Gold und andere Dinge…

11. Mai 2014 | Kategorie: RottMeyer

von Manfred Gburek

Eigentlich entspricht die Entwicklung des Goldpreises seit über einem Jahr, wenn man sie um Zwischenhochs und -tiefs bereinigt, einer Seitwärtstendenz. Eigentlich. Doch die Wahrnehmung durch Anleger, die den Goldpreis täglich verfolgen, ist eine ganz andere…

Preiseinbruch – Erholung – Preiseinbruch – wieder Erholung und so weiter. Zugegeben, das kann besonders solche Goldanleger nervös machen, die entweder zu wenig Übung im Umgang mit dem Edelmetall haben oder die einseitig in ihm investiert sind.

Zunächst seien beide Anlegergruppen getröstet. Denn erstens: Scharfe Preiseinbrüche in wenigen Minuten oder sogar nur Sekunden, wie ein Mal mehr am vergangenen Mittwoch zu beobachten, sind eindeutige Indizien für eine jeweils nur kurzfristig wirksame Manipulation. So etwas nutzt sich im Lauf der Monate immer mehr ab, bis die Wirkung – wahrscheinlich noch in diesem Jahr – ganz ausbleibt.

Und zweitens: Das Manipulationsmotiv besteht offenkundig in der Erhaltung eines letzten Rests von Vertrauen in die völlig überbewerteten Papierwährungen und damit im Säen des Misstrauens in Gold. Nach dem Motto: Seht her, der Goldpreis stürzt ab, das ist der Beweis dafür, dass mit den Währungen alles zum Besten steht! Steht es aber gerade nicht.

Denn was die Notenbanken weltweit an Papiergeld in die Märkte pumpen, bedeutet ganz einfach, dass die Menge dieses Geldes im Verhältnis zur vorhandenen Menge an Gold – wie auch an sonstigen Werten – zunimmt. Das heißt, dass – mathematisch einfach nachweisbar – der Wert des Papiergeldes, gemessen an seiner Kaufkraft, zwangsläufig abnehmen muss.

Aber sind denn Anleger Ignoranten, dass sie diesen Zusammenhang nicht schon längst durchschaut haben und daraus ihre Konsequenzen ziehen, indem sie den Goldpreis nach oben befördern?

Einerseits ja, andererseits spielt in diesem Zusammenhang der Zeitfaktor eine große Rolle: Nachdem Anleger von 2001 bis 2011, also immerhin zehn Jahre lang, vom gestiegenen Goldpreis stark profitiert haben, konzentrieren sie sich seitdem mehr auf Aktien. Und dass Aktien ebenso wie Gold einen gewissen Schutz vor der Entwertung des Papiergeldes bieten, ist leicht nachvollziehbar. Derzeit bemühen sich die führenden Notenbanken mit allen erdenklichen Mitteln um die Abwertung ihrer Währungen. Dadurch stützen sie die Exporte, was wiederum den Unternehmen in den betreffenden Ländern und damit ihren Aktien zugute kommt.

Wie lange noch? Nicht mehr lange, denn das Pumpen von Papiergeld nutzt sich erfahrungsgemäß in dem Ausmaß ab, wie immer weniger lukrative Aktien es nach allgemein akzeptierten Bewertungsmaßstäben zu finden gibt. Danach muss es zwar nicht unbedingt aus dem Stand zum nächsten Aufschwung des Goldpreises kommen; aber die Wahrscheinlichkeit, dass er mit einer leichten Verzögerung von wenigen Monaten steigen wird, wächst mit den unbewältigten Problemen der führenden Volkswirtschaften.

Lassen Sie mich dies anhand der aktuellen Probleme in den USA skizzieren – wobei ich es interessant finde, dass am Donnerstag alle Welt wie gebannt auf EZB-Chef Mario Draghi blickte, der wieder einmal seiner Rolle als Super-Mario gerecht zu werden versuchte. Derweil schien kaum jemand an den Ergebnissen der Sitzung der US-Notenbank Fed vom Mittwoch interessiert zu sein. Zu Unrecht, wie die folgenden Daten zeigen:

Die Geldpolitik der Fed bleibt locker.

Der schleppende Konjunkturverlauf insgesamt spricht ebenso dafür wie die erneute Schwäche am US-Immobilienmarkt. Der Konsum, in den USA mit einem Anteil von rund 70 Prozent an der Wirtschaftsleistung traditionell besonders hoch, kommt einfach nicht in Fahrt. Die Inflation will und will nicht die angepeilte Höhe von 2 Prozent erreichen, was von so manchem Fed-Beobachter bereits als Versagen der Geldpolitik des Quantitative Easing (Anleihenkauf) interpretiert wird.

Die strukturellen Problem des Arbeitsmarktes – hoher Arbeitslosensockel, geringe Lohnsteigerungen u.a. – bleiben bestehen. Der Aktienanteil an den Ersparnissen der Amerikaner ist unter 50 Prozent gesunken, Tendenz weiter abwärts. Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander. Und um den Lebensunterhalt finanzieren zu können, verkaufen immer mehr Amerikaner ihre Aktien, um von den erzielten Kursgewinnen zu leben. Kurzum, Fed-Chefin Janet Yellen muss sich etwas Neues einfallen lassen. Mario Draghi auch.

Manfred Gburek – Homepage von Manfred Gburek

Hier finden Sie mein letztes Interview mit Manfred Gburek

 

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