Gold und Silber (nur) als Mittel zum Zweck

13. November 2013 | Kategorie: RottMeyer

Dieser Beitrag erscheint im Rohstoff und Edelmetallheft der Edelmetallmesse in München

von Frank Meyer

Das Dumme an Geld ist, vorausgesetzt man besitzt welches, es haut immer wieder gerne ab. Manchmal wird ihm heftig dabei geholfen. Heute existiert Geld ohne einen Sicherheitsanker. Und selbst mit Bargeld kann man nicht außerhalb eines Marktes stehen – sondern mittendrin…

Gold und Silber dagegen ist „anderes Geld“ – eine Ware mit Tradition. Als „Ersatzgeld“ kommt es dann in Mode, wenn dem Papiergeld mit zunehmenden Misstrauen begegnet wird.

Gold – und Silberinvestoren gelten als besonders misstrauisch und wissen warum. Sie tauschen einen Teil ihrer Ersparnisse in gelbes und weißes Blech und transformieren damit ihre Guthaben in eine andere Form als die des Elektrogeldes. Das sollte eigentlich genügen, um in Anbetracht einer ungewissen Zukunft des Papiergeldes etwas ruhiger schlafen zu können. Denkste! Für die meisten beginnt dann aber der Stress. Die klammern sich an die Preise für die Gold – und Silberunzen und wurden 2012/13 gehörig durchgerüttelt. Steigende Aktienpreise müssen als eine Art von Beleidigung daher gekommen sein. Die teils wasserfallartigen Preisstürze garantierten schlaflose Nächte, vor allem, wenn man seine güldenen Ersparnisse in einer fein säuberlich geführten Excel-Tabelle dahin schmelzen sah.

Das erstaunt schon, erst aus einer Währung zu flüchten und dann seinen Reichtum in genau dieser Währung zu berechnen.

Wer an den Finanzmärkten unterwegs ist, der kauft etwas in der Hoffnung, es einem anderen später wieder teurer verkaufen zu können. Es ist eine Spekulation mit mehr oder weniger Gier. Das betrifft auch Gold – und Silberinvestoren, vor allem diejenigen, die stundenlang Kurse verfolgen und nach Gründen suchen, warum ihr Kursziel nicht längst schon erreicht wurde. Schließlich wollten manche längst schon mit einer Unze Gold alle Häuser in der Nachbarschaft aufgekauft haben und reich sein.

Gewinne werden mit dem Hintern oder Fleiß gemacht, selten aber mit schnellen Mausklicks. Es sei denn Sie sind eine Investmentbank mit guten Beziehungen. Was nutzt es, stets die aktuellen Kurse zu kennen? Man fühlt sich besser oder schlechter und vergeudet Zeit. Blöde Psychologie, wenn man dabei die Maßeinheiten Preis und Wert verwechselt. Mögen böse Manipulatoren am Werk sein – direkt oder indirekt – wer die Hitze dieser Küche nicht verträgt, sollte sie nicht erst betreten. Dass die Metalle eine politische Bedeutung haben, dürfte klar sein – und auch, worauf man sich mit ihnen eingelassen hat.

Lassen Sie mich zum Wichtigsten kommen. Es sind nicht die Preise der Edelmetalle, sondern deren Wert und persönlicher Besitz. Es ist schon ein Unterschied, ob man das Blech selbst verwahrt oder einem anderen anvertraut – oder gar nur ein Stück Papier besitzt, welches vorgibt, etwas zu sein, was es gar nicht ist. Papier – oder Klickunzen taugen als Spekulation, aber nicht als Sicherheit, auch wenn Experten etwas anderes erzählen.

Dennoch mache ich mir da keine Sorgen, dass die Produzenten der Papierprodukte genügend dankbare „Investoren“ finden. Schließlich stehen jeden Morgen neue Käufer auf mit dem Hang zum Kick und der eigenen Überzeugung, dieses Harakiri-Spiel für sich entscheiden zu können. Und dann kommt der Knock und der Verlust des sauer Verdienten. Gier frisst Hirn. Die Märkte sollten in den letzten beiden Jahren Demut gelehrt haben. Aber im Casino der Zertifikate gibt es immer Spaß! Spaß…? (Seite 2)

 

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4 Kommentare auf "Gold und Silber (nur) als Mittel zum Zweck"

  1. Skyjumper sagt:

    Zu 99 % unterschreib ich die Ausführungen sofort. Eines allerdings sollte man dennoch berücksichtigen bevor man Haus und Hof und Altersvorsorgen aller Art in goldene oder silberne Metalle umtauscht, wie das manchmal ja von einigen Hardcorebugs propagiert wird:

    Noch zumindest leben wir in einer Welt in der ich meine Rechnungen und Einkäufe nicht mit Edelmetallen, sondern ausschließlich mit den gültigen Papierwährungen begleichen kann.
    Und zumindest so lange dies so ist sollte man zumindest gelegentlich mal überprüfen/hinterfragen, inwieweit die gewählte Strategie noch sinnstiftend ist.

  2. abcmic sagt:

    Das Beste Argument für Gold für mich ist der Bedeutungsverlust Europas, Asien zum Beispiel bekommt immer mehr „Gewicht“, deshalb wird es auch in Zukunft viele kaufwillige Menschen für Gold geben, egal ob Europa und die USA verarmen oder nicht.

    Ansonsten ist der PREIS natürlich lächerlich teuer für einen „normalen“ Menschen, ich glaub im Ernst nur die wenigsten gewöhnlichen Leute würden nach 2 oder mehr Monaten hartem Sparen beim Betrachten der winzigen Unze Gold sagen: „Das ist es mir WERT!“.

    Und es gibt ein besseres Investment als Gold und Silber: Lebenszeit. Besonders wenn man die Wahl hat : Doppelt so viel arbeiten, doppelt soviel Papiergeld bekommen, und dann doppelt soviel Gold zu Hause herumliegen zu haben?? Sicherheit für die Zukunft, das wäre eventuell Freiheit in der Zukunft, dafür opfert man aber möglicherweise Freiheit in der Gegenwart !
    lg

    • Michael sagt:

      Aus dem EURO bin ich nicht geflüchtet. Vor dem EURO sollt man flüchten. Aber ist der Dollar um nichts besser. Wenn man sich die Schlagzeilen vorstellt, ‚20000 Europäer gekentert bei Abfahrt aus Lampedusa‘. Gold ist extrem gut für die Flucht, einnähen in eine Jacke usw… Ok, ins Wasser soll man damit nicht fallen.

      Es macht bestimmt keinen Sinn 2 Monate hart zu sparen und sich eine Unze Gold zu kaufen. Wieviele schaffen gut 600 EUR im Monat und selbst bei mehreren Monaten. Dadurch wird man ja nicht freier. Wie sie zurecht feststellten, ‚Zeit‘. Papiergeld ist an sich nichts anderes als die Abbildung von Zeit. Deswegen wird es auch allein benutzt. Zeit kann man auch ’nur‘ benutzen. Zeit im Sinne von der Distanzmessung zwischen 2 Zeitpunkten auf der Erde. Man muss sich in dem Zusammenhang mal Wachstum durchdenken oder allein den Kredit.

      Auch dieser Lug bezüglich Wert sei über die Besicherung des Kredits gegeben. Insbesondere wenn eine Bank die Besicherung einzieht. Sie bestiehlt ja nicht den Kreditnehmer sondern raubt die Zeit jener die das Haus haben errichtet. Wer baut einer Bank ein Haus, wohnt da jemand von der Bank drinnen? Möglw. hat man noch dem Kunden und seiner Familie gerne ein Haus gebaut, aber einer Bank … na bitte.

      Es ist eine enorme Schwäche in einem System von ungedecktem Geld, dass kein innerer Wert im Sinne von Wertschätzung der Leistung des Gegenübers wird transferiert. Mal abgesehen von der moralischen Komponente, wird eine Urgenz mitübergeben, das überschüssige Zahlungsmittel in werthaltigere Formen zu transferieren. Die wenigen Formen der Wertspeicherung die Sinn machen werden mit Ächtung belegt.

      Das muss mir einer erklären worin das Tote Kapital besteht, ein Konsumgut ist ja noch verwerflicher insbesondere, wenn es im Keller verrottet.

      “Time is priceless, but it’s Free. You can’t own it, you can use it. You can spend it. But you can’t keep it. Once you’ve lost it you can never get it back.”
      (Audrey Niffenegger, The Time Traveler’s Wife)

  3. Gabelzinken sagt:

    Der Herr Meyer hat einen sehr klugen Satz in seinen Beitrag geschrieben: „Während der Wert einer Unze immer gleich bleibt, ändert sich deren Preis sekündlich.“
    Man sollte sich immer vor Augen halten, daß man nicht immer diesen Preisen „hinterherrennt“!! und wie gesagt- Gier frisst Hirn und manchmal auch das bisschen Vermögen, was man hat. Michael

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