Goldgeld: besser als „Fiat“-Geld

6. Juni 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Dauerhaft können die Zentralbanken Kreditausfall- und Inflationssorgen nicht gleichermaßen unterdrücken. Es gibt unterschiedliche Auffassungen darüber, was Gold eigentlich ist. Für die einen ist es ein Vermögensgut, ein Sachwert, für die anderen ein Rohstoff für Industrie- und Schmuckzwecke…

Unbestritten dürfte jedoch vor allem eines sein: Gold ist das ultimative Zahlungsmittel.

Seit Jahrtausenden dient Gold als Geld, und vermutlich ist das Gold das beste Geld, das die Menschheit bisher hatte. Gold wird immer akzeptiert, auch in solchen Extremphasen, in denen das heutige ungedeckte Geld (das „Fiat“-Geld) absehbar nicht mehr als Geld akzeptiert werden würde.

Akzeptiert man diese Einschätzung, so lassen sich einige wertbestimmende Faktoren für das Gold – und natürlich auch für das ungedeckte Geld (das „Fiat“-Geld) – aufführen und ihre Wirkung benennen.

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Steigt die Inflation (für alle offensichtlich), so steigt die Goldnachfrage und auch (ceteris paribus) der Goldpreis, während die Nachfrage nach ungedecktem Geld abnehmen sollte, weil es durch Inflation entwertet wird. Steigen die Zinsen oder die Aktienkurse, sollten die Goldnachfrage und der Goldpreis fallen, weil die Kosten der Goldhaltung zunehmen. Aus gleichen
Gründen sollte dann auch die Nachfrage nach ungedecktem Geld absinken.

Wächst die Wirtschaft, so dürfte das ebenfalls für eine steigende Goldnachfrage und einen zunehmenden Goldpreis sprechen; und auch die Nachfrage nach ungedecktem Geld zu Transaktionszwecken dürfte steigen. Wenn die Kreditausfallrisiken zunehmen, sollten die Goldnachfrage und der Goldpreis zulegen – schließlich ist Gold nicht nur ein Schutz vor Geldentwertung, sondern schützt auch vor Zahlungsausfällen. Mit diesen Überlegungen lässt sich die jüngste Preisentwicklung des Goldes vielleicht besser verstehen.



Erklärungsfaktoren

Seit Anfang 2013 steigen die kurzfristigen US-Zinsen. Die Marktakteure erwarten also, dass die US-Zentralbank die Zinsen erhöhen wird. Diese Entwicklung hat den Goldpreis gedämpft.

Polleit-2015-06-05-2Gegen Ende 2012 hat die US-Zentralbank ihr Anleiheaufkaufprogramm und die Geldmengenvermehrung noch einmal verlängert. Hätte das nicht zu Inflation und damit zu einem steigenden Goldpreis führen müssen?

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Das neue Geld wurde dem Bankensektor zugeführt, um ihn zahlungsfähig zu halten. Gleichzeitig ließ die US-Zentralbank die Kurzfristzinsen ansteigen – und der Zinseffekt erwies sich als „durchschlagend(er)“ auf den Goldpreis. Außerdem beförderte die US-Geldpolitik ein Ansteigen der Aktienkurse – und schmälerte auch dadurch die Goldnachfrage und den Goldpreis. Aktien erschienen für viele Investoren „attraktiver“ als das Halten von Gold. Bis Ende 2012 hatten vor allem auch die steigenden Kreditausfallsorgen in den Finanzmärkten den Goldpreis in die Höhe getrieben: Gold ist nicht nur eine Versicherung gegen Inflation, sondern auch gegen Zahlungsausfälle.

Nachdem die US-Zentralbank Ende 2012 aber ankündigt hatte, sie wolle ihre Anleihekäufe fortsetzen, wurde den Finanzmarktakteuren klar, dass es keine politisch ungewollten Zahlungsausfälle mehr geben wird.

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Die Versicherungsprämie, die sich im Goldpreis aufgebaut hatte, schwand, und mit ihr sank auch der Goldpreis. Den Zentralbanken ist es in der Tat gelungen, die Kreditausfallsorgen erfolgreich einzuschläfern.

Kreditausfälle verhindern, Inflationssorgen einschläfern

Und nicht nur das. Sie waren auch erfolgreich darin, gleichzeitig die Inflationssorgen der Marktakteure zu zerstreuen beziehungsweise gar nicht erst aufkeimen zu lassen; etwa indem allenthalben vor Deflation gewarnt wurde. Doch auf Dauer wird es den Zentralbank-Räten aber wohl nicht gelingen, in den Finanzmärkten die Kreditausfallsorgen und zugleich auch die Inflationssorgen gleichermaßen zu unterdrücken.

Für den Fortbestand des internationalen Schuldgeldsystems wäre es besonders gefährlich, sollten die Kreditausfallsorgen wiederkehren. Eine solche Entwicklung können und werden Zentralbanken und Regierungen nicht zulassen. Die Zentralbanken müssen daher mit ihren bisherigen Maßnahmen fortfahren: Die Zinsen auf niedrigen Niveaus halten und dafür Sorge tragen, dass die Kredit- und Geldmengen weiter anwachsen.

Dass die Inflationssorgen dadurch früher oder später ansteigen werden – eben weil immer mehr Geld in Umlauf gebracht werden muss, um offene Rechnungen zu bezahlen –, ist absehbar. Eine Geldpolitik, die die elektronische Notenpresse zur Finanzierung der Schuldenberge einsetzt, setzt die Kaufkraft des Geldes herab. Die Erfahrung hat gezeigt, dass das Goldgeld gegen diesen Wertverlust schützt. Auf Goldgeld ist Verlass, nicht aber auf Euro, US-Dollar und andere ungedeckte Währungen.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

 

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11 Kommentare auf "Goldgeld: besser als „Fiat“-Geld"

  1. tm sagt:

    War nicht als Geldmengenaggregat früher mal M3 üblich? Komischerweise nimmt das von den Goldbugs und Inflationistas niemand mehr – dann würde die ganze Argumentation nicht mehr passen. Also sucht man sich irgendeine bisher völlig unbeachtete Größe, die aber halbwegs passt, um die eigenen Aussagen zu untermauern.

    Und welche Inflationssorgen? In der Eurozone haben wir doch unbestritten hohe Arbeitslosigkeit, schwaches Wachstum und unterausgelastete Kapazitäten. Dazu ein rückläufiges Kreditvolumen und historisch niedriges Geldmengenwachstum. Wo soll da Inflation herkommen?

    • Ashraf sagt:

      Importiert, durch eine abgewertete Währung um die angesprochenen Probleme zu „lösen“?

    • fred sagt:

      nein, m3 ist nicht inflationswirksam. relevant für den cpi sind m0, m1 und allenfalls m2. mit goldstandard wachsen diese nachweislich langsamer als mit fiat geld, deshalb war auch die inflation nachweislich tiefer als mit fiat.

      preisinflation haben wird derzeit nicht im consumer bereich, da kommt das geld ja kaum hin. sehr wohl aber im aktien und im immobilienbereich. dort wird es auch krachen.

      • Insasse sagt:

        @fred:

        Immobilien zur Selbstnutzung sind entgegen der verkaufsfördernden Argumentation von Banken und Politik einerseits sowie der landläufigen Vorstellung der entsprechenden Käufer andererseits keine Investition, sondern Konsum. Preiserhöhungen in diesem Bereich treffen dementsprechend (auch) den Consumerbereich. Ebenso steigen die Preise für Lebensmittel seit einiger Zeit kräftig (übrigens ein Konsumbereich, der in vielen Haushalten den Großteil des Einkommens „auffrist“). Ihre Aussage, dass im Consumerbereich keine Teuerung stattfindet, kann daher so pauschal keinen Bestand haben.

        • fred sagt:

          @insasse: immobilienpreise werden im CPI nicht berücksichtigt. Lebensmittelpreise steigen offensichtlich nicht kräftig genug (wenn überhaupt), um den CPI merklich zu erhöhen. Danke.

      • tm sagt:

        nun ja, früher war M3 mal die Standardgröße – kaum passt die nicht wird auf andere ausgewichen. Genau das ist ja einer der Vorwürfe, die ich erhebe.

        Und Inflation bei Aktien? Die Kurse stehen kaum höher als im Jahr 2000. Die KGVs und Dividendenrenditen liegen alle im historisch normalem Bereich. Wo sehen Sie denn a die Übertreibung?

        Und weshalb sollte ein noch niedrigeres Wachstum der Aggregate angestrebt werden?

        • fred sagt:

          m3 war nie standardgrösse, da es langfristige verbindlichkeiten enthält, die nicht inflationswirksam sind. m3 enthält natürlich auch die kurzfristigeren geldmengen und korreliert deshalb oft mit der inflation.

          die p/e ratios der sp500 aktien befinden sich auf dem höchststand der letzten 40 jahre, tech bubble ausgenommen. der einzige echte käufer ist die fed. ohne qe hätte es längst gekracht. die korrelation zwischen dow jones und fed balance sheet ist bei über 90%….

          • tm sagt:

            Schön wie nun geleugnet wird. Es wurde früher nie eine andere Geldmenge als M3 erwähnt, die starke Anstieg von M3 vor 2007 wurde gerade von den Goldjüngern immer wieder als Inflationszeichen gewertet.

            KGV auf Höchststand?? Das stimmt doch einfach nicht. Das KGV des S&P liegt bei 18,349, die Dividendenrendite bei 2,01 (Daten von jetzt aktuell aus Bloomberg). Der Mittelwert seit 1954 liegt bei 16,4. Und die Fed kauft überhaupt keine Aktien. Wo haben Sie diese ganzen falschen Infos her?

  2. Jürgen sagt:

    @tm: M1 +10% und M3 +4,6% im März, sind ja nicht gerade niedrige Wachstumsraten. Und das die Tendenz steigend ist, kann man hier nachschauen;
    http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Downloads/Veroeffentlichungen/Monatsberichte/2015/2015_05_monatsbericht.pdf?__blob=publicationFile
    Führt u.U. nicht gleich zu steigenden Verbraucherpreisen, vor allem wenn die Umlaufgeschwindigkeit abnimmt. Aber an den Aktien-, Anleihen- und Immobilienmärkten steigen die Preise ja schon ganz beachtlich.

    • tm sagt:

      4,6% sind ein niedriges Wachstum und schauen Sie sich doch mal die Zahlen seit Herbst 2008 an, seit Lehman: 1,8% pro Jahr durchschnittliches Wachstum vom M3.

      Legen wir doch mal die Quantitätstheorie zugrunde: 2% Zielinflation, 1,5% – 2,5% Potenzialwachstum, -1% Umlaufgeschwindigkeit => Geldmengenwachstum sollte also zwischen 4,5% und 5,5% liegen.

  3. samy sagt:

    Aloha miteinander,

    und damit Gold auch besser bleibt, hier ein kleines Aufklärungsvideo bzgl. guter Fälschungen von Unzenmünzen.

    https://www.youtube.com/watch?v=-jy-_HnjroY

    Weil hier ein renommierter Goldhändler (Tim Schieferstein) den Fälschungen seinen Respekt zollt, sollte man das früher oder später ernst nehmen.

    Ich hätte mir nur gewünscht, er geht auf die unterschiedlichen Klänge von Wolfram und Gold ein. Gold ist weich und klingt dumpf und Wolfram ist hart und klingt heller. Theoretisch jedenfalls. Vielleicht frage ich einmal nach.

    VG

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