Gold und Gäule auf eisigen Straßen

3. Dezember 2008 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Vielleicht kennen Sie das: Wenn man lange auf einer Autobahn mit 180 Sachen entlang gebrettert ist, die Ausfahrt gerade geschafft hat, dann auf eine Landstraße muss, sollte man höllisch aufpassen, um nicht aus der Kurve zu fliegen. Der Gewöhnungseffekt von der Autobahn verleitet oft zu einer zu „sportlichen“ Fahrweise. Wenn dann noch Schnee, Eis und Wildwechsel in dunkler Nacht den Weg begleiten, geraten die letzten Kilometer auf dem Weg nach Hause zu einer Abenteuerfahrt. An den Börsen ist das nicht anders.

Inmitten des Finanzsturms liegen und fliegen umgestürzte Bäume herum. Diesen auszuweichen, hat selbst Adolf Merckle nicht geschafft. Mit seinen 20 Airbags stieß er mit einer Fahnenstange aus VW-Papieren zusammen und landete im Straßengraben. Er wählte die Notnummer der Landesregierung, rief nach guten Preisen und hoffte auf gute Besserung. Selbstverständlich half das Land. Die Rufnummern sind im Moment überlastet. Viele strecken ihre Hände nach Rettungsschirmen oder Geschenken oder nach beidem aus.

Die kleineren aus der Kurve geflogenen Finanzakrobaten machen sich dagegen zu Fuß nach Hause, wo die Gattin schimpfend wartet. Es wird viel Mecker geben kurz vor Weihnachten. An den Weltbörsen „verbrannten“ schließlich über 30 Billionen USD. Doch irgendwie gewöhnt man sich an die Zahlen mit diesen vielen Nullen. Nachrichten, die in vor wenigen Wochen für einen Kursrutsch biblischen Ausmaßes gereicht haben, werden heute in der Rubrik „Was sonst noch geschah…“ gesendet. Der Mensch ist eben ein Gewöhnungstier.

Bis auf das Gold rutschten die Finanzmärkte in dieser Woche wieder auf einer Bahn von Schwierigkeiten. Der DAX hat 12,4 Prozent eingebüßt und schaute bei knapp 4000 Punkten vorbei. Er startete in dieses Jahr bei 8060 Punkten. Dabei sollte alles so schön werden. Doch die Götter hatten andere Pläne.

Auch der Goldpreis war in den letzten Wochen auf vereisten Landstraßen unterwegs. Im Bereich von 750 USD/oz feuerten die „17 Uhr – Akteure“ mit großen Schneebällen und Eisbrocken auf die Unzen. Doch irgendwie gelang dem Gold der Weg in Richtung Autobahn. Am Freitag nahm es flink den Zubringer und hat schnell auf 120 beschleunigt. Es weiß nämlich, dass nur noch höhere Geldmengen und noch niedrigere Zinsen unser „Finanzproblem“ lösen können. Die Experten arbeiten daran in Greenspan`scher Manier sowohl am einen als auch am anderen Hebel der Geldmaschine. Sollten sie damit wieder erfolgreich sein, wird Gold vierspurig davonfahren, dann aber auch mit entsprechend hoher Geschwindigkeit.

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