Goldcrash auf Ansage?

26. September 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Auf Regen folgt Sonnenschein. Erstaunlich oft lässt sich das auch an der Börse beobachten: Demnächst ist das unbeliebteste Anlagesegment des gesamten Planeten reif für eine Schönwetterperiode…

Darauf haben wir nun längere Zeit gewartet, endlich ist es soweit: Goldman Sachs trommelt wieder für massive Kursverluste beim Gold. Da es kaum einen besseren Kontraindikator gibt als die Analysen der „Goldmänner“, dürfte es das beim Gold erst einmal gewesen sein mit der Abwärtswelle.

Immer wieder ist in jüngster Zeit auch zu lesen, der Goldpreis habe durch die Ukraine-Krise Unterstützung erhalten. Deshalb werde das Gold sofort einbrechen, sollten aus Kiew Entspannungssignale kommen. Doch was da so schnell hingeschrieben wird, entspricht das eigentlich den Tatsachen?



In Wahrheit kann von „Unterstützung“ für den Goldpreis durch die Ukraine-Krise überhaupt keine Rede sein. Eine Bestandsaufnahme zeigt das: Ende 2013 war es in Kiew zu Massenprotesten gekommen, ausgelöst durch die Ankündigung der damaligen ukrainischen Regierung, das Assoziierungsabkommen mit der Europäischen Union nicht zu unterzeichnen. Am 18. Februar 2014 eskalierte die Situation auf dem Maidan, Schusswaffen wurden eingesetzt, mindestens 77 Menschen starben.

Geht man davon aus, dass mit der Eskalation der Ukraine-Krise ab Mitte Februar 2014 auch das Gold Unterstützung erhalten haben müsste, kommt man zu überraschenden Erkenntnissen. Tatsächlich notiert der Goldpreis heute rund acht Prozent niedriger als Mitte Februar dieses Jahres.

Gold hat eben ausgedient als Krisenwährung, klare Sache. Denn wenn schon die Ukraine-Krise keinen Goldpreis-Anstieg auslösen kann, und Goldman Sachs vor einem Crash beim Gold warnt, was muss dann erst passieren, sollten sich einige Krisenherde in Luft auflösen, womöglich gar die weltweite Schuldenkrise?

Nun ist hiervon natürlich nicht die Spur zu erkennen und in Wahrheit stehen auch beim Gold die Zeichen erst einmal auf Zuwachs. Das wird, ganz typisch, weniger bei dem Edelmetall selbst sichtbar, umso deutlicher dagegen bei einigen größeren Minenaktien. Beispiele:

Goldcorp:

Goldcrash GG

Goldminen-ETF GDX:

Goldcrash GDX

Royal Gold:

Goldcrash RGLD

Hecla Mining:

Goldcrash HL

Silver Standard:

Goldcrash SSRI

Da insbesondere bei den Minenaktien die Stimmung derzeit total im Eimer ist, sind alle genannten Titel derzeit stark überverkauft. Fundamental zeigen sich in Relation zum Gold teilweise geradezu absurde Unterbewertungen.

Hinzu kommen im Charbild erste Ansätze positiver Divergenzen bei RSI und MACD-Histogramm. Bei Silver Standard (SSRI) fällt der extreme Umsatzanstieg vom Montag ins Auge, der durchaus Sell-Off-Charakter hat und somit ein wichtiges Tief markieren könnte.

Kurzfristig sollte daher bei den Minenaktien entgegen der Erwartungen der Goldcrash-Propheten ein Anstieg in die Nähe der langfristig bedeutsamen 200-Tage-Linie möglich sein. Dort wäre die Lage neu zu bewerten.

©Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief



 

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.