Gold und Silber – Kurzupdate vom „Düsseldorfer“

15. Juli 2011 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

Egal was derzeit von Politik, Finanzvertretern und Medien, dies und jenseits des Atlantiks verbreitet wird, Gold agiert zurzeit klar als Währung und nicht als Rohstoff. Die Währung Gold signalisiert derzeit: „Ich glaube euch kein Wort und euren immer schneller wechselnden neuen Theaterstücken erst recht nicht“. Ein Update von Michael, dem „Düsseldorfer“…

Ausgehend von den gestrigen Rekordhochs, die Gold auf Euro, britischem Pfund und US-Dollarbasis erzielen konnte, werden zurzeit Rücksetzer eingeleitet. Diese Rücksetzer sind völlig normal, absolut gesund und notwendig…

  1. Der Markt hat so die Möglichkeit „auszuatmen“ und Luft zu holen.
  2. Kurzfristig agierende Marktteilnehmer, die auf den schnell fahrenden Zug erst gerade aufgesprungen sind, werden verunsichert und wieder aus ihren Margin-Positionen „herausgekegelt“.
  3. Sehr häufig testet der Markt nach einem Ausbruch an den folgenden Tagen nochmals das Ausbruchsniveau, um sich zu vergewissern, dass es sich nicht um einen Fehlausbruch gehandelt hat.

Welche Marken sind auf US-Dollar und Eurobasis hier zu beachten?

Im US-Dollar sollten die Marken $1.570; $1.560 und $1.550 im Auge behalten werden. Im Euro sprechen wir hier speziell über die Marken €1.090 und €1.080.

Im Silber liegen die ersten Marken bei $38, darunter „könnte“ nochmals versucht werden die $36 zu testen. Auf Eurobasis dienen die Marken €26 – €24 als Anhaltspunkte, darunter die starke Unterstützung bei €22. Wir sprechen hier vom Spotpreis, den Sie bitte nicht mit den VK-Preisen von Edelmetallhändlern für angebotene Silberunzen verwechseln (Aufschläge + Mwst.). Als Anhaltspunkt kann bei den meisten EM-Händlern der Ankaufspreis dienen. Dieser reflektiert i.d.R. in etwa das derzeitige Spotniveau.

Speziell im Silber ist die Mehrzahl der „Experten“ der Meinung, dass der Silberpreis hier lediglich die vorangegangene Abwärtsbewegung korrigiert. Sie erwarten also wieder deutlich fallende Silberpreise. Die Überraschung lauert somit auf der Oberseite. Ein Ausbruch nach oben – und noch dazu in den doch eigentlich „typisch“ saisonal schwachen Sommermonaten – würde Etliche auf dem verkehrten Fuß erwischen. „Erstens ist es anders – zweitens als man denkt“.

Müssen Rücksetzer bei Gold und Silber bis auf die genannten Niveaus eintreten? Nein, aber sowohl auf US-Dollar, als auch auf Eurobasis wären Rücksetzer bis auf die genannten Marken völlig normal und unproblematisch. Bitte betrachten Sie diese Marken nicht als „in Stein gemeißelt“.Es sind lediglich wichtige Anhaltspunkte. Hier verlaufen sogenannte horizontale Unterstützungen, denen eine wesentlich höhere Bedeutung zu kommt, als z.B. irgendwelchen kurzfristigen Trendkanälen auf Stundenbasis.

Selbstverständlich wird von den professionellen Marktteilnehmern bei den sogenannten „Re-Tests“ der Ausbruchsniveaus gerne versucht so viele Anleger wie möglich zu narren, aus ihren bereits bestehenden Positionen raus zu drängen oder von Einstiegen (Käufen) durch Verunsicherung abzuhalten. Dieses „Spiel“ gehört seit Jahren immer wieder dazu.

Egal was derzeit von Politik, Finanzvertretern und Medien, dies und jenseits des Atlantiks verbreitet wird, Gold agiert zurzeit klar als Währung und nicht als Rohstoff. Die Währung Gold signalisiert derzeit:

„Ich glaube euch kein Wort und euren immer schneller wechselnden neuen Theaterstücken erst recht nicht“.

Hier ist m.E. ein Paradigmenwechsel erkennbar, der trotz der bereits seit Jahren gestiegenen Preisen „noch“ in den Kinderschuhen steckt. „Die Masse“ hat kein Gold, geschweige denn Silber. Wäre dies anders, würden nicht so viele auch hier im Blog immer wieder bestätigen, wie frustrierend es ist selbst mit Freunden über den Verfall der Papierwährungen und über die Edelmetalle zu sprechen.

Was sagt uns das Gold-Silber-Ratio (GSR) derzeit?

Silber konnte ausgehend von August 2010 bis Ende April 2011 eine fulminante Rallye gegenüber Gold hinlegen. Dabei wurde im bisherigen Tief ein Verhältnis von 1:31 (1Unze Gold kauft 31 Unzen Silber) erzielt. Mit der dann einsetzenden heftigen Korrektur des Silberpreises, die kurzfristig die deflationären gegenüber den inflationären Aspekten in den Blickpunkt schob (Auslaufen QE2), kletterte das GSR wieder zurück bis auf 1:45.

Der Markt „kennt“ diese Marke nur zu gut. Jahrelang bot das 1:45 Verhältnis quasi den Boden für fallende Goldpreise gegenüber Silber. Aus einer langjährigen Unterstützung ist jetzt jedoch ein nicht zu unterschätzender Widerstand geworden. (Seite 2)

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8 Kommentare auf "Gold und Silber – Kurzupdate vom „Düsseldorfer“"

  1. Frank2 sagt:

    Ganz große Klasse!!!
    Besonders das Ende.
    Einer der besten Texte bisher!

  2. Hal 9000 sagt:

    Ich schließe mich Frank2 ausdrücklich an!
    Diese Woche wurde die Zeit bis zur mittlerweile obligatorischen Metallwoche verkürzt (Metallwoche extra, Kurzupdate vom D.)

    Bis morgen! 🙂

  3. JayJay sagt:

    Guten Abend, ich schließe mich den Vorpostern an klasse gemacht, besonders der letzte Chart, super.
    Da haben sich wieder neue Synapsen, in meinem Gehirn gebildet. 😉

    Gold & Silber Ahoi

  4. Jochen sagt:

    Auch von mir herzlichen Dank für dieses Update.

    Vielleicht liege ich falsch, aber in Anbetracht der Gesamtlage müssten doch eigentlich jetzt stärkere Abflüsse an der Comex feststellbar sein, oder?
    Mich beschäftigt auch das Thema ’nachkaufen‘, speziell Gold.
    Ich weiss nicht, ob man darauf setzen sollte, nochmals deutlich günstiger ‚rein‘ zu kommen.
    In Vorfreude auf morgen: Schönen Abend

  5. Hans Moog sagt:

    Schöner Artikel!

    Der dargestellte Chart (Gold im Verhältnis zum Euro) ist allerdings falsch. Man muss nicht horizontal sondern vertial Spiegeln, um den Reziproken Kursverlauf zu erhalten.

    siehe: http://img221.imageshack.us/img221/2825/xaueur.png

    Dadurch ergibt sich dann sogar ein noch aussagekräftigeres Bild, da es ja auf deinem Bild so aussieht, als würde der Euro sich zum Ende hin „stabilisieren“, dabei geht der Kursrutsch ja gerade erst los 😛

  6. da Xare sagt:

    So jetzt bin i a mit dabei. Viele Grüße aus Bayern.

    Frank, dir möchte ich gratulieren zu dem genialen Blog.
    Die Metallwoche mit Michael ist ein weiterer Baustein bei der Betrachtung der Metallmärkte.

    Der letzte Chart in diesem Beitrag hat mich dazu bewogen hier meinen ersten Beitrag zu verfassen.
    Betrachte den Wertverfall der großen Währungen schon seit längerm in invertierten Charts.

    Ich hoffe jetzt mal, dass die Links zu den Charts funktionieren.

    Australischer Dollar
    http://www.abload.de/img/aud_goldauxu.png

    Canadischer Dollar
    http://www.abload.de/img/cad_gold0nk6.png

    Schweizer Franken
    http://www.abload.de/img/chf_goldgug1.png

    EURO
    http://www.abload.de/img/eur_golddn1o.png

    Britisches Pfund
    http://www.abload.de/img/gbp_gold8nee.png

    Japanischer Yen
    http://www.abload.de/img/jpy_goldeuzx.png

    US Dollar
    http://www.abload.de/img/usd_golden43.png

    Edit: Links geändert.

    • tizian sagt:

      Richtig gut, da Xare, und hallo erstmal,

      Danke für die Mühe;

      die vielen Links reinzustellen, mein erster Gedanke beim betrachten der invertierten Charts war: „Vom Kopf auf die Beine gestellt“.
      Angesichts dieser etwas anderen Betachtungsweise sollte nun auch dem letzten Goldhasser ein Seifensieder aufgehen 🙂
      zum USD chart in Gold:
      hier kann ich glasklar erkennen, dass die deflationäre Phase 2008 – ’09, dem Dollar in seinem Verfall nur ein Jahr Aufschub gebracht hat. Was für ein „Erfolg“ Nun, einen Versuch war’s wert. Einen zweiten Versuch wird’s kaum mehr geben.
      Grüße aus Berlin. T.

  7. rolandus sagt:

    Vielen Dank an den D’dorfer für den Einsatz und Mühe.

    Neulich beim EM Händler:
    Und, haben Sie noch Bestände?

    Wenig, das meiste ist weg(Silber) fragen Sie nächste Woche noch mal nach.

    Ergo:
    Die „zittrigen“ scheinen also weniger und die Interesierten mehr zu werden. Neulich erlebte ich sogar den Zufall, das in der Pizzeria ein Gast am Tisch neben mir ebenfalls den Smart Investor las und im Taxi leiste ich mir beim Kassieren um die 30 Euro Beträge auch gern die Bemerkung: Ich nehme auch gerne einen Wiener Philharmoniker und verweise bei dem ertstaunten Gesicht dann immer auf diesen genialen Blog.

    Schön Gruß nach D’dorf und nach Malle /Ried
    rolandus

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