Gold: Währung ohne Fehl und Tadel

31. Oktober 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Frank Meyer

Ich habe neulich dem Finanzportal Savedo ein Interview zum Thema Geld, Gold und Sparen gegeben. Schließlich treiben die Notenbanken und Regierungen inzwischen die Sparer vor sich her. Und diese fragen sich: Wohin mit dem Geld?

In Zeiten der Niedrigzinspolitik fragen sich viele Sparer, wohin mit ihrem Geld? Dabei spielt auf der Jagd nach attraktiven Zinsen neben Sicherheit ebenso der Werteerhalt eine wichtige Rolle. So setzen immer mehr private Anleger auf Gold…

In den Köpfen vieler Menschen ist Gold eines der beliebtesten und wertvollsten Edelmetalle. Doch die verfügbare Menge an Gold ist begrenzt. Der Preis wird somit durch Angebot die Nachfrage bestimmt. Denken Sie, dass dies eine gute Voraussetzung für Gold als langfristige Wertanlage ist?

Lassen Sie mich mal überlegen…. Gold hat eine 5.000 Jahre lange Geschichte. Das nenne ich schon langfristig – als Währung ohne Fehl und Tadel. Es ist unstrittig, dass man Gold im Gegensatz zu jeder Papierwährung dieser Welt nicht einfach wie Papiergeld drucken oder herstellen kann. Tatsache ist auch seine Seltenheit. Die weltweit jemals geförderte Menge von schätzungsweise 180.000 Tonnen auf die Weltbevölkerung verteilt, würde jedem Menschen 24 Gramm des gelben Metalls zustehen lassen. Dabei ist nur der kleinste Teil des Goldes wirklich am Markt frei verfügbar. Die zunehmende und immer exzessivere Gelddruckerei und Nullzinspolitik der Notenbanken rückt das Metall als alternativen Speicher von Kaufkraft jetzt stärker in den Fokus der Investoren.

Wie selten Gold ist, zeigt auch die jährliche Goldproduktion. Sie belief sich im letzten Jahr auf 3.178 Tonnen oder 102 Millionen Unzen. Zu gegenwärtigen Preisen sind das rund 120 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) druckt hingegen jeden Monat 80 Milliarden Euro. Anders gesehen: Die „Währungs-Hüter“ aus Frankfurt könnten mit ihrer frischen Geldmenge das weltweite Angebot aus den Minen acht Mal aufkaufen. Dazu müssen sie sich nicht einmal anstrengen. Jeder weiß ja: Papiergeld ist beliebig vermehrbar – Gold nicht.

Für Gold spricht heute auch, dass die aus dem Boden geholten Vorkommen inzwischen nur noch etwa zur Hälfte durch neue und abbaubare Funde aufgefüllt werden. Damit deutet sich eine künftige Knappheit an, die sich positiv auf die Preise auswirken sollte. Zudem sank der Goldgehalt des Gesteins kontinuierlich von früher mehreren Gramm pro Tonne auf inzwischen oft nur noch ein Gramm. Das macht die Goldgewinnung teuer. Bei dauerhaft niedrigen Preisen würde so weniger Gold ans Tageslicht kommen.

Gibt es Ihrer Meinung nach zu wenig Gold?

Nein! Es ist nur eine Frage des Preises. Nehmen wir an, der Goldpreis stünde zehnmal höher, dann würde man für sein Geld eben nur ein Zehntel der Menge von heute bekommen. Oder anders gerechnet: Der Minenausstoß eines Jahres wäre dann 1,2 Billionen Euro wert. Deshalb ja auch der alte Satz: Geld zählt man nicht, man wiegt es. Beim Einkauf kommt es also darauf an, für seine bunten Zettel so viel Gold wie möglich zu bekommen, wenn man einen Teil seines bunten Papiergeldes in etwas mit wirklichem Wert tauscht, was dieses Papiergeld unter Garantie überleben wird.

In der aktuellen Niedrigzinsphase wird es für Sparer immer schwieriger, eine passende Geldanlage mit attraktiven Renditen zu finden. Zudem wächst unter Sparern zunehmend die Angst vor Inflation. Können Sie Gold daher als eine alternative Anlageform für private Anleger empfehlen?

Gold war immer schon der Feind des Papiergeldes. Das Argument, dass Gold keine Zinsen bringt, hat sich offenkundig erledigt, denn die herkömmlichen Sparformen wie Anleihen (Schulden) werfen auch keinen Zinsen mehr ab. Im Gegenteil: Sie sind durch die Negativ-Renditen sogar zum Kostenfaktor geworden. Auch das Argument, dass man Gold im Notfall nicht essen kann, ist zwar richtig, aber essen Sie mal in so einer Situation Euroscheine, Staatsanleihen oder Ihre Riester-Rente auf. Guten Appetit!

Der Vorteil von Gold liegt in seinem Vertrauen über viele Jahrhunderte hinweg. „Gold ist Geld und nichts anderes.“ Das Zitat stammt von John Pierpont Morgan, dem Gründer von J.P. Morgen, einer der größten Banken der Welt. Eine Unze bleibt eine Unze. Die Kaufkraft eines Euros oder jeder anderen Papierwährung nimmt dagegen ständig ab, was man am Goldpreis ablesen kann. Obwohl eine Unze immer eine Unze bleibt, legen Investoren dafür einen immer größeren Haufen an Papiergeld auf den Tisch. Zudem steht man mit dem gelben Metall im Besitz außerhalb dieses maroden Finanzsystems. „Gold ist eine Währung. Es ist immer noch – nach allen Indizien – eine Premiumwährung. Keine Fiat-Währung, inklusive des Dollars, kommt ihm gleich.“ Das sagte Ex-FED-Notenbankchef Alan Greenspan. In diesem Fall dürfen wir dem Herren durchaus mal glauben.

Sie sagten, der Vorteil von Gold liegt in seinem Vertrauen über viele Jahrhunderte hinweg. Dennoch raten einige Experten privaten Anlegern dazu, eine Investition in Gold gut abzuwägen. Welche goldenen Regeln sollten Anleger beim Goldkauf beherzigen?

Ein Tipp vorweg: Gold taugt nicht zum Spekulieren. Mit Gold bringt man einen Teil seiner oft sauer verdienten Verrechnungseinheiten in Sicherheit, indem man diese in etwas Besseres tauscht und solange man mit herkömmlichem Geld noch etwas Echtes kaufen kann. Wie überall liegt im Einkauf der Gewinn. Man muss nicht kaufen, wenn es alle tun. Gold oder auch Silber kauft man zudem mit Geld, was man kurz- und mittelfristig nicht benötigt. Man kauft es auch nicht als Schnäppchen an Autobahnraststätten, sondern bei einem seriösen Edelmetallhändler. Doch sollte Ihnen jemand Gold weit unter dem offiziellen Preis anbieten, lassen Sie tunlichst die Finger davon.

Private Anleger kaufen Gold als Versicherung gegen finanzielle Unfälle im Geldsystem in der Hoffnung, dass es nie benötigt wird. Nur, weil dieses Finanzsystem in der Vergangenheit funktionierte? Das muss nicht heißen, dass es das auch künftig tut, vor allem, wenn das Vertrauen in unser Geld weiter und weiter schwindet. Wenn nämlich alles so gut wäre, wie uns immer wieder versichert wird, warum rottet die EZB die Zinsen aus und druckt Geld in Unmengen? Experten nennen das alles „Rettungspolitik“. Warum aber soll man sich sicher fühlen, wenn ständig etwas gerettet werden muss?

Wenn private Anleger in Gold investieren, können Sie neben Schmuck auch in physisches Gold investieren. Bei letzterem können Sie zwischen zwei Formen entscheiden: Barren oder Münzen. Zu den bekanntesten Goldmünzen zählen beispielsweise Maple Leaf oder Krügerrand. Doch warum raten viele Experten beim Goldkauf zum Kauf von Barren?

Kleine Barren (fünf Gramm, 10 Gramm, 20 Gramm oder eine Unze) kosten etwas weniger als geprägte Münzen. Letztere sind auch etwas fürs Auge und weltweit leicht zu identifizieren. So kennt man den südafrikanischen Krügerrand in allen Teilen der Welt. Je kleiner aber die Einheit, desto mehr zahlt man Aufgeld für die Prägung.

Das Aufgeld auf den Goldpreis für beispielsweise einen Fünf-Gramm-Barren liegt bei ca. fünf Prozent – der für eine ganze Unze bei gut 1,5 Prozent. Das bedeutet, je größer die Einheit, desto geringer der Aufpreis. Ein 500-Gramm-Barren kostet gegenwärtig rund 19.100 Euro, das Aufgeld nur noch weniger als ein Prozent. Allerdings dürfen private Anleger nicht vergessen, je größer ein Barren, desto unhandlicher ist er. Deshalb empfehle ich für kleineres Geld auch nur kleinere Einheiten.

Entscheiden sich Sparer in physisches Gold zu investieren, stellt sich bei vielen die Frage wohin damit? Welche Vor- und Nachteile gibt es, wenn private Anleger ihre Wertanlage zu Hause, im Bankschließfach oder im Zollfreilager aufbewahren?

Gold war schon immer eine Sache des Vertrauens. Etwas Gold zu Hause gut zu verstecken, kann nicht falsch sein vor allem bei all den Nachrichten da draußen. Gold kann man aber auch in einem Schließfach bei einer Bank lagern. Ist es da sicher? Sicher ist nichts. Im Fall des Falles wachsen auch die Begehrlichkeiten seitens des Staates. Können Goldbesitzer wirklich glauben, dass nur sie selbst an dieses Schließfach kommen?

Bei größeren Mengen Gold kommen private Anleger kaum um die Dienstleistung des Verwahrers herum. Auch hier ist Vorsicht geboten, wem man seinen Schatz anvertraut. Es empfiehlt sich je nach Größe des Goldschatzes, einen Teil unter eigener Verwahrung zu haben, einen Teil trotz einiger Bedenken hinsichtlich der Neugier eines Staates in einem Schließfach zu deponieren und sich zudem zu überlegen, einen Teil im Ausland liegen zu haben, wenn es um größere Mengen geht. Auch hier gilt: Nicht alle Eier in einen Korb legen.

Das Interview wurde zuerst veröffentlicht auf SAVEDO

 

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3 Kommentare auf "Gold: Währung ohne Fehl und Tadel"

  1. Avantgarde sagt:

    Geld zählt man nicht, man wiegt es.
    ————————————–
    Passiert gerade in Übersee:
    Venezuelas Regierung hat aufgehört, offizielle Inflationsdaten zu veröffentlichen. Die letzten seriösen Schätzungen lagen bei einer Rate von 800 Prozent pro Jahr, mittlerweile reicht die Spannbreite von 200 bis 1.500 Prozent.

    Die werden wohl auch bald zur Waage greifen müssen.
    Es gibt als größte Einheit 100er Scheine.
    1 Bolivar ist gerade mal 0,09….. Euro wert.

  2. FDominicus sagt:

    Perfekt, besser kann man nicht antworten.

  3. Aristide sagt:

    „Die werden wohl auch bald zur Waage greifen müssen.“

    Tun sie bereits: https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/wirtschaft/wirtschaftskrise-venezuelaner-zaehlen-ihr-geld-nicht-mehr-sie-wiegen-es_H1027547355_340358/
    😉

    Liegt wohl auch daran, dass der Kurs von ca. 11 VER = 1 € der offizielle Wechselkurs ist, der nichts mit der Realität zu tun hat (außer man ist priviligiert und bekommt tatsächlich Dollar/Euo zu diesem Kurs). Der reale Kurs liegt wohl eher um den Fakter 100 darunter https://dolartoday.com/ . Womit der 100 VEF-Schein nur noch 9 Cent wert ist! Da bleibt dann nur noch wiegen 😉

    Aber Abhilfe ist in Sicht: Demnächst soll es 20.000er Noten geben. Die wären dann immerhin 18 € wert (falls der Wechselkurs dann noch dort steht, wo er heute ist). http://www.zerohedge.com/news/2016-10-27/venezuela-throws-towel-hyperinflation-will-print-200x-higher-denominated-bills

    Bin gespannt, wann das Drama ein Ende hat. Sehen wir noch den 100 Billionen- Schein?

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