Gold – Der Kampf um Krümel

18. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Spiegel-Online berichtet heute von einem Ausnahmezustand am Goldmarkt. Während der Goldpreis in New York seit Wochen seltsame Bewegungen vollzieht und vor allem bei gold-positiven Meldungen fällt wie ein Stein, sind die Edelmetallhändler nahezu ausverkauft. Das gab es noch nie. Es scheint, als tobt hier gerade ein Verteilungskampf um die letzten Krümel. Gold ist im Gegensatz zu den Milliarden an täglichen neuen Dollar und Euro noch nicht druckbar – die Papierversprechungen auf dieses Metall schon.

Was sind schon Versprechen in diesen Zeiten. Vielleicht entspringen ja bald schon den Zauberhüten der Notenbanker noch so manche Goldbarren. Wundern würde es ja nicht. Doch noch mehr verwundert aber, dass gerade in diesen Zeiten, in der mehr und mehr Menschen Sorge um ihr liebes Geld haben, die Edelmetalle nicht auf die Beine kommen, obwohl der physische Markt leergeräumt und fast ausgetrocknet scheint. Proaurum in München schreibt im täglichen Kommentar:

Wegen der extrem hohen Nachfrage kommt es bei einigen Gattungen zu Lieferzeiten von bis zu 4 Wochen. Dies gilt für Neubestellungen. Bereits bestätigte Aufträge unterliegen eine Lieferzeit von 2-3 Wochen. Dies betrifft aktuell Goldbarren ab 50 Gramm, Silberbarren 1.000 Gramm und wenigen Artikeln im Gold- und Silbermünzenbereich. Bitte haben Sie Verständnis, dass die Produzenten nicht mehr mit der Herstellung der Barren und Münzen Schritt halten können.

Martin Siegel von Westgold berichtet nichts anderes.

Vor dem Hintergrund der ausverkauften physischen Märkte sind die Kursentwicklungen beim Gold und Silber geradezu widersinnig. Versuchen Sie es selbst und fragen einmal bei einer x-beliebigen Bank nach Goldmünzen nach. Nur in den seltensten Fällen dürften Sie welche bekommen. Falls Ihnen welche angeboten werden, vergleichen Sie den Preis mit dem aktuellen Goldpreis, der bei etwa 623 Euro/oz liegt. Noch vor wenigen Wochen lagen die Aufpreise für den Kunden bei etwa 3-4%, also bei etwa 645 Euro/oz. Heute dürften Sie deutschlandweit keine Münze mehr unter 660 $/oz bekommen können. Wo liegt also der Goldpreis?

Noch grotesker ist die Situation im Silberbereich. Ob der Silberpreis steigt oder fällt. Es ändert sich nichts an der aktuellen Situation – es gibt einfach kein Silver mehr. Unsere Firma Westgold erreichte am Montag eine Lieferung 1 oz Maple Leaf, die sonst für etwa 1 Woche gereicht hätte. Obwohl der Verkaufspreis mit 13 Euro/oz (aktueller Silberpreis 13 $/oz) einen deutlichen Aufpreis hatte, waren die Münzen innerhalb von 2 Stunden ausverkauft. Der Markt ist leer und die Nachfrage ist groß. Neuware ist teilweise überhaupt nicht (US-Eagle) nur mit Lieferfristen von 3 Monaten (Maple Leaf) zu erhalten. Wo liegt also der Silberpreis?

Es zeichnet sich eine weitere Spaltung des Marktes ab. Während sich die Gold- und Silberpreise für physische Ware bereits jetzt deutlich von den „Witzpreisen“ an den Papiermärkten abgekoppelt haben, wird es bei einer anhaltend hohen Nachfrage nach physischer Ware zu Aufpreisen für sofort lieferbare Ware kommen. Diese Situation (Backwardation) konnte vor einigen Jahren bei den Basismetallen beobachtet werden und hat beispielsweise beim Nickel zu einer Verzehnfachung des Preises geführt.

Je düsterer die Lage, desto niedriger die Kurse. Die Financial Times berichtet aus London von einer Investorennachfrage nach physischem Gold, die so hoch sei wie nie zuvor. Vor allem die betuchteren Anleger steuern den sicheren Hafen jetzt an. Sie werden wohl wissen warum.

Jeremy Charles, Vorsitzender der LBMA, sagte, dass er einen solchen Ansturm auf physische Goldanlagen in seiner 33jährigen Karriere noch nicht erlebt hat. Die Goldraffinerien kämen mit der Produktion von Goldbarren nicht mehr hinterher. Philip Clewes-Garner von HSBC fügte hinzu, dass dieser Run auf Gold nicht nur von seinem Ruf als „sicherer Hafen“ in Zeiten der Bankenkrise stammt, sondern auch, weil es ein reales physisches Gut ist.

Obwohl Münzprägeanstalten und Raffinerien an der Auslastungsgrenze arbeiten, sehen sie sich Knappheiten gegenüber, insbesondere bei Münzen. Die südafrikanische Rand Refinery arbeitet 7 Tage die Woche, die Österreichische Prägeanstalt hat den Produktionsbetrieb sogar auf das Wochenende ausgedehnt. In der letzten Woche hatte die US Mint den Verkauf der American Buffalo Goldmünzen eingestellt, da die Lager leergekauft waren, schreiben die

Goldseiten.

Selbst der Vatikan soll eine Tonne Gold gekauft haben, berichtet britische Wochenzeitung „The Tablet“. Das Abendblatt hat es jedenfalls erwähnt. Vielleicht werden die Priester die Kilobarren jetzt monatelang zu Blattgold breitschlagen, um damit die vergoldeten Statuen zu restaurieren. Oder sehen Sie etwa andere Gründe?

Wie sicher ist mein Geld? Das fragen alle Tageszeitungen und sich die Experten in diversen Sondersendungen in den elektronischen Medien. Und alle kommen auf die Idee, dass das Geld bei den Banken sicher wäre (und man kein Gold bräuchte) Das verwundert ja nicht, denn schließlich hatte auch niemand vor, eine Mauer zu errichten. Doch da fällt mir eine ganz putzige Schildkröte ein, die für eine Tagesgeldanleihe wirbt. Es bleibt die Frage, wer als Schuldner wohl besser ist? Die Bank oder der Bund? (also wir alle?) Na sehen Sie! Kein Wunder, dass dort hunderte Millionen Euro inzwischen gebunkert wurden. Ist die Tagesanleihe etwa eine Art „Brandbeschleuniger“, wenn das Geld von den Banken abgezogen wird, um dort geparkt zu werden? fragt das GelbeForum Vielleicht bieten deshalb die Banken teils 6 % auf Tagesgeld, weil der Bund zwar nur knapp 4 % verspricht, doch letztlich den Banken aufgrund seiner Zahlungsfähigkeit den Rang abläuft? Dann müssen sich diejenigen, die mehr als 20.000 Euro auf der hohen Kante haben nicht sorgen, was der Einlagensicherungsfonds für den Notfall auszahlt, wenn er zahlen soll.

Herr Schild, die Werbeikone und selbsternannte Experte der Finanzagentur GmBH der Bundesrepublik Deutschland, sieht als Tagesgeld-Schildkröte ja wirklich nett aus. Ich höre ihn auch schon wieder sagen, dass er dieses AUF und AB an den Märkten schon seit hundert Jahren kennt, aber auf Gold in dieser Zeit noch nie Zinsen gezahlt wurden. Nun gut Herr Schild. Das sehen Sie richtig. Ich weiß ja nicht, wie und wo Sie die letzten hundert Jahre verbracht haben und ob Sie auch so komische verschiedenfarbige Panzer anziehen mussten. Aber wenn Sie schon so schlau sind, dann erklären Sie mal, wie das 1923 und 1948 war, als meine Oma all ihr Geld verloren hat und immer dann, wenn eine neue Währung ausgegeben wurde, sie die gestiegenen Preise beklagte. Sie mögen zwar eine wirklich nette Art und einen bestimmt guten Arzt haben, aber Ahnung haben Sie keine – definitiv nicht. hat Herr Steinbrück nicht mit Ihnen gesprochen? Und was ist mit Gold?

Gold kümmert sich um gar nichts. Es liegt einfach herum, in Safes, in Verstecken, unter Matratzen, Teppichen und in Gefrierschränken. Doch wenn alles schiefging, war es da. Denn es war nie weg, im Gegensatz zu manchen Währungen.

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