die Ankündigung seines Ausstiegs aus den mysteriösen früheren Absicherungsgeschäften gewählt hat…

Um es gleich klar zu kommentieren: Bis auf Weiteres wird es beim Rätselraten bleiben, weil beide Konzerne sich längst noch nicht entschieden haben, wie sie weiter verfahren sollen – was vor allem von den Erwartungen zur Entwicklung des Goldpreises in den nächsten Jahren abhängt.

Der Spekulation sind also Tür und Tor geöffnet, und das ist gut so. Man denke nur an das schon vor zwei Jahren kursierende Gerücht, Newmont und Barrick wollten zu einem Konzern verschmelzen. Allzu weit hergeholt sind solche Überlegungen ja nicht, denn die Goldbranche ist nach wie vor extrem zersplittert. Würde sie sich auf wenige große Anbieter konzentrieren, wie das bei den breit diversifizierten Rohstoffkonzernen mit BHP, Rio Tinto u.a. der Fall ist, könnte sie den Goldpreis viel besser selbst beeinflussen als jetzt, da sie immer noch ein so genannter Price Taker ist, also eine passive Rolle einnimmt.

Insofern ist positiv zu werten, dass mit SPDR Gold Trust ein beachtlicher Mitspieler am Goldmarkt aufgetaucht und dass sogar die früher in den Tiefschlaf versunkene Lobbyorganisation World Gold Council erwacht ist. Der SPDR hat zeitweise den starken Rückgang der Schmucknachfrage kompensiert und wird es in Zyklen auch weiter tun. Da alle Statistiken, nicht zuletzt die von Profis vielfach genutzten aus dem Analysehaus Gold Fields Mineral Services, Schätzungen enthalten, dürfte diesbezüglich ebenfalls die Spekulation blühen. Und wenn der Dollar mal wieder – anders als in den schwachen vergangenen Wochen – vorübergehend Stärke im Vergleich zum Euro zeigt, wird Gold halt aus seiner Rolle als Anti-Dollar schlüpfen, einmal mehr als Anti-Krisenmetall reüssieren und Silber mit nach oben ziehen.

Ich schreibe Ihnen das alles nicht etwa als unverbesserlicher Goldfanatiker, sondern als langjähriger Marktbeobachter, der sich immer wieder fragt: Wo sind zurzeit die Alternativen zu den beiden Edelmetallen? Ok, Aktien aus Dax, Stoxx, Dow Jones usw. sind kräftig gestiegen und haben damit scheinbar die Konjunkturwende vorweggenommen. Doch schon da stellt sich die Frage, was man von einer solchen Wende halten soll, wenn die Arbeitslosenzahlen demnächst explodieren und im Extremfall aus einzelnen Gewalttätern wie in Winnenden, München-Solln oder Ansbach womöglich schon bald ein der staatlichen Kontrolle entgleitender Mob wird. In den USA – und nicht nur dort – kommt es ja schon längst immer wieder zu Gewaltausbrüchen, deren Ursachen sich vielfach auf einen Faktor zurückführen lassen: die Schere zwischen Arm und Reich.

Die Schere ist inzwischen auch in Deutschland weit auseinander gegangen, sodass die Neiddiskussion um Managergehälter und das Dreschen von Parolen zur Reichensteuer nur allzu konsequent sind. Wenn SPD-Kandidat Steinmeier jetzt wieder punktet, hat er das zum Teil sicher der Neiddiskussion zu verdanken, zu einem größeren Teil jedoch der Tatsache, dass die Mehrheit der Deutschen sich offenbar ein kuscheliges soziales Netz wünscht. Aber woher das Geld dafür nehmen und nicht stehlen? So viel ist sicher: Die nächste Bundesregierung steht diesbezüglich erst einmal vor einer unlösbaren Aufgabe, denn die im nächsten Jahr zu erwartende Fortsetzung der Wirtschaftskrise wird alle Haushaltspläne über den Haufen werfen. Beim jetzt kurz vor der Bundestagswahl anstehenden G20-Gipfel in Pittsburgh wird Kanzlerin Merkel ihrerseits zu punkten versuchen, doch die dort diskutierten globalen Themen werden den deutschen Mann (und die Frau) auf der Straße viel weniger interessieren als die Frage, wie er seine Familie ernähren und die Miete für die Wohnung aufbringen soll.

Von daher gesehen ist der bisherige Dax-Anstieg eigentlich ein Witz, weil er nur Hoffnungen auf eine konjunkturelle Erholung vorwegnimmt, nicht dagegen, was danach droht. Indes, die am Markt zirkulierende Liquidität lässt die Börsianer weiter spielen, die Banker vorneweg – auch ein Witz, ein ganz bitterer sogar, denn sie nehmen ihre Pflicht zur Versorgung der Unternehmen mit Krediten viel zu wenig wahr, und wenn, dann zu abenteuerlichen Konditionen. Dazu nur zwei Beispiele, die ich in den vergangenen Tagen aufgeschnappt habe: Ein Unternehmer sollte auch mit seinem ganzen Privatvermögen ins Obligo gehen, um überhaupt die Chance auf einen Kredit zu bekommen. Ein anderer sollte für den Umbau seiner kleinen Fabrik mindestens 50 Prozent Eigenkapital nachweisen, und wenn er das könnte, müsste er auf die Kreditzinsen einen Liquiditätszuschlag (eine neue Abzocke) zahlen.

Wenn die Börsenspieler weiter im Geschäft bleiben wollen, nachdem Dax, Stoxx, Dow Jones & Co. nicht mehr so viel wie bisher hergeben, und wenn das Kreditgeschäft wie zu erwarten weiter mau bleibt, werden sie neues Spekulationsterrain erschließen. Dazu höre ich von ihrer Seite in letzter Zeit immer wieder das folgende Argument: Sachwerte, weil Inflation droht. Die meisten von ihnen setzen Sachwerte mit Immobilien gleich. Doch weil die Inflation noch nicht um die Ecke lauert, sondern sich wegen der Wirtschaftskrise noch einige Zeit lassen wird (um später umso heftiger zu explodieren), erscheint das Sachwertargument im Hinblick auf Immobilien verfrüht. Anders dagegen im Hinblick auf Gold und Silber, weil es sich bei ihnen nicht nur um Inflationsprofiteure, sondern auch um Anti-Krisen-Metalle handelt. Damit schließt sich der Kreis zu Newmont und Barrick, deren Aktienkurse im Vergleich zu Kinross, Goldcorp, Silver Wheaton, Hecla u.a .zwar eher langweilig sind, deren Manager aber dafür sorgen werden, dass an den Edelmetallmärkten immer wieder neue Preisphantasie aufkommt.

Manfred Gburek, 18. September 2009

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