Goldblase? Wo ist sie denn?

23. August 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Slideshow

von Frank Meyer

Kinder lieben Märchen. Erwachsene offenbar auch und schalten ihre Fernsehgeräte ein, wo ihnen zur besten Sendezeit Geschichten von Vollbeschäftigung, Wachstum und Aufschwung gereicht werden. Zurzeit ist dort auch vom Goldmärchen die Rede – in einem Land, wo Milch und Honig fließen…

Ich musste an die Märchenbücher von früher denken. Dort ging es um Prinzen, Prinzessinnen, das Gute, das Böse und auch um Gold – weniger um Papiergeld. Würde Rumpelstilzchen Stroh zu Papiergeld spinnen? Das schaffen nur Bernanke, Trichet und Co. Die moderne Goldmarie wird unterm Tor bei Frau Holle mit Papierscheinen beregnet statt mit Gold? Ich bitte Sie! Die Göre hätte sich vermutlich mächtig aufgeregt…

Palim! Palim! Da ist es wieder, dieses Geräusch aus der Finanzküche. Gold erreicht in der gegenwärtigen „Hausfrauenhausse“ mit 1.894 US-Dollar pro Feinunze ein neues Rekordhoch. Typisch Blase… Zumindest ist das die Meinung derer, die mit Gold noch nie etwas zu tun hatten und lieber in die Zukunft schauen statt in die Vergangenheit. Mit etwas Wissen ums Geldsystem hätten sie etwas anderes getan.

Das mit der Goldblase finde ich interessant. Ja, es wird wirklich mehr über das Metall berichtet als in der Vergangenheit. Kurse machen Nachrichten und lassen Vermutungen ins Kraut schießen. Wenn aber die Häufigkeit von Berichten oder die Kurse der Beweis für eine Blase sein soll, befänden sich Frau Merkel, die FDP und das schlechte Wetter in einer noch weit gigantischeren Blase. Nun ist Gold in diesem Jahr rund 30 Prozent teurer geworden. Schrecklich! Wenn Aktienpreise sich verdoppeln, ist es dann nicht auch schrecklich? Ach was!

Die nächsten Schlagzeilen werden heißen:  „Goldpreisblase geplatzt!“ und „Papiergeld wieder gesund““, wenn Gold mal 200 Dollar weniger kosten sollte.  Im Märchen gibt es alles…

Wer Gold besitzt, wird wahrscheinlich freundlich über das Metall berichten. Wer aber die Chance verpasst hat, wird viele Gründe finden, warum der Rest verrückt geworden ist. Erst wenn die Masse der Leute Gold besitzt, steigt die Stimmung wie auf einer Party mit zuviel Punsch. Und dann werden die Alarmknöpfe anspringen. Dabei ist Gold selbst der Alarmknopf für brennende Häuser und schmorende Balken. Ich frage mich ernsthaft, ob Nachbarschaft, Freunde, Bekannte und Kollegen außer ein paar Eheringen wirklich große Mengen Gold angesammelt haben, wie  Experten vermuten. Ich weiß nichts davon. Damals hatten viele T-Aktien und die „Zukunftswerte“ ohne Wert und ohne Zukunft aus dem Neuen Markt. Aber wer hat heute schon Gold? Zudem braucht es ein paar Rücklagen, um Gold kaufen zu können. Milchmädchen hatten diese früher für Aktien noch eher als die heutigen Milchmädchen für Gold, die als Zeitarbeiter und Aufstocker schlecht bezahlt werden und statistisch gesehen wohl mehr unter Schulden als unter Guthaben leiden.

Ausschau halten

Ich habe übrigens noch keine Hausfrauen beim Goldschleppen beobachten können, obwohl ich danach immer Ausschau halte wie Geldbörsendiebe in Kölner S-Bahnen. Ausschau zu halten, ist ein interessanter Zeitvertreib. Gestern habe ich mich eine halbe Stunde gegenüber der „Exchange“ nahe der Domplatte zu Köln mit einem Eis auf eine Bank gesetzt. Das Eis schmolz so schnell  dahin wie der DAX in Frankfurt. Und dann habe ich die Leute beobachtet,  wie sie beim Geldhändler ein und aus gingen. Mit Gold hatten sie gar nichts am Hut. Sie waren hinter Papiergeld her, das ihnen aus den Automaten gereicht wurde. Oder sie tauschten im Laden bunte Zettel aus anderen Ländern gegen bunte Zettel, die hier Euro heißen.

Und dann bin ich, neugierig wie ich nun mal bin, zum Goldhändler drei Straßen weiter gelaufen. Hausfrauen habe ich auch dort auch nicht entdeckt. Ich weiß nicht genau, woran ich Hausfrauen erkennen könnte. Keine Kopftücher, keine Kittelschürzen, keine Lockenwickler… Nein, da waren keine. Als ich dann unschuldig „schaufernstere“, sah ich drei Leute, die Gold verkauften, nicht kauften. Da war ich sicher. Wenn sie gekauft hätten, wäre ich nachdenklich geworden.

Ich lief weiter in einen Park, ohne zu wissen, was ich dort eigentlich wollte. Suchte ich Sonnenstrahlen? Goldschleppende Hausfrauen sah ich dort auch wieder nicht. Nur viele Sonnenbrillen. Mag sein, dass man eine glänzende oder gleißend schöne Zukunft heute nur noch mit Sonnenbrille ertragen kann. Heute sind die Nasengestelle dunkel gefärbt, morgen vielleicht rosarot. Wie die Mode eben mitspielt…

Wie dem auch sei… Pling! Am Nachmittag kostete Gold knapp 1.900 US-Dollar – und das für ein paar lächerliche gelbe Gramm Metall. Am Morgen steht es wieder ein paar Dollar höher. Mist! Für 1.350 Euro bekomme ich heute 500 Eistüten. Und morgen nur noch 50? Gab es irgendwo „Breaking News“? Nicht dass ich wüsste. Mein Handy blieb stumm. Normalerweise übersehe ich nichts mit so einem Gerät, was sogar meine Bewegungen aufzeichnen kann und wohl auch tut. Wir überwachen uns neuerdings übrigens gegenseitig.

Warum aber steigt der Preis für dieses tote Zeug immer weiter an? Ist es die Nachfrage? Ist es die Flucht aus den modernen Verrechnungseinheiten? Was ist davon zu halten? Ich weiß es nicht, vermute aber, dass es um etwas Größeres geht als um einen Wahlkampf, wenn Gold gegenüber allen Währungen immer teurer wird. Selbst der Schweizer Franken ist gegenüber Gold weich wie ein Raclettekäse. Ist es wirklich schon die große Flucht, die ich seit ein paar Wochen vermute? Auch die Zeitungen schreiben davon. Mal schauen… (Seite 2)

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