Goldene Ketten und Kugeln

27. März 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Bill Bonner

Zurück zu den lebenden und toten Ökonomen… Dieses alte Finanzsystem, über das wir sprachen, war begrenzt – gefesselt von einer goldenen Kette an einer goldenen Kugel. Man konnte nur ein gewisses Vielfaches (festgelegt durch einen strikten Mindestreservesatz) von dem ausleihen, was man bereits angespart hatte…

Außerdem konnte man nur so viel ausleihen, wie man verdiente, oder wie viel man zurückzahlen konnte. Wenn es auf nationaler Ebene passierte, dass ein Land mehr ausgab, als es einnahm, endete die Währung des Landes in fremden Händen. Und wenn die Konten ausgeglichen wurden, musste der Überverschwender sein Gold zu seinem Kreditgeber schiffen. Am Ende blieb er dann mit weniger Geld (Gold), das er ausgeben und investieren konnte.

Und sein Geldvolumen sinkt, wenn die Wirtschaft schrumpft – folglich eine Wiederherstellung der Balance. Während des Ersten Weltkrieges wurden die Vereinigten Staaten zum größten Goldinhaber weltweit. Amerika verkaufte Nahrungsmittel, Kleidung und Waffen an die Alliierten Streitmächte und nahm dadurch Gold als Zahlungsmittel ein.

Vermutlich haben sich die Vereinigten Staaten der Seite der Alliierten angeschlossen, weil diese ihnen so viel schuldig waren. Sie wollten sichergehen, am Ende auch bezahlt zu werden. Diese Zunahme von Amerikas Geldvolumen führte dann zu einer großen Kreditexpansion in den „wilden Zwanzigern“, gefolgt von einer Kreditknappheit und Weltwirtschaftskrise während der 1930er Jahre. In den 1960er Jahren nahmen die USA dann kein Gold mehr ein, sondern gaben es aus. Man verausgabte sich auf großem Fuße.

Mit der Great Society zu Hause und dem Vietnamkrieg in Übersee. Als Präsident Nixon dann die Konvertibilität des Dollars zu Gold beendete, wurde der halbe Goldbestand von Fremden eingezogen. Das ist der Grund, wieso Nixon das „Goldfenster schloss“ und die Funktionsweise des weltweiten Finanzsystems veränderte. Zwei Jahre später, im März 1973, lösten die G-10 Länder ihre Klammern vom US-Dollar, zugunsten eines freischwebenden Wechselkurses.

Geld für nichts

Die Leute wussten damals nicht, was diese Veränderung bedeutete. Sie wissen es bis heute nicht… Ich sinniere. Ich bete. Ich schaue tief ins Glas. Und doch habe ich Schwierigkeiten, es zu verstehen. Eine offensichtliche Konsequenz dieses neuen, puren Papiergeldsystems war, dass es die Einschränkungen bei Darlehen abgeschafft hat. Der Gesamtkredit der Vereinigten Staaten erreichte 1964 die eine Billionen Dollar Grenze. Heute liegt die Zahl bei knapp 60 Billionen Dollar.

Während diesem halben Jahrhundert hat sich das amerikanische BIP auf 477 Billionen Dollar summiert. Das führt einen zu dem Schluss, dass Einkaufszentrum, Highways, Kriege, Kosten für Gesundheitsvorsorge, Footballteams der Universitäten – alle durch diesen neuen und erweiterten Kredit gekauft werden konnten und wurden. Das alte Geld (Gold) verschwand mit den Heckflossen von den Autos und den Autokinos. Und das neue Geld (Kredite) war ein völlig anderes.

Man musste sein Geld nicht mehr unter dem Schweiße seines Angesichtes oder durch den Fleiß seines Unternehmens verdienen. Die Banken konnten es einfach herstellen, aus dem Nichts, in dem sie neue Anleihen machten. Und durch die Tatsache, dass ihr Regulator, die Regierung, den Geldreservesatz, den Banken entgegen Krediten zurückhalten mussten, ins Unerwähnenswerte gesenkt hatten, gab es keinerlei Einschränkungen mehr bei der Menge des neuen Geldes (Darlehen), die Banken erschaffen konnten.



Ich hoffe, ich liege falsch…
von Bill Bonner

Heute werde ich Ihnen etwas über das Ende der Welt erzählen. Nun, vielleicht nicht das Ende der Welt als solcher. Aber über das Ende des Fiat-Geld-Finanzsystems, das 1971 von Präsident Nixon ins Leben gerufen wurde… als er den Dollar vom Gold losschlug.

Und es könnte sich wie das Ende der Welt anfühlen, wegen des sozialen Chaos, das so provoziert wird. Was nun folgen wird, stammt aus einer Rede, die ich in Doug Caseys La Estancia de Cafayate einst hielt.

Ertrinken in Krediten

Ich prognostiziere nun schon seit sehr langer Zeit das Ende der Welt – oder zumindest das Ende der Post-1971 Finanzwelt. Ich hoffe, dass ich damit falsch liege. Doch früher oder später, werde ich richtig liegen. In der Zwischenzeit fühle ich mich wie ein Chirurg, der gerade eine Operation verpfuscht hat. Er sieht seinen Patienten steif auf dem Tisch vor sich liegen und fragt sich, ob er nicht doch noch einmal an die Lehrbücher setzen soll. Vielleicht ist das Sprungbein nicht einmal mehr mit dem Schienbein verbunden.

Doch die Lehrbücher geben keine Hoffnung. Sie wurden geschrieben von modernen Volkswirten. Und sie glauben, dass die Wirtschaft Mechanik ist. Nicht Humanistik. Diese Leute haben eine Lösung für jedes Problem und einen Schraubenschlüssel in jeder Hand. Sie leiten auch unsere Zentralbanken. Und sie denken, sie wüssten, was dabei vor sich geht… und wie sie damit umgehen können. Also bieten sie einem „fortschrittliche Führung“. Aber die ist wertlos. Schlimmer als wertlos. Sie suggeriert tatsächliches Wissen und Voraussicht – nichts davon, können die Obrigen vorweisen. Können Sie sich daran erinnern, dass die Regierung uns vor der Krise von 2008 „fortschrittliche Führung“ bot? Ich nicht.

Weder Ben Bernanke noch Janet Yellen hatten eine Ahnung davon, was geschieht. Sie konnten einem damals in der Krise keine Führung vorwärts übernehmen, noch können sie das bei der nächsten. Sie reagieren nur auf Geschehnisse. Sie sehen sie weder kommen noch können sie diese kontrollieren. Dabei haben sie nur eine Standard-Reaktion – noch mehr Kredite. Doch man kann kein Schuldenproblem mit noch mehr Schulden lösen. Das ist es, was die Regierung anbietet. Und das ist, was auch die Europäische Zentralbank und die Bank of Japan anbieten. Sie sind gebunden an ihre Strategie, einer Welt immer mehr Kredite anzubieten, die bereits darin ertrinkt.

Ungeschickte Mechaniker

Ich sollte an dieser Stelle einen Cut machen und ein paar Worte darüber verlieren, wie die Wirtschaft wirklich funktioniert. Diese unbeholfenen Mechaniker unserer Regierung, der Europäischen Zentralbank und bei der Bank of Japan denken, sie könnten die Drehköpfe drehen oder die Hebel betätigen. Aber Wirtschaft ist ein komplexes und dynamisches System mit verzwickten Rückkopplungsschleifen. Die Wirtschaft reagiert auf diese tollpatschigen Mechaniker, aber nicht zwangsläufig so, wie diese sich das vorstellen.

Es ist wesentlich komplexer, als sie es jemals begreifen könnten, geschweige denn kontrollieren. Gerade jetzt kommen sie davon mit ihren umwerfenden Strategien. Die Märkte bestrafen sie bisher noch nicht mal. Im Gegenteil, die Investoren scheinen diese Art der Innovation zu schätzen und zu belohnen. Es ist unmöglich zu wissen, was genau als nächstes passieren wird. Doch irgendjemand wird dabei Geld verlieren. Diese Gewinne sind unnatürlich und ein gefährliches Warnsymptom.


Quelle: Kapitalschutz Akte
Goldene Ketten und Goldene Kugeln (von Bill Bonner)
Ich hoffe, ich liege falsch (von Bill Bonner)
Weitere Informationen: Investor Verlag

 

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