Gold und Silber – da bewegt sich was

19. Januar 2009 | Kategorie: Kommentare

Das ging schneller als man dachte. Charttechnisch haben Gold und Silber den Ausbruch nach oben geschafft. Nicht nur die Nachfrage, auch die Schwäche des US-Dollar haben den Edelmetallen eingeheizt. Ob die Hochs verteidigt werden können, ist noch offen. Normalerweise springen beide Metalle erst einige Wochen später an. Doch was ist bei Gold und Silber schon normal? Sie haben es diesmal schon im Juli sehr eilig, was dem Schüttelfrost an den Finanzmärkten, der Gefahr eines Krieges mit dem Iran und der Inflation geschuldet ist. Gold in US-Dollar stieg binnen eines Jahres um 45 Prozent. Die Weltleitwährung hat deutlich an Leit-fähigkeit verloren. In Euro gerechnet, stieg Gold um „nur“ 26 Prozent. Doch beantworten sich im Euroland immer mehr die Frage, ob sich unsere gemeinsame Währung grundsätzlich vom US-Dollar unterscheidet, mit einem klaren „Nein“.

Der Euro als Fluchtwährung

Wirtschaftlich betrachtet hat der Wind gedreht. Er pfeift aus der Rezessionsecke. Dunkle Wolken künden vor allem in Spanien, Italien und in mindestens ein paar anderen Ländern Probleme an. Den Euro müsste das eigentlich belasten. Doch in Amerika ist es schlimmer, auch wenn aus Politik und Notenbank sanfte Flötentöne vernehmbar sind, die denen des Rattenfängers von Hameln ähneln. Europa hat viele hausgemachte Probleme und dafür wenige Lösungen. Währenddessen frisst sich die Kreditkrise durch die Bilanzen der Finanzbranche wie Würmer durch süße Äpfel. Die EZB hat nur die Möglichkeit, mit noch mehr Geld auszuhelfen und „druckt“ dabei zuviel davon.

Schaut man in die südlichen Gefilde und auf die dortigen Defizite, riecht es nach Schwierigkeiten in der Zukunft. Spanien konnte mangels Nachfrage in der letzten Woche eine Staatsanleihe nicht verkaufen, las man in der Zeitung. An den Anleihemärkten zieht sich ein Riss quer über unseren Kontinent, sichtbar an den höheren Risikoaufschläge im Süden. Wirtschaftlich gesehen ist der Aufschwung vorbei. Dafür sorgt allein schon die restriktivere Kreditvergabe der Banken. Eine zwischenzeitliche deflationäre Phase wird von einigen nicht ausgeschlossen, noch aber wächst die Geldmenge in der Eurozone mit jährlichen 10 % weit schneller als die Gütermenge. In den Zeitungen hat es die Inflation auf die Titelseiten geschafft. Taugt der Euro als Wertspeicher für geleistete Arbeit? Er taugt momentan als Fluchtwährung.

Gold und Silber haben die Börsen weit hinter sich gelassen. Es kracht an allen Ecken. In etlichen Häusern brennt es lichterloh, aus einigen wurde schon Asche. Vieles sieht man erst, wenn es zu spät ist. Verstecken, Gesundbeten und Schönreden gehören heute zur Normalität und zum guten Ton. Meine Lieblingsworte sind „Negativ-Wachstum“ und „unerwartet“. Während der DAX in diesem Jahr (unerwartet) 25 Prozent gefallen ist, fiebern die Anleger den Verheißungen der Experten weiter entgegen. Unterdessen haben sich die Edelmetalle zu ihren Jahreshochs aufgemacht. Die Preise sind nominale Hochs, denn rechnet man zum Höchststand von 1980 nur die offizielle Inflationsrate hinzu, müsste die Feinunze Gold bei 2500 US-Dollar und Silber längst dreistellig notieren. Die Goldbugs kennen diese Rechnung schon lange.

Bewegungen im physischen Markt

Viele Händler berichten, dass die Nachfrage nach physischem Metall immer dann anzieht, wenn die Kurse steigen. Wir Menschen sind schon komische Tiere. Wir hätten wohl weniger Schwierigkeiten, dafür aber auch weniger Spaß, wenn der präfrontale Kortex nicht ständig mit dem limbischen System kämpfen würde. Im Supermarkt schaut man gerne nach Schnäppchen, Investments kauft man gerne teurer ein. Wir sind eben so.

Auffällig ist, dass täglich neue Edelmetallshops im Internet eröffnen. Google findet 380.000 mal das Wort „Goldshop“, 189.000 „Münzhandel“ und 54 Millionen mal das Wort „Börse“. Für die Zukunft stellt sich allerdings die Frage, ob es den neuen Anbietern auch gelingt, an genügend gelbes und weißes Metall zu gelangen. Im Frühjahr gab es selbst bei den großen Anbietern Lieferengpässe bei Silbermünzen.

Inzwischen sind viele Aufkäufer unterwegs, um das Gold denen abzunehmen, die damit nichts anfangen können. Etliche nutzen die hohen Preise, um Kasse zu machen, einige davon suchen nach Möglichkeiten, um den Tank zu befüllen oder die Nebenkostennachzahlung zu begleichen. Selbst im Fernsehen laufen Werbespots, die zum Verkauf von Omas Ringen und Goldzähnen raten. Halb Sachsen war vor einem halben Jahr mit Schildern zugepflastert auf denen zu lesen war: „Gold ist Bargeld“. In der Tat. Bargeld war früher so gut wie Gold, bis die Verbindung gekappt wurde und sich das Bargeld vermehren konnte wie Plastiktüten auf Müllhalden.

Auch die Fälschungen nehmen inzwischen zu. Es lohnt sich offenbar, alte Wilhelm II – Münzen, Barren oder Krügerrands aus Kupfer, Messing oder Blei nachzumachen. Ein Gramm Gold kostet schließlich 20 Euro. Jörg Schuster von Taurus Investors berichtet, dass vor allem aus den östlichen Europa schlecht gefälschte Münzen den Markt überschwemmen. Dabei haben es die Gauner denkbar einfach. Wer kennt sich heute noch mit Gold aus? Im Goldseitenforum wird Betrug auf Internetplattformen genau beobachtet und darüber berichtet. Durch den Druck von aufmerksamen Forenmitgliedern haben es die Gauner heute deutlich schwerer. Etliche sind schon aufgeflogen, und viele Goldkäufer wurden vor Schaden bewahrt.

Vor wenigen Jahren noch wurden Gold – und Silberinvestoren mitleidig belächelt. Aktien waren en vougue und nichts anderes. Vielleicht lächeln heute noch 95% der Leute darüber, aber nicht mehr 99% wie damals. Die Zeiten haben sich eben geändert. In unsicheren Zeiten werden sichere Häfen angesteuert. Daran hat sich seit einigen tausend Jahren nichts geändert.

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