Goldener Oktober und/oder Heißer Herbst?

15. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Man glaubt es ja nicht – die Notierungen für Gold und Silber bewegen sich, und diesmal nach oben. Keine Sorge, das ist nur vorübergehend, sagen Experten. Bei manchen Gold – und Silberbugs keimt sogar wieder mal Hoffnung auf. Ist diesmal alles anders als in den letzten fünf Jahren der Baisse?

Hoppla, Frau Yellen! Da fliegen aber gerade ihre Zinswende-Kollegen als Zins-Tauben vor den Mikrofonen herum. Jedes Mal, wenn sie ein Häufchen oder Klecks hinterlassen, klettern die Gold – und Silberpreise, weil der Dollar fällt. Das kann doch keine Absicht sein! Oder ist es sogar Not, aus diesem Kokolores einer Zinswende herauszukommen? Wenn ja, dann ziemlich spät und irgendwie peinlich, aber lustig, wie ich finde. Was die FED sagt und was sie tut, sind ganz verschiedene Dinge. Es sind eben Geld-Politiker, also Politiker. Ich bleibe dabei, eher kommt eine neue Gelddruckorgie statt einer Zinswende.

Bislang konnten die Worte noch ganze Kursberge versetzten. Fast hätte es sogar geklappt, dass sie den Rhein den Berg hoch fließen und die Sonne im Westen aufgehen lassen. Ich bezweifle keinesfalls, dass das einer Notenbank gelingt. Auch die EZB hat mehrfach angekündigt, weiteres Geld zu drucken – koste es was es wolle. Wobei Gelddrucken kostet nichts, es macht aber auch nicht reich – und wenn, dann die Falschen.

Währungskrieg reloaded

Wir werden sehen, wie die Währungen gegenüber dem Gold weiter abwerten, wenn auch nicht sofort, sondern so stark, dass es der Öffentlichkeit entgeht. Diese vergleicht ja den Euro gut trainiert mit dem US-Dollar – als ob man Yellen mit Draghi vergleicht. Beides sind Mogelpackungen. Also grün bedrucktes Papier und andere bunte Blüten. Eine schöne Illusion und so lange so schön, so lange man sie glaubt.

Auch wenn der US-Dollar in letzter Zeit ausgewertet hat, Bestand hatte so etwas nur kurz – außer man setzt die Zinsen wirklich hoch, also auf ein paar Prozent. Na viel Spaß! Nicht nur die Amerikaner benötigen einen schwindsüchtigen Dollar. Die Europäer wollen einen schwachen Euro, obwohl der gerade wieder steigt. Die Japaner wollen einen schwachen Yen. Langfristig wird er sogar unsichtbar. Auch die Schweizer möchten einen schwachen Franken, wie die Briten ein schwaches Pfund – wobei es seit seiner Geburt meistens auf Diät gesetzt war und eigentlich Gramm heißen müsste. Wer schneller druckt, könnte schneller an Gewicht verlieren. Nur zu!

Willkommen in der nächsten Runde im Währungskrieg. Wenn jede Währung gegenüber der anderen mehr oder weniger schnell abwertet, dann wird eine andere Währung aufwerten. Haben Sie eine Idee? Ich vermute, das wird nicht nur Gold sein, sondern später auch die alltäglichen Dinge, für die man immer mehr an breitgeklopften Währung berappen muss. Aber so sicher ist das nicht, heißt es. Vielleicht ist es sogar todsicher bzw. tödlich. Zumindest war es früher so, auch wenn es so direkt niemand sagen wird.

Der Euro hat gegenüber dem Gold in diesem Jahr um sechs Prozent abgewertet, gegenüber dem Silber um neun Prozent. Dabei haben die Experten so um die Nikolaus-Zeit doch den Tod der Edelmetalle vorhergesagt. Das Jahr nannten sie aber nicht. Sie brauchen offenbar genügend Spielraum für die Korrektur ihrer Korrekturen.

Ach ja, da gibt es ja gigantisches Desinteresses an Edelmetallen und deshalb wohl seit einigen Wochen Lieferengpässe bei Silbermünzen. Ob in den USA, Australien oder der Royal Canadian Mint. Irgendeiner kauft. Komisch. Bestimmt nur Idioten, aber vielleicht sogar smarte…

Während die einen auf eine abgeschlossene Bodenbildung bei den Edelmetallen warten, schaue ich mit Sorge auf das, was sich in der Politik und Gesellschaft tut. Sollte sich die Lage geopolitisch weiter zuspitzen und die Leute wegen der verfehlten Politik hierzulande unruhig werden, dann ist die Preisentwicklung auf dem Gold – und Silbermarkt nebensächlich. Dann kommt es darauf an, was man hat. Und was nicht.

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