Gold und Bitcoin

3. Februar 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Der Blick in die Währungsgeschichte zeigt, dass die Menschen, wann immer sie die Wahl hatten, Edelmetalle als Geld verwendet haben. Das ist nicht überraschend. Denn das Edelmetall hat die physischen Eigenschaften, die ein Medium haben muss, damit es die Geldfunktionen erfüllen kann.

Es ist knapp, homogen, haltbar, teilbar, prägbar, transportabel und wertgeschätzt, und es hat auch einen relativ hohen Wert pro Gewichtseinheit. Gold erfüllt all diese Anforderungen geradezu perfekt, und das ist auch der Grund, warum sich Gold im Wettbewerb um die Geldfunktion immer wieder durchgesetzt hat. Gold ist ein Jahrtausend erprobtes Geld, ein universal akzeptiertes Tauschmittel.

Dass das Gold heutzutage im Tagesgeschäft durch ungedecktes Fiat-Geld ersetzt worden ist, hat politische Gründe. Regierungen wollen eine Geldart, deren Wert sich nach politischer Willkür verändern lässt, um beispielsweise die Konjunktur zu beeinflussen oder Umverteilungen zu finanzieren. Goldgeld steht dem im Wege. Nicht jedoch das sogenannte staatliche Fiat-Geld: Es ist Geld, das per Kreditvergabe geschaffen wird, ohne dass dafür „echte Ersparnisse“ vorhanden wären. Das Fiat-Geld leidet allerdings unter ökonomi- schen und ethischen Defekten. Es ist chronisch inflationär, sorgt für eine unsoziale Verteilung von Einkommen und Vermögen, zettelt Boom- und-Bust-Zyklen an und treibt die Verschuldung der Volkswirtschaften immer weiter in die Höhe.

Spätestens seit der internationalen Finanz- und Wirtschaftskrise 2007 / 2008 treibt viele Sparer die Sorge um, ihre in Fiat-Geld denominierten Ersparnisse könnten entwertet werden. Das hat die Suche nach „gutem“ Geld ermutigt. Der prominenteste unter den neuen Wettbewerbern ist die Cyber-Einheit Bitcoin. Der Bitcoin ist ein digitales Tauschmittel, dessen Produktion – anders als beim Fiat-Geld – keiner zentralen Instanz unterliegt. Die Vermehrung der Bitcoin-Menge ist dem Zusammenschluss von Rechnerkapazitäten über das Internet überantwortet. Kryptographische Technik stellt sicher, dass nur der Bitcoin-Eigentümer seinen Bitcoin überträgt, dass ein Bitcoin nicht mehrfach ausgegeben werden kann.

Bitcoin-Transaktionen werden durch ein dezentrales Konsens-System bestätigt. Die dabei verwendete „Blockchain“-Technologie hat es in sich. Sie funktioniert wie ein digitaler Kontoauszug für Transaktionen zwischen Computern. Transaktionen werden dezentral und transparent auf vielen Rechnern verteilt gespeichert. Damit ist die Information nicht (oder nur mit ungeheuer großem Aufwand) manipulierbar. Dank der Blockchain werden quasi revolutionäre Entwicklungen in der Übertragung von Vermögensgütern möglich. Hierzu zählt auch das Verwenden eines goldgedeckten Bitcoins.

Ein sogenannter „gefärbter“ Bitcoin (in der Fachsprache: „Colored Bitcoin“) repräsentiert das Eigentum einer bestimmten physischen Goldmenge (beispielsweise steht 1 Bitcoin für 0,33 Feinunzen Gold). Physisches Gold lässt sich natürlich auch schon heute problemlos digitalisieren: Physisch gelagertes Gold wird zum Beispiel mittels Kreditkarten oder einer App auf dem Smartphone handelbar gemacht. Käufe – sei es im Supermarkt oder im Internet – lassen sich problemlos in Gold abwickeln. Bisher haben staatliche Restriktionen – wie zum Beispiel Besteuerung und Regulierung – jedoch einen echten Wettbewerb des Geldes erschwert beziehungsweise unmöglich gemacht.

Der Bitcoin könnte die Stolpersteine, die der Staat dem Wettbewerb um gutes Geld in den Weg legt, mehr oder weniger unwirksam machen. Wie immer in einem Wettbewerbsprozess lässt sich zwar sein Endergebnis nicht vorab exakt benennen. Die Bitcoin-Fans haben jedoch gute Gründe, um in der Krypto-Währung ein besseres Geld als das staatliche Fiat-Geld zu erblicken. Gleiches gilt natürlich auch für die Goldanhänger, die im Bitcoin und seiner Blockchain-Technologie ein „Transportmittel“ für physisches Gold sehen, das letztlich die Verwendung von Goldgeld unwiderstehlich macht.
(Der Artikel erschien im World Money Fair Katalog 2016)

 

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