Goldhausse noch nicht abgeschlossen

25. Mai 2013 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit – Der Verkaufsdruck im Goldmarkt geht vor allem von institutionellen Investoren aus – wie der Rückgang der Goldbestände bei den Exchange Trade Funds (ETFs) anzeigt. Für den Gesamtmarkt ist das kurzfristig natürlich belastend, längerfristig dürfte sich das aber als positiv erweisen…

Der Preisrückgang dürfte die Goldnachfrage in den aufstrebenden und künftig reiche(re)n Volkswirtschaften (Indien und der asiatische Raum) beflügeln: Gold wandert nun verstärkt in die Hände von Anlegern, die dem Gold eine große und dauerhafte Rolle bei ihrer Ersparnisbildung zuweisen.

p-9Der Rückgang des Goldpreises sollte zudem auch zu einem Rückgang der Goldexploration und –förderung führen und so das physische Angebot verknappen. Steigende Förderkosten würden diese Entwicklung verstärken. Zusätzlich dazu sollte auch das Angebot von recyceltem Gold zurückgehen: Ein niedriger Goldpreis senkt die Gewinne, die aus der Wiederverwendung des gelben Metalls zu erzielen sind. Dies sollte den Goldpreis stützen.

Zentralbanken dürften bei niedrigen Goldpreisen wieder verstärkt als Käufer auftreten. Da sie in der Regel langfristige „Buy and Hold“-Käufer sind, sollten erhebliche Bestände in den Zentralbankkellern verschwinden. Die für Investoren zentrale Frage ist derzeit jedoch: Liegt der aktuelle Marktpreis des Goldes über oder unter seinem (intrinsischen) Wert? Diese Frage lässt sich, und das sollte betont werden, nicht zweifelsfrei oder „objektiv“ beantworten.

Ein Ansatz, die „Angemessenheit“ des Goldpreises abzuschätzen, ist der Folgende. In einem ersten Schritt kann der Goldpreis bestimmt werden, der sichergeben würde, wenn die Zentralbank die ausstehende Papiergeldmenge zu einhundert Prozent mit ihren eigenen Goldbeständen deckt.

In den Vereinigten Staaten von Amerika zum Beispiel würde sich dabei ein Goldpreis errechnen, der weit oberhalb des aktuellen Marktpreises liegt (siehe nachstehende Grafik) – ein Ergebnis, dass nun aber zu modifizieren ist.

lp-6
Es gilt nämlich zu beachten, dass es selbst in Zeiten des „Goldstandards“ in der Regel keine 100-Prozent-Deckung des Geldes durch Gold gab; die offizielle Golddeckung lag in der Regel deutlich unter einhundert Prozent… (Seite 2)

 

Seiten: 1 2

Schlagworte: , , , ,

4 Kommentare auf "Goldhausse noch nicht abgeschlossen"

  1. subwave sagt:

    …ich möchte eigentlich fast bezweifeln ob die Beschreibung Gold-Hausse, selbst bei dem Anstieg in den letzten Jahren, wirklich berechtigt ist bzw. zutrifft. Wenn man die wirklichen ALL-IN-Sustaining Costs selbst großer Produzenten anschaut, liegen die mittlerweile (bei weiter deutlich ansteigender Tendenz) bei 1200-1300 US. Eigentlich hat der gestiegene Goldpreis nur die wirklichen und jetzt nicht mehr verschleierten Produktionskosten zum Ausdruck gebracht. Dies ist wohl auch der Grund, warum die Goldminenbewertungen in den letzten Jahren dem Goldpreis so massiv hinterhergelaufen sind.

    „Some fund managers say they welcome a new concept unrolled by major gold producers during their most recent round of earnings reports in which companies are releasing a new cost metric named “all-in sustaining cash costs”

    http://www.forbes.com/sites/kitconews/2013/03/04/focus-some-fund-managers-like-new-all-in-gold-miner-cost-metrics-others-say-more-is-needed/

    „He said calculations at U.S. Global Investors of 60 different gold companies estimate the 2013 average cost to mine at $1,391, which is higher than what most of the individual senior gold companies are projecting“

    Herzlicher Gruss sub

    PS. Die bisher angegebenen reinen Cash-cost waren einer der größten „Lügen“ der Branche (und ich komme aus dieser) und dies gilt nicht nur für Gold- und Silberproduzenten.

  2. cubus53 sagt:

    Es wird immer noch versucht, den Wert einer Sache (Rohstoffe, Aktien usw.) fundamental zu bewerten. Man setzt z.B. verschiedene Dinge in Statistiken nebeneinander und versucht daraus zu folgern, eine bestimmte Sache sei gerade zu billig oder zu teuer.

    Dieser Ansatz ist heute nicht mehr anwendbar. Der Grund ist folgender. Heute kann man über diverse Papiere Wetten abschliessen, ob der Geldwert einer Sache fallen oder steigen wird.

    Eine Siemens-Aktie z.B. gibt es nur einmal, aber man kann auf diese eine Aktie eine Million Wetten abschliessen, ob diese Aktie fallen oder steigen wird. Das ist fatal. Denn die Teilnehmer der Wette haben Einfluss auf den Wert der Siemens-Aktie allein aufgrund der Aussage der Wette, aber nicht aufgrund von fundamentalen Daten der Firma Siemens.

    Eine weitere Verzerrung kommt durch das Wettbüro (die Bank) zustande. Wenn alle auf einen steigenden Wert wetten, wird die Bank versuchen, den Wert der Aktie nach unten zu drücken. Auch das hat mit einer fundamentalen Bewertung nichts mehr zu tun.

    Aus diesem Grund sind alle Versuche, den fairen Wert einer Sache festzulegen, interessant zu lesen, aber für den Anleger sinnlos, weil der Geldwert einer Sache von der Gier der Trader bestimmt wird und nicht mehr vom „gesunden“ Menschenverstand.

  3. subwave sagt:

    Cubus…die Entwicklung die du schilderst ist sicher richtig hinsichtlich der Eingeschränktheit „fundamentaler Bewertung bzw. Schlussfolgerungen“. Insbesondere bei Aktienwerten alla Siemens wo Bilanzen und Buchwerte auch sehr weit interpretierbar sind.
    Wenn es jedoch um Rohstoffe geht, kann der Markt sicher auch länger irrational sein, als man selber liquide ist. Aber auf längere Dauer kann ein Produkt Rohstoff solange er nachgefragt wird, nicht unter den Produktionskosten liegen. Das wird auch ein gesteuerter „Markt“ oder Trader nicht aufhalten können. Insbesondere wenn dann auch noch im Raum steht, dass ca. hundermal mehr Papiergold „getraded“ wird als physisches Material verfügbar ist.

  4. Chris sagt:

    Sehr geehrter Herr Prof. Polleit

    Vielen Dank für Ihre Aufbereitung, mit der ich grundsätzlich konform gehe.

    Nur die Förderkosten scheinen mir etwas zu nah am aktuellen Goldpreis zu liegen.

    Könnten Sie kurz Stellung zu dieser Studie nehmen?

    http://www.be24.at/blog/entry/685663/ueberraschende-entwicklung-bei-den-foerderkosten/fullstory/

    Danke
    Chris

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.