Gold und Schulden…

12. Mai 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Nach den Erfahrungen der Vergangenheit dürften die Edelmetalle aus ihrer Lethargie erwachen, sobald das Thema US-Schuldenobergrenze wieder in der Öffentlichkeit auftaucht. Spätestens während der Sommermonate sollte es soweit sein…

Verdächtig still ist es derzeit um die Schuldenobergrenze in den USA: Seit dem 16. März sind die Vereinigten Staaten faktisch pleite. Will man einen „Government Shutdown“ verhindern, bei dem die Regierungsgeschäfte praktisch vollständig zum Erliegen kommen, hilft nur noch eine Anhebung dieser Obergrenze.

Eine Formalität, so möchte man meinen. Doch die derzeitige Stille um dieses extrem heiße Eisen passt so gar nicht zu dieser Erwartung. Tatsache ist nämlich, dass sich Republikaner und Demokraten schon beim jüngsten „Shutdown“ im Jahr 2013 bis aufs Blut bekämpft haben. Wenn man jetzt so gar nichts dazu hört, ist das ein sehr schlechtes Zeichen.

Nicht ganz zufällig ist die seit dem Jahr 2000 stark anwachsende Schuldenausweitung in den USA auch am Goldpreis nicht spurlos vorübergegangen. Im Gegenteil: Einiges deutet darauf hin, dass sich Goldpreis und die US-Schulden seit dem Start des größten Geldexperiments der Menschheitsgeschichte um die Jahrtausendwende tendenziell gleichläufig entwickeln. Die folgende Abbildung verdeutlicht diesen Zusammenhang: Wie gut zu erkennen ist, folgt der Goldpreis (goldfarbene Linie) der Schuldenobergrenze (schwarz) wie auch den aktuellen Schulden (rot).

Aktuelle Zahlen zeigen, dass sich beim Gold gewaltiges Nachholpotential aufgebaut hat: Während der offizielle US-Schuldenstand zwischen 1995 und 2017 um rund 300 Prozent auf rund 20 Billionen US-Dollar geklettert ist, legte der Goldpreis „nur“ um rund 220 Prozent zu. Nebenbei bemerkt waren die Edelmetalle in dieser Periode die besten aller Anlageformen, was in den Medien selbstredend verschwiegen wird.

Und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht: Um die rote Schuldenlinie in der Abbildung oben wieder einzuholen, müsste der Goldpreis auf rund 1.800 US-Dollar je Feinunze klettern, ein Anstieg um rund 44 Prozent.

Das bedeutet: Wenn die Vereinigten Staaten nicht urplötzlich ihre Schulden dramatisch reduzieren, was niemand ernsthaft annehmen kann, wird der Goldpreis diesen Rückstand mittelfristig wieder aufholen.

Nach den Erfahrungen der Vergangenheit dürften die Edelmetalle aus ihrer Lethargie erwachen, sobald das Thema US-Schuldenobergrenze wieder in der Öffentlichkeit auftaucht. Spätestens während der Sommermonate sollte es soweit sein.

Frankreich wählt den Euro-Sozialismus…

Bis dahin dürfte auch die jüngste Börsenparty wegen der Wahlen in Frankreich abgeklungen sein. Gut möglich, dass nach dem Triumph des Euro-Sozialisten Emmanuel Macron auch hier zu Lande schon bald einigen dämmern wird, was auf Deutschland und Europa in den kommenden Jahren zukommt: Eurobonds, die Vergemeinschaftung der Schulden der Länder Europas auf Kosten deutscher Sparer und Steuerzahler und die näher rückende Abschaffung des Bargeldes sind dabei nur die wichtigsten Eckpunkte.

Dazu ein bemerkenswertes Interview mit dem einflussreichen Ökonomen Kenneth Rogoff. Der Zeitschrift „Capital“ sagte der Harvard-Professor und frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einiger Zeit:

„Den Deutschen sollte klar sein, dass sie in der Zukunft eine Rechnung bezahlen müssen. Die wahre deutsche Schuldenlast ist höher, als die Zahlen es vermuten lassen. Sie sind nicht in der Bilanz zu sehen, aber eines Tages werden sie fällig.

Sie meinen die Garantien und Kredite für Hilfspakete…

Ja, die Deutschen sollten darauf vorbereitet sein. Ihr hättet diesen Schuldenschnitt in Europa im Grunde vor langer Zeit machen sollen, aber wenn Ihr es macht, solltet Ihr großzügig sein. Er wird ohnehin kommen. Denn es gibt wie gesagt das Risiko, dass die Euro-Krise nach dem Ende der lockeren Geldpolitik wieder aufflammt, und Deutschland wird dann wieder gezwungen sein, mit seiner Bonität und Wirtschaftskraft die Situation zu stabilisieren“.

Nun ist Rogoff ja nicht nur einer der weltweit einflussreichsten Ökonomen, sondern sozusagen im „Nebenberuf“ auch noch Teil einer mächtigen, internationalen Clique von Bargeldfeinden. In seinem Buch mit dem Titel „Der Fluch des Geldes“ hat Rogoff sein bevorzugtes Szenario freimütig erläutert.

Aus den in seinem Buch und im Capital-Interview freimütig dargelegten Gründen arbeiten Rogoff und seine Komplizen jetzt mit Hochdruck an einem kompletten Bargeldverbot in ganz Europa.

Dabei machen die Offenbarungen deutlich, dass die Abschaffung des 500-Euro-Scheins hier zu Lande nur der Anfang ist. Endziel ist die bargeldlose Gesellschaft mit der Möglichkeit, Negativzinsen in beliebiger Höhe durchzusetzen – bei vollständiger Kontrolle über die Bürger.

Was das im Alltag der Menschen bedeuten könnte? Ein unliebsamer Kommentar bei Facebook? „Leider bleibt der Geldautomat für Sie heute geschlossen“. Jeder mag sich selbst fragen, was weitere „Begleiterscheinungen“ solcher Entwicklungen sein könnten. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt…

Auch die „Endlösung der Sparerfrage“ ist am Horizont bereits klar auszumachen: Sobald die Target-2-Salden (folgende Grafik) der Deutschen Bundesbank schlagend werden, werden diese neuen Gelddiktatoren deutsche Sparer und Anleger zur Kasse bitten. Gibt es dann kein Bargeld mehr, ist es eine leichte Übung, die Konten der Menschen zu plündern und Milliardenbeträge bei den Deutschen abzubuchen – aus „Solidarität“ mit den verschuldeten Staaten Südeuropas versteht sich.

Was das alles mit dem Gold zu tun hat?

Manche Zeitgenossen bezweifeln ja immer noch, dass wir in außergewöhnlichen Zeiten leben. Das mag auch daran liegen, dass die Entwicklungen so gemächlich voranschreiten, dass man schon eine sehr präzise Wahrnehmung braucht, um den eingeschlagenen Weg zu erkennen. Andere halten sich lieber an Superinvestor Warren Buffett, der im Gold lediglich „nutzloses Zeug“ sieht.

Nun ist Warren Buffett natürlich Teil einer gesellschaftlichen Klasse, die es sich schlecht leisten kann, am Gold auch nur ein gutes Haar zu lassen. Schließlich ist man nach eigener Aussage mit so etwas wie einem „Klassenkampf“ beschäftigt, den man zu gewinnen gedenkt. Der Kabarettist Georg Schramm hat das in seiner unnachahmlichen Art im folgenden Video erläutert. Nicht verpassen sollten Sie auch Schramms Einlassungen zum IWF und anderen bedeutenden „Würdenträgern“gegen Mitte des Beitrags.

 Verständlich, dass Gold nur stört, wenn da einige mit so wichtigen Dingen wie der Versklavung des Fußvolkes beschäftigt sind.

Die Geschichte zeigt jedoch, dass ausgerechnet das von Warren Buffett gescholtene „nutzlose Zeug“ aus geldsystemischen Krisen immer (!) als der einzige Gewinner hervorgegangen ist. Weder Anleihen, noch Aktien oder Immobilien konnten der Stabilität und dem Werterhalt von Gold in wirklichen Krisen das Wasser reichen.

Die entscheidende Frage lautet also: Haben wir eine Krise, womöglich eine systemische, oder ist der Horizont rosarot und himmelblau? Jeder Leser möge das selbst entscheiden.

Was in den Diskussionen um den Sinn und Unsinn von Goldanlagen so gut wie nie gesehen wird: Gold ist gespeicherte Arbeit. Und nur Arbeit schafft Wohlstand. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum das Edelmetall seit Jahrtausenden alle Geldkrisen unbeschadet überstanden hat und die Menschen dem Gold zu allen Zeiten einen inneren Wert beigemessen haben.

Umso mehr dürfte das in den kommenden Jahren zutreffen. Denn grenzenloses Drucken von Papiergeld schafft weder Wohlstand noch Wachstum – „erschaffen“ werden stattdessen gigantische Schuldenberge, die alles unter sich begraben.

Das ist die Lage, in einem Finanzsystem, in dem Schulden und „Geld“ identisch sind…

©Andreas Hoose – Antizyklischer Börsenbrief

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Ein Kommentar auf "Gold und Schulden…"

  1. samy sagt:

    „Schließlich ist man nach eigener Aussage mit so etwas wie einem „Klassenkampf“ beschäftigt, den man zu gewinnen gedenkt.“

    Pardon, das ist falsch. Buffet sieht den Klassenkampf und fürchtet (!) das seine Klasse ihn gewinnen wird.

    „Es herrscht Klassenkampf, meine Klasse gewinnt, aber das sollte sie nicht“ wäre richtig.

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