Gold und Aktien gegen „Helikopter-Euro“

19. März 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Dass die EZB demnächst „Helikopter-Euro“ ausgibt, ist nicht mehr von der Hand zu weisen. Für die Euro-Kaufkraft verspricht das nichts Gutes…

Die Europäische Zentralbank (EZB) unter Führung von Mario Draghi hat hinreichend bewiesen, dass sie vor nichts zurückschreckt, wenn es gilt, den Euro zu erhalten, beziehungsweise den Euroraum zusammenzuhalten…

Diese EZB-Geldpolitik läuft darauf hinaus, strauchelnde Euro-Staaten und -Banken mit Tiefstzinsen und vor allem mit neu geschaffenem Geld zahlungsfähig zu halten.

Mittlerweile liegt der EZB-Leitzins bei null Prozent. Doch damit nicht genug: Die EZB wird bald Kredite mit Negativzinsen an Euro-Banken vergeben. Das heißt, Banken machen Gewinne, wenn sie sich bei der EZB verschulden! Die EZB will dadurch die Bankkreditvergabe und Geldschöpfung im Euroraum „ankurbeln“. Auf diese Weise soll die Konjunktur belebt, vor allem aber die Inflation in die Höhe getrieben werden.

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Dass die Inflation der Konsumentenpreise – sie liegt derzeit bei 0,3 Prozent – mit allen Mitteln wieder in Richtung des Inflationsziels in Höhe von 2 Prozent (oder darüber hinaus) gehoben werden soll, kommt nicht von ungefähr.

Preise sollen steigen

Damit das Schuldgeldsystem nicht in sich zusammensackt, müssen die Preise der Güter im Zeitablauf immer weiter ansteigen – und zwar nicht zu stark, aber vor allem nicht mit zu geringen Raten.

Das aber macht es erforderlich, dass die Banken die Geldmenge per Kredit immer weiter ausweiten. Im Euroraum ist genau das jedoch ins Stocken geraten, weil viele Banken mittlerweile ernste Probleme haben.

Angesichts angeschlagener Bilanzen sind viele Euro-Banken nicht mehr in der Lage oder willens, neue Kredite zu vergeben und dadurch neues Geld, das preistreibend wirkt, in Umlauf zu bringen.

Die EZB will sich nun dem Verlangsamen des Preisauftriebs beziehungsweise möglicherweise fallenden Preisen entgegenstemmen. Etwa indem sie Banken Kredite, die Negativzinsen tragen, verabreichen will.

Das ist nichts anderes als ein Schritt, um die Euro-Geldmenge dauerhaft zu erhöhen. Es könnte allerdings noch schlimmer kommen. Das Stichwort heißt an dieser Stelle „Helikopter-Geld“.

Achtung: Helikopter-Geld

Mit Helikopter-Geld wird in „Fachkreisen“ eine besondere Form der Vermehrung und Verteilung der Geldmenge bezeichnet: Die Zentralbank bringt neues Geld in Umlauf und verteilt es nach eigenem Gutdünken. Im plakativsten Fall ordnet die Zentralbank an, neu gedruckte Banknoten aus dem Hubschrauber über der Volkswirtschaft abzuwerfen. Wer die meisten Geldscheine einsammelt, wird reicher.

Wer nichts von den neuen Geldscheinen erhält, wird ärmer. Diese Einsicht lenkt den Blick auf eine wichtige Erkenntnis: Das Ausweiten der Geldmenge ist niemals neutral. Stets gewinnen einige auf Kosten anderer. Wenn eine Zentralbank zu Helikopter-Geld greift, stellt sich aber nicht nur die Verteilungsfrage (also: Wer bekommt wann und warum neues Geld?) Es stellt sich auch die Frage: Wieviel Helikopter-Geld soll ausgegeben werden?

Es ist vor allem die Frage, wieviel neues Helikopter-Geld ausgegeben werden soll, die jedem, der sein Geld in Euro hält, (spätestens jetzt) die Sorgenfalten auf die Stirn bringen muss. Denn bei der Ausgabe von Helikopter-Geld ist der politischen Willkür Tür und Tor geöffnet. Das wird deutlich, wenn man sich vor Augen führt, wie derzeit die Geldmenge ausgeweitet wird.

Willkür-Verteilung von Helikopter-Geld

Der Kreditnehmer nimmt einen Kredit auf, wenn er der Meinung ist, dass die Rendite, die er mit der kreditfinanzierten Investition erzielen kann, den Kreditzins (beziehungsweise seine Kapitalkosten) übersteigt. Gleichsam ist die Bank nur dann bereit, einen Kredit zu vergeben, wenn sie der Meinung ist, dass der Kreditnehmer in der Lage ist, seinen Schuldendienst vollumfänglich zu leisten.

So gesehen ist das Zustandekommen des Kreditgeschäftes und der damit verbundenen Geldmengenvermehrung immerhin verbunden mit der Erwartung, dass der Kredit eine produktive Leistung finanziert. Das Helikopter-Geld hat hingegen keinerlei Verbindung mehr zu einer produktiven Leistung. Seine Ausgabe beruht allein auf politischer Willkür: Die Zentralbank entscheidet, wer wann wieviel Geld bekommt.

Es fällt nicht schwer zu erkennen, wie Helikopter-Geld in der Praxis eingesetzt würde. Die Zentralbank würde (1) den Banken so viel neues Geld verabreichen, um einen Systemzusammenbruch abzuwenden. Sie würde (2) neues Geld vor allem auch an politisch wichtige Industrien ausgeben (müssen), d. h. also insbesondere an beschäftigungsintensive Industrien, die ohne derartige Subventionen im freien Markt nicht bestehen können.



Kaufkraft des Euro schwindet

Das Ausgeben von Helikopter-Geld wird niemals neutral sein. Selbst wenn die EZB entscheiden würde, die Konten aller Bürger im Euroraum um einen bestimmten Prozentsatz X zu erhöhen, wäre das nicht neutral. Es würde vielmehr einige besser stellen auf Kosten anderer. Vor allem ein Problem würde dabei akut werden: Wieviel Geld soll die Zentralbank in Umlauf geben? Soll die Geldmenge um zwei, vier oder zehn Prozent erhöht werden?

Die Regierungen im Euroraum würden natürlich heftigen Druck auf die Helikopter-Geld produzierende EZB ausüben, die Staatshaushalte mit neuem Geld (das zinslos bereitgestellt wird) zu finanzieren. Wohin es führt, wenn Staaten ihre offenen Rechnungen mit neu geschaffenem Geld, auf das sie quasi ungehindert zugreifen können, finanzieren dürfen, ist absehbar: Zur Zerrüttung der Kaufkraft des Geldes.

Zum einen ist bekanntlich der Appetit der Politiken auf mehr Geld unersättlich. Zum anderen würde auch der politische Wettbewerb das Finanzieren von Wahlgeschenken mit neu geschaffenem Geld anheizen. Mit anderen Worten: Beginnt eine Zentralbank erst einmal Helikopter-Geld auszugeben, verliert sie vollends die Kontrolle über die Geldschaffung. Das wiederum muss den Inflationserwartungen Auftrieb verleihen.

Gold als Versicherung

Bei all dem sollte nicht aus den Augen verloren werden, um was es letztlich geht: Die Zentralbank will die Inflation in die Höhe befördern, damit das Schuldgeldsystem nicht ins Wanken gerät. Wenn dabei aber das Wachstum nicht kommt, wird es prekär. Dann wird die Schuldenlast, die in den letzten Jahrzehnten aufgetürmt wurde, rasch immer drückender.

Schuldner müssen dann entweder die Hand heben, oder aber die elektronische Notenpresse wird angeworfen, um die Schulden mit neu geschaffenem Geld zurückzuzahlen. Oder es wird eine Kombination aus beidem gewählt. Die Bedrohung für das Finanzvermögen ist größer als man vielleicht derzeit – in einem Umfeld recht niedriger Konsumentenpreisinflation und leicht verbesserter Konjunkturlage – meinen mag.

Die niedrigen Nominalzinsen drohen früher oder später zu negativen Realzinsen zu werden. Die Politik der Zentralbanken entwertet dann traditionelle Sparformen wie Termin- und Spareinlagen, Staats- und Bankanleihen, Rentenfonds und Lebensversicherungen. Sparer sollten daher reagieren. Hier zwei (langfristig orientierte) Überlegungen. (1) Renditen, die nach Abzug der Inflation positiv sind, können grundsätzlich im Aktienmarkt erzielt werden. Und zwar indem man in „gute“ Unternehmen investiert, also Unternehmen, die etwas können, was andere nicht können, und die inflationsresistente Geschäftsmodelle haben – die also auch bei Inflation Gewinne erzielen können. Wenn man gute Unternehmen zu einem günstigen Preis kaufen kann, wird man sein Kapital nicht nur erhalten, sondern auch mehren können. Die Geschichte zeigt: Bei einem guten Unternehmen war das Kapital gut aufgehoben.

(2) Es bietet sich an, einen Teil des liquiden Vermögens in der Währung Gold zu halten. Gold ist ein seit Jahrtausenden erprobtes Geld. Es ist auch eine Versicherung gegen die Widrigkeiten des ungedeckten Papiergeldsystems. Das Gold kann – anders als die ungedeckten Papiergeldwährungen – nicht durch politische Willkür entwertet werden.

© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

 

7 Kommentare auf "Gold und Aktien gegen „Helikopter-Euro“"

  1. Skyjumper sagt:

    „Das Gold kann – anders als die ungedeckten Papiergeldwährungen – nicht durch politische Willkür entwertet werden.“

    Das ist zwar in allerallerletzter Konsequenz nicht falsch, aber dennoch eine in die Irre leitende Aussage. Ich setzte zwar persönlich auch teilweise auf Edelmetalle, gleichwohl sollte man sich folgendes bei seinen Entscheidungen vor Augen halten:

    1) Die Bündnisgemeinschaft aus EZB und den politischen Kasten der EU-Mitgliedsländer kennt bereits seit 5 Jahren keine Skrupel mehr bei der Wahl ihrer Mittel. Negativzinsen und das von Polleit an die Wand geworfene Helikopter-Geld sind dafür nur die sichtbare Spitze des Eisbergs. Diese Bündnisgemeinschaft wird auch keinerlei Skrupel kennen wenn es darum geht Hindernisse zu beseitigen, bzw. zu verbieten.

    2) Die (zwingend) gewünschte Wertaufbewahrung ist Girogeld (also auf einem Bankkonto) in Euro sowie auf Euro lautende Unternehmensbeteiligungen und Anleihen. Und jede alternative Wertaufbewahrung wird man drangsalieren oder verbieten. Goldbesitz wird bei entsprechenden Druck im Kessel schlicht verboten werden. Wer es nicht abgibt macht sich zum einen strafbar (für viele wird das nicht in Frage kommen), zum anderen würde Gold zwar nicht seinen „Wert“ verlieren, aber eine wichtige Geldeigenschaft, es wäre nämlich nicht mehr liquide.

    3) Bargeld könnte abgeschafft, zumindest drastisch eingeschränkt werden. Die Diskussionen darum laufen bereits. In Folge könnten die allermeisten Geschäfte ausschließlich bargeldlos über Bankkonten abgewickelt werden oder man muss auf den Schwarzmarkt ausweichen, also sich erneut in die Illegitimität begeben.

    4) EU/EZB sind nicht alleine mit dem Problem. Die USA und weitere Währungsländer könnten/würden wahrscheinlich die Schritte nachvollziehen. Ein Ausweichen, bzw. transferieren des Goldes ins Ausland würde damit deutlich erschwert. Da Goldbesitz ja verboten wäre, wäre es zudem Schmuggelgut, eine weitere Straftat.

    5) Wenn (falls) das Drama einmal beendet sein sollte, bestehen vermutlich langfristig (das Goldverbot in den USA dauerte 40 Jahre) Chancen den Goldbesitz (der seinen Wert ja durchaus behalten hätte) wieder in legale Wertspeicher zu transferieren. Schwarzgeld(Gold) wäre es aber auch dann noch, man müßte also Geldwäsche betreiben. Gold kann also (wahrscheinlich) Vermögen über die Krise retten, während der Krise muss man aber auf diesen Teil des Vermögens verzichten können. Ich halte es also für eher unwahrscheinlich das man seine Liquidität in der Krise mit Gold erhalten kann.

    6) Niemand sollte glauben das ein Goldverbot etwas exotisches sei. Das hat es bereits sehr oft gegeben, und nicht nur in den USA. Deutschland, England, Frankreich haben da auch alle Erfahrung mit.

    7) Seien sie sich sicher. Alle Methoden die der (gewollten) Vermögensvernichtung erfolgreich widerstehen können werden (für den Normalbürger) verboten werden, also illegal sein.

    • Argonautiker sagt:

      „Gold kann also (wahrscheinlich) Vermögen über die Krise retten, während der Krise muss man aber auf diesen Teil des Vermögens verzichten können.“

      Ihr gesamter Kommentar umreißt sehr schön die Goldproblematik, und trifft in obiger Aussage den Kern.

      Allerdings muß ich ihre Rechtschreibung bemängeln, und auf die neue Schreibweise des Wortes „Krise“ bestehen, denn seit sich Merkel als Oberschergin derselben betätigt, hat die Mehrheit der Wähler demokratisch entschieden, es mit einem merkelianisch amerikanisch geprägten „th“ und lang gezogenem „i“ in „Kriethe“ umzuwandeln. 🙂 🙂 🙂

      So unangenehm die Erkenntnis auch ist, und so sarkastisch man mit der Situation auch umzugehen gedenkt, man kommt final nicht umhin, sich die Wirklichkeit schonungslos vor Augen zu führen. Die Problem die wir haben ,sind keine äußerlich entstehenden Krisen, sondern sind die Ergebnisse von in die Kriminalität abgeglittenen Regierungen. Diese versuchen ihren Machterhalt, mit eigentlich illegalem Vorgehen zu erhalten, indem sie mittels Regeländerungen, ihrer Illegalität einen rechtlichen Untergrund schaffen.

      Das Ganze dient der Umverteilung einer von ihnen erzeugten Schuld, und deshalb kann ich Ihnen nur voll zustimmen, man wird nicht umhin kommen, und immer obskurere Dinge durchzusetzen versuchen, denn hat man einmal den Weg der Illegalität eingeschlagen, kommt Eins zum Anderen. Das gilt auch für Regierungen.

      Erreicht wird dies zusätzlich, indem Regeln, die eigentlich für alle gelten sollten, für Regierungen und andere sogenannte Systemrelevante, nicht mehr gelten. Enden tut diese wahnhafte Selbstüberschätzung meist im Krieg, der die höchste Stufe der Kriminalität darstellt, da man dann noch nicht einmal mehr vor Massenmord zurückschreckt, um seine Ziele zu erreichen. Das Regierungen das angeblich dürfen, ist bloße nationalistische Verklärung, um im Hintergrund ihre persönlichen Ziele zu erreichen. Alles für das Vaterland.

      Eigentlich dient es jedoch ausschließlich dazu, um ihre Positionen zu sichern und zu erweitern. Und dieser Wahnsinn scheint derzeit nahezu weltweit in vielen Machthabenden hervorzuquellen.

      Da es also alles Andere als nur eine beteiligte Regierung oder Interessensgruppe gibt, die zur Erlangung ihrer Interessen auch nicht davor zurückschrecken, Andere ins gegenseitige Schlachten zu schicken, ist es auch alles Andere als Gewiß, ob nun Edelmetalle, Buchgeld, Reis und Linsen, oder ein kehliges Allahu Akbar, der geeignete Wertespeicher ist.

      Es gibt die westlichen Buchgeldspinner, die östlichen Rohstoffspinner, und an ihrer Schnittkante die Religionsspinner. Und alle befürworten etwas anderes als Dominanzfaktor. Allen gemein ist der Wunsch über das Leben dominieren zu wollen, und dazu braucht es einen Mammon an den alle glauben. Gescheiterte Seelen.

      Ich denke also, die alte Anlegeweisheit, möglichst breit zu streuen, so denn möglich, ist sicherlich auch hier ganz angebracht. Und wenn es ganz schlimm kommt, empfehle ich durchaus auch ein kleines Investment in Steinäxte zu tätigen, so man denn so eine Zeit überhaupt erleben möchte.

      Man kann es nicht oft genug aussprechen, die Machthabenden haben kein Problem, sondern sie sind das Problem. Und es ist äußerst schwierig sich vor ihrer Art der Problemlösung zu schützen. Goldverbote dürften da nur ein kleineres Übel sein, da es eh nur Wenige betrifft.

      Beste Grüße

  2. PetraM sagt:

    Das eigentliche „Problem“ ist wohl, dass unsere Welt endlich ist. Und in einer endlichen Welt kann das Wachstum nicht unendlich sein.
    Und was ist schlimm daran,
    • die Umsatzzahlen zu halten bzw. herunterfahren, dadurch den Gewinn und die Lohnkosten zu stabilisieren (gleichviel zu produzieren, eher weniger) und damit Abkehr von der von Politikern gebetsmühlenartig wiederholten Behauptung, „permanentes Wirtschaftswachstum als Garant materiellen Wohlstands“ zu betrachten.
    Denn diese Beschwörungsformel wird sich nicht bewahrheiten, außer für die großen Konzerne und deren Manager. Diese geben ihren Wohlstand nämlich doch nicht NICHT an ihre werteschaffende Belegschaft weiter, wie doch händeringend und mit Steuergeschenken und -erlass vorauseilend von der Regierung „angemahnt“, aus Angst, das scheue Reh Kapital würde fliehen und noch mehr Arbeitsplätze damit zerstören. Findige Rechtsanwälte/ Steuerberater sind weiter emsig damit beschäftigt, Steuervermeidungsgesetzeslücken (gern genommen auch die doppelte Nichtbesteuerung über den Konzernsitz in mehreren Ländern) ausfindig zu machen. Unternehmerverantwortung? Aus welchem Märchen stammt denn dieser Begriff? 2015 hieß es: der gesamte Jahresüberschuss aller 30 Dax-Konzerne stieg im vergangenen Geschäftsjahr um 14 Prozent auf 67,3 Milliarden Euro. Die Krise geht also am A…, äh DAX vorbei. Gut, 2016 begann das Jahr nicht so vielversprechend, die „Stimmung“ war etwas verhalten, sicherlich durch die Unwägbarkeit der „gelben Gefahr“. Aber so ist es nun mal, Emotionen und nicht wissenschaftliche Rationalität beherrschen die Börse. Mein Eindruck jedenfalls.
    Dagegen: die „Belegschaft“ ist gefangen wie in einem Hamsterrad. In Deutschland hat sich u. a. ein riesiger Niedriglohnmarkt dank der Politik etablieren können. Wie schreibt Frank Meyer in „Kein Bock auf Aktien“, 2014: „Die Zahl der potentiellen Neuaktionäre ist zudem begrenzt, denn immer mehr Leute haben andere finanzielle Sorgen, als sich mit den Kurslisten der Börse Frankfurt zu beschäftigen.“ Es fehlt einfach am „finanztechnischen Kanonenfutter“.
    Und wenn nun angedroht wird, mit noch mehr Geldgeschenken alá „Hubschrauberprinzip“ die Bevölkerung oder Firmen zu mehr Investitionen zu verleiten, wird das keinen Erfolg haben. Kaum jemand schafft sich bisher im Alltag nicht vermisste Konsumgüter an, aus Angst, das Geld könne an Wert verlieren. Im Gegenteil, Angst lähmt die Konsumfreudigkeit und schürt Existenzsorgen. Und Firmen werden vielleicht Investitionen tätigen, die eigentlich ohne Geldsegen aus kaufmännischen Gründen erst gar nicht erst vorgenommen worden wären (der Markt ist vielleicht noch gar nicht bereit für Innovationen). Das beste Beispiel ist die „Abwrackprämie“ 2009. Damit konnte nur ein Aufschub erreicht werden, dank Pseudonachfrage eben.
    Und zum Schluss zu dem Satz im Artikel: „ Rendite erzielen,.. und zwar indem man in „gute“ Unternehmen investiert. Bin ich auch dafür, wer es sich denn leisten kann, dann vielleicht in den deutschen Mittelstands- Dax, der immerhin 50 Unternehmen vereint.

    • Skyjumper sagt:

      „….und was ist schlimm daran……?

      Nunja, die Frage ist nicht schlecht. Die Antwort die Sie geben erfolgt allerdings aus einem zu begrenzten Blickwinkel. Natürlich ist es absolut korrekt das unendliches Wachstum und ein endlicher Rahmen sich gegenseitig ausschließen. Der Kern der Forderung nach unendlichen Wachstum der Wirtschaft ist jedoch nicht die Wirtschaft als solche, sondern das unserem Gesellschaftssystem zugrundeliegende Finanzsystem. Dieses Kreditsystem MUSS zwingend wachsen um nicht zu kollabieren. Dieser Wachstumszwang des Finanzsystems zieht den Wachstumszwang des Wirtschaftssystem wie an einem Gummiband hinter sich her.

      Wenn Sie also akzeptieren wollen (was durchaus stichhaltig begründbar ist) das Wirtschaftswachstum zu stoppen, müssen Sie auch akzeptieren dass das Finanzsystem kollabiert. Ein stagnierendes Wirtschaftssystem muss für sich genommen keine schlimmen Folgen haben. Aber es ist nunmal nicht autark, sondern untrennbar mit dem Finanzsystem verwachsen welches ohne stetiges Kreditwachstum zusammenbricht.

      Und jetzt fragen Sie sich nochmal: Was ist schlimm daran? Jetzt dürfte die Antwort, gerade für die abhängig beschäftigten und den Mittelstand, durchaus anders aussehen. Es geht. Ganz sicher sogar. Doch „schlimm“ ist eine Definitionsfrage.

      • PetraM sagt:

        Hallo, Skyjumper. Danke, dass Sie meinen Kommentar gelesen haben und auch darauf eingegangen sind. Davon lebt ja so ein Blog:-). Zu Ihren Ausführungen will ich mal mit Volker Pispers antworten, der immer noch topaktuell ist: https://www.youtube.com/watch?v=1O8kFEo8Hws

      • Skyjumper sagt:

        🙂 Pispers bringt es wie so oft pointiert auf den Punkt. In diesem Fall bereits in den ersten Sätzen. Aber auch wenn das Publikum lacht. Vergnüglich ist es eigentlich nicht. Und eine Lösung bietet er (verständlicher Weise) auch nicht an. Letztlich reibt er uns nur genüsslich unter die Nase das wir die freie Wahl haben: Pest oder Cholera. Aber Humor ist eben wenn man trotzdem lacht.

        Dennoch, oder trotzdem, einen schönen Start in die Woche.

      • Argonautiker sagt:

        Stimme auch hier zu.

        Die Lösung hat man leider verpaßt, denn die hätte darin bestanden, daß die Regierungen die Hochfinanz spätestens seit Lehman abgewickelt hätten.

        Seit dieser Insolvenzverschleppung verdient man in der Hochfinanz nur noch am Zerstören des Gewachsenen, und des sich Einverleibens, was die Nationen final eben in den großen Krieg treibt.

        Ich glaube nicht, daß man das nun noch ändern kann, weil in sämtlichen Regierungen, durch das auf Linie bringen, nahezu nur noch Leute sitzen, die nicht dagegen aufbegehren werden, sondern den beschrittenen Weg mitgehen.

        Wer sollte die Hochfinanz abwickeln, wenn die Regierungen auf ihrer Seite stehen, und die obersten Gerichte mangels Befugnis ebenfalls eindeutig versagen. Was wir erleben ist das zusammenbrechen eines Mammons. Und dieses Zusammenbrechen möchte man so gut es geht so regeln, das man weiterhin gut dasteht.

        Das Muster dazu ist klar abzusehen. Man hat Rußland in eine Position wie Deutschland vor dem 2.Weltkrieg getrieben, und seinen Schuldigen damit auserkoren. Man wird mit dem Provozieren auch nicht mehr aufhören, bis man irgendwas gefunden hat, was Rußland nicht mehr tolerieren kann, und angreift. Man wird mit dem provozieren deshalb nicht aufhören, WEIL es am Frieden derzeit für die Hochfinanz eben nicht mehr genug zu verdienen gibt.

        Und man ist durch das Schuldgeld dazu in der Lage, das sehr lange durchzuhalten, denn theoretisch können sie sich unbegrenzt durch das Gelddrucken erhalten, solange sie politisch durch Legalisierung gedeckt werden. Und wie es sich zeigt, neigt man dazu, wenn etwas legal nicht mehr geht, das Illegale zu mindest für die Regierung und Systemrelevanten legal zu machen. Man hat ja nicht anders können, weil da einer Schuld war.

        Klar könnte das Volk dem Einhalt gebieten, aber dieses Volk, was dazu von Nöten wäre, gibt es nicht, es ist eben selbst darin verstrickt, denn jeder hängt irgendwie an dem Finanzsystem. Sei es über Schulden, Zinseinkünften, Sozialleistungen,…, eigentlich hängen sämtliche leistungslosen Einkünfte daran.

        In den 70iger Jahren wäre der eigentlich richtige Zeitpunkt gewesen, die Wirtschaft von einem Wachstumssystem auf ein Erhaltungssystem umzustellen. Damals hat man eine stagnierende Wirtschaft durch das Schulden machen dürfen beleben wollen. Was wir jetzt erleben ist das Resultat des Überreizens der letzten 40-50 Jahre.

        Das kann man nun nur mit einer noch größeren Lüge, wie zum Beispiel der Bargeldlosigkeit versuchen erneut zu verdrängen, oder in einem Krieg, die Schuld des Schwarzen Peter an jemanden übertragen, wie man es mit den kriegsverlierenden Deutschen gemacht hat.

        Oder man könnte die Situation durch ein gegenseitiges Vergeben von jeglicher Schuld, lösen.

        Ich fürchte Letzteres, wird leider nicht geschehen, eben weil sich Viele davon nähren Schuld zu erzeugen, und diese nach eigenem Gusto zu delegieren. Und diese Jemande sind wiederum besonders bei den Systemrelevanten zu finden.

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