Gold trotzt allen Stürmen…

16. Dezember 2017 | Kategorie: RottMeyer

von Andreas Hoose

Womöglich wachen Sie schon morgen früh auf, und müssen erkennen, dass Sie im Krypto- und Börsenwahn die ganz elementaren Dinge völlig vergessen haben…

Angesichts der Kursdramatik bei den Kryptowährungen gerät der Goldpreis derzeit nahezu in Vergessenheit. Dabei kann man sich in der aktuellen Lage einige Aspekte durchaus einmal in Erinnerung rufen: Bei Licht betrachtet hält sich das Gold derzeit nämlich auffallend gut. Die Gründe liegen auf der Hand, man muss sie nur einmal hervorkramen:

Haussierende Aktienmärkte, relativ niedrige Inflationsraten, blindes Vertrauen der Anleger in die Allmacht der Notenbanken, historisch niedrige Volatilitäten und eine außerordentlich große Sorglosigkeit an den Aktienmärkten, haussierende Immobilienmärkte, nur leicht negative Realzinsen und anziehende Zinserwartungen, sowie nicht zuletzt ein enormes mediales Interesse an den Kryptowährungen, all dies wären eigentlich Gründe, die in ihrer Gesamtheit den Goldpreis massiv belasten sollten.

Tun sie aber nicht.

Das bedeutet: Sobald sich einige dieser Belastungsfaktoren auch nur teilweise abschwächen, sei es durch eine Aktienmarktbaisse, einen Einbruch oder auch nur eine ausgedehnte Konsolidierung bei Bitcoin und Co, eine platzende Immobilienblase, steigende Inflationsraten, eskalierende Schuldenprobleme in den USA oder in der Eurozone, sinkende Realzinsen, oder was auch immer – erst in dem Moment dürfte sich der wahre Wert des Goldes zeigen. Von einem Schwarzen Schwan, der immer mal unversehens um die Ecke kommen kann, gar nicht zu reden…

Die Fed und das Gold…

In der vergangenen Woche hatten wir an dieser Stelle völlig konträr zur Mehrheitsmeinung vermutet, dass mit der Zinsanhebung der US-Notenbank in dieser Woche der Startschuss gegeben wird für den nächsten Aufwärtsschub beim Gold.

Prompt kletterte der Goldpreis noch am Tag der Fed-Entscheidung fast ein Prozent nach oben. Noch viel wichtiger aber war die Reaktion der Minenindizes: HUI und XAU legten im Windschatten der Notenbank jeweils um fast vier Prozent zu. Damit könnte jetzt eine Entwicklung starten, wie schon Ende 2015 und Ende 2016:

Mit anziehenden US-Zinsen kommt auch der Goldpreis wieder in Schwung. Diese Gelegenheit sollten sich Kontra-Anleger nicht entgehen lassen, denn anders als bei den Kryptowährungen ist die Stimmung beim Gold einfach nur lausig. Nebenbei bemerkt hat der Preisanstieg beim Bitcoin nun tatsächlich alle Rekorde gebrochen: Wir haben es dort jetzt mit der größten Spekulationsblase der Finanzgeschichte zu tun. Die folgende Abbildung zeigt den historischen Vergleich mit früheren Spekulationsblasen.

Eine Folge der Geldflut: Der Bitcoin bricht alle Rekorde…

Die wichtigste Erklärung für die exorbitanten Kursanstiege der Kryptowährungen, ist freilich NICHT die nahende Geldrevolution, die mancher hier schon wittert. Der Grund ist viel banaler: Die Unmengen an Kapital, die rund um den Globus auf der Flucht vor Zentralbankmanipulationen sind, suchen sich wechselnde Zufluchtsorte. Und momentan sind die Kryptowährungen en vogue. Dreht der Trend dort wieder, was nur eine Frage der Zeit ist, dann werden andere Sektoren in den Blickpunkt des Fluchtkapitals rücken.

Reiten Sie die historisch einzigartige Welle bei den Kryptos also ruhig mit, allzu oft werden Sie eine solche Gelegenheit in Ihrem Leben nicht bekommen, agieren Sie aber nicht übermütig – und vergessen Sie vor allem die wahren Werte nicht:

Dass das Gold, dieses „barbarische Relikt“ auch künftig seinen angestammten Platz im Geldsystem behalten wird, ist mir ganz persönlich in dieser Woche bewusstgeworden:

Wegen eines vergleichsweise läppischen Schneesturms war in einigen Gemeinden im südlichen Oberbayern für einige Stunden der Strom ausgefallen.

Stellen Sie sich dazu die folgende Szene vor:

Sie erwachen viel später als gewohnt, weil der Elektrowecker stumm geblieben ist. Merkwürdig denken Sie sich und wollen das Radio anstellen. Stille.

Naja, wenigstens der Fernseher wird ja wohl funktionieren. Ein schwarzer Bildschirm lässt wenig Raum für Interpretationen.

Sie greifen zum Telefonhörer, vielleicht wissen die Nachbarn, was da los ist. Doch die Leitung bleibt stumm.

Weil auch das Licht nicht funktioniert, dämmert Ihnen allmählich, dass der Strom ausgefallen ist.

Blöd, denken Sie sich, dass Sie gestern Abend vergessen hatten, den Akku ihres Smartphones aufzuladen. So wird das nun also nichts mit dem morgendlichen Check der Aktienkurse. Und die Verkaufsorder, die Sie eigentlich längst aufgeben wollten, wird nun eben nicht ausgeführt.

Eine Tasse Tee zur Beruhigung? Vergessen Sie das…

Aber vielleicht haben Sie ja einen Hobbyraum im Keller und kommen jetzt auf die glorreiche Idee, die Zeit dort zu überbrücken, bis der Strom wieder da ist. Nehmen Sie sich eine gute Stirnlampe mit und achten Sie auf den Energieverbrauch, denn da unten brennt jetzt natürlich auch kein Licht.

Allmählich wird Ihnen klar, dass das alles ohnehin vollkommen unwichtige Nebensächlichkeiten sind: Wegen der „Klimaerwärmung“ gibt es in diesem Land nämlich endlich wieder einmal einen richtigen Winter. Und so kriecht Ihnen nach ein paar Stunden ohne Strom eine gewisse Kälte in die Glieder: Die Heizung ist ausgefallen, weil auch die Pumpen keinen Strom mehr haben.

Weil das auch für die Wasserversorgung gilt, sitzen Sie jetzt nicht nur in der Kälte, sondern sprichwörtlich auch auf dem Trockenen. Und kein benutzbares WC in Sicht, nicht einmal ein Glas Wasser…

Glauben Sie mir: In so einer Situation interessieren Sie sich für ganz andere Dinge, als für Börsenkurse. Insbesondere die Eskapaden diverser Internet-Währungen werden Ihnen plötzlich vollkommen gleichgültig sein.

Geld, das nur mit Strom funktioniert? Was für eine lachhafte Idee, werden Sie womöglich sogar denken.

Und sagen Sie nicht, das alles betrifft Sie nicht, und so etwas könne nicht passieren. Womöglich wachen Sie schon morgen früh auf, und müssen erkennen, dass Sie im Krypto- und Börsenwahn die ganz elementaren Dinge völlig vergessen haben…

© Andreas Hoose  – Antizyklischer Börsenbrief

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