Gold: Wünsche, Wirren und Verwechslungen

18. Dezember 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer, Zeitlos

(von Bankhaus Rott) In den letzten Wochen köchelte eine Diskussion wieder auf, die eigentlich schon vor Monaten beendet schien. Aber Wünsche und Hoffnungen sind zäh, vor allem wenn sie von nebulösen Kenntnissen der Bilanzierung genährt werden. Es geht um Eigenkapital von Banken. Und es geht um Gold…

Die These, die in zahlreichen Gold-Blogs Anhänger (und Kopierer) fand, lautete, Gold in den Bankbilanzen werde „als Eigenkapital anerkannt“ und zu einem „Tier-1-Asset“. Wir wollen nur kurz auf das Thema eingehen und die gröbsten Schieflagen geraderücken. Die vielerorts zu lesende Kernthese lautet: „Basel 3 macht Gold für Banken attraktiver“.

Es ist unerklärlich, wie es der Gastbeitrag eines Benjamin Summa in die Wirtschaftswoche schaffen konnte. Dieser schreibt dort in einem peinlichen Artikel unter anderem folgendes:

(Wirtschaftswoche) Die Quote an Kernkapital der Banken soll erhöht werden, um die Geldhäuser gegenüber Turbulenzen zu stabilisieren.

Und hier könnte Gold ins Spiel kommen: Das Edelmetall könnte, wenn die Pläne und Forderungen der Banken in den endgültigen „Basel-III“-Entwurf integriert werden, von einem drittklassigen zu einem erstklassigen Asset hochgestuft werden – Münzen und Barren wären dann Teil des Kernkapitals der Bank und könnten als Reserve für herausgegebene Kredite eingesetzt werden.

Die einfache Gleichung lautet: Je mehr Gold als Eigenkapital, desto mehr Kredite dürfen vergeben werden und desto mehr Zinserträge hat die Bank, mit der sie neues Gold für ihr Eigenkapital beschaffen könnte

Das ist Unsinn in Reinform, wie man ihn selten zu lesen bekommt. Angeblich hat der Autor einst als Wirtschafts-Redakteur im Axel Springer Finanzen Verlag gearbeitet. Sollte das zutreffen, wäre es, höflich formuliert, erstaunlich.

Der übergeordnete, auch in dem zitierten Artikel zu beobachtende Fehler ist altbekannt und liegt in der Verwechslung von Anlagen und Eigenkapital. Wenn eine Bank Gold kauft, erwirbt sie ein Asset. Wenn eine Bank Aktien oder bestimmte Nachrangpapiere begibt erhält sie Eigenkapital. Etwas, was die Bank kauft, kann nicht Eigenkapital der Bank werden. Falsche Seite der Bilanz, Sire!

Tatsächlich kann sich mit der Umsetzung von Basel 3 auch für in Bankbilanzen befindliches Gold etwas ändern. Die Umstellung wäre positiv, jedoch von bescheidener Natur, denn sie bezieht sich allein auf die Einstufung der Liquidität von Gold. Die Liquidität der Anlagen erhält in Basel 3 einen höheren Stellenwert, was auch an den kollabierten Kurzfrist-Finanzierungsmodellen einiger gescheiterter Banken liegen dürfte.

Vereinfacht ausgedrückt ist die Einstufung der Liquidität einer Anlage in der Bankbilanz aus zwei Gründen von Bedeutung. Zum einen benötigen Banken sicher und schnell liquidierbare Asset für die Liquiditätsreserve. Zum anderen muss ein Asset, das illiquider ist, zu einem größeren Anteil länger und damit sicherer finanziert sein.

Hochliquide Assets gliedern sich laut Basel 3 in zwei Stufen, die Level-1-Assets und die Level-2-Assets. Im öffentlich verfügbaren Basel 3 Entwurf heißt es dazu:

(Quelle: Basel Committee on Banking Supervision)

(3) Definition of high-quality liquid assets

34. The stock of high-quality liquid assets should comprise assets with the characteristics outlined above. This section describes the type of assets that meet these characteristics and can therefore be included in the stock:

35. There are two categories of assets that can be included in the stock. Assets to be included in each category are those that the bank is holding on the first day of the stress period. “Level 1” assets can be included without limit, while “Level 2” assets can only comprise up to 40% of the stock.

Eine gute Übersicht über Basel 3 inklusive der Säule Liquidität gibt es auf den Seiten der BIS.

Die Verwechslung von Level-1-Asset mit Tier-1-Capital ist seltsam, denn beides hat nichts miteinander zu tun. Es gibt Tier-1-Papiere die eine Bank emittieren kann, um Eigenkapital zu beschaffen. Es gibt eine entsprechende Tier-1-Ratio, die das entsprechende Verhältnis von Eigenkapital zu den risikogewichteten Assets angibt. Aber man kann nicht mit Eigenkapital oder Fremdkapital etwas kaufen, das dann wiederum zu Eigenkapital wird. Folgerichtig taucht das Wort „Gold“ schon in den ursprünglichen Dokumenten des Basler Ausschusses lediglich im Abschnitt „liquidity risk measurement, standards and monitoring“ auf… (Seite 2)

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