Gold: War da was?

13. April 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Frank Meyer) Habe ich etwas verpasst? Gold ist neulich etwas gefallen, um dann wieder zu steigen. Vielleicht steigt es auch heute weiter an, um später wieder etwas zu fallen. Die Gold – und Silberunzen werden sich etwas wundern, welches Aufsehen sie erregen. Und sie werden sich vielleicht sogar über uns lustig machen. Man weiß das nicht genau…

Verfolgt man die Presse in den letzten Wochen, so waren sich Experten in Sachen Preisentwicklung beim Gold überhaupt nicht einig. Rauf. Runter. Wer weiß? So ein Experte bekommt monatlich viel Geld. Mein Rat dagegen ist kostenlos, vielleicht ist er aber auch nur soviel wert.

Pf(HUI)-Deibel! heißt es, wenn man sich die Minen anschaut.

 

Die Bezeichnung „Mine“ ist durchaus berechtigt. Man weiß nie, wann sie hoch gehen. Oder runter.

Am liebsten lese ich ja lustige Dinge wie den Postillion, die Titanic oder den „Finanztest“ – aber nur wegen der Experten. Neulich habe ich voller Erstaunen etwas von Ariane Lauenburg im Tagesspiegel gelesen. Eigentlich bin ich ja bekennender Tenhagen-Fan. Seine Gegenposition einzunehmen, war bislang sehr erfolgreich. Ich wusste immer, was ich nicht machen sollte. Okay, dass man die Hand nicht in den Mixer steckt, die Stiftung Warentest hat vielleicht sogar darüber berichtet, das war ja klar. Aber in Sachen Geldanlage waren Tenhagens Auftritte im Fernsehen zur besten Sendezeit pures Gold wert.

Apropos Gold… Ariane Lauenburg gilt in Sachen Geldanlage auch als Expertin. Ich schätze sie sehr! Leider ist das Wort „Experte“ wie der Begriff „Journalist“ rechtlich nicht geschützt, klingt aber gut. Ich kenne das.

Sie sagt, es wäre jetzt ein günstiger Zeitpunkt, um Gold zu verkaufen. Der Preis wäre historisch hoch. Und zum anderen wisse keiner, also wahrscheinlich auch nicht die Expertin, und als diese wurde sie befragt, wie sich der Goldpreis künftig entwickle. Bitte? „Das ist pure Spekulation.“ sagte sie. Ich habe keine Ahnung, was Spekulation bedeutet – lateinisch bedeutet „speculare“ so etwas wie beobachten. Augen auf! Also schnell wieder weg geschaut, sonst könnte es schaden. Nichts sehen, nichts hören aber viel sagen – das ist ist heute die Grundvoraussetzungen, um als Experte allgemeine Anerkennung zu bekommen. Zu unser aller Glück sind Millionen in den letzten Wochen eingestellt worden.

Zum Glück auch vergisst das Internet nichts. Welchen Mist ich noch immer schreibe… Das liegt sicherlich am Umfeld. Wenn meine Zeitung ausgelesen ist, ich vermute, sie dient im Wesentlichen nur der Unterhaltung unter Einbeziehung der Tatsache, dass Bäume dafür gerne ihr Leben opfern, kann man im Netz genügend Nachschub holen wie an Tankstellen Feierabendbier. Ich suchte nur aus Spaß und fand von Frau Lauenburg folgende Expertise aus dem Jahr 2009…

Ob es sich derzeit lohnt, ins Goldgeschäft einzusteigen, ist äußerst fraglich, weil der Goldpreis mit 885 Dollar im Moment sehr hoch ist. Allerdings gibt es eine Reihe von Leuten, die glauben, dass er noch weit über 1.000 Dollar steigen wird. Das ist aber ungewiss und insoweit geht man ein ziemliches Risiko damit ein.

885 US-Dollar? Seitdem sind die Preise immer etwas gestiegen und dann gefallen – immer etwas weniger gefallen, als sie zuvor gestiegen waren. Vielleicht weil es doch noch Idioten gab, die dieses gelbe Zeug kaufen. Selbst Notenbanken gehören heute dazu. Vielleicht erreicht die Nachricht von Frau Lauenburg die Verantwortlichen aus der Bundesbank und in roten Schlagzeilen auch die Zentralbanken. Ich Idiot! Habe ich den Rat meiner Oma befolgt: Weniger ausgeben als man einnimmt. Heute gehe ich mit den Verrechnungseinheiten von damals einkaufen und weine dann die Umgebung nass.

Zurück zum Gold. Nicht dass ich mich damit auskenne, ich habe nur Zeitung gelesen. Dass Gold ein politisches Metall ist, dürfte unstrittig sein weil inzwischen auch belegt. Von daher ergehen sich viele Beobachter darin, Manipulationen nachzuweisen, obwohl Indizienlage erdrückend genug sein dürfte, um sich weitere Forschungen zu sparen. Vielleicht gelingt ein Nachweis, dass es keine Manipulation gibt? Was weiß ich denn?



Schaut man bei Google nach, wie oft die Begriffe „Silber + Manipulation“ gefunden werden, ist es erstaunlich, wieviele Abhandlungen und Abschriften von Abhandlungen zu Abhandlungen zu diesem Thema inzwischen schon verfasst worden sind. Laut Google 235.000 – und das nur in Deutsch. Das Thema hätte sich eigentlich breiter herum sprechen müssen. Tat es aber nicht.

Vielleicht gehen ja ein paar Leute beherzt und dreist an die Sache, um Kurse ins Rutschen zu bringen. Wer weiß? Vielleicht wollen sie aus guter Absicht auch nur die Preise für weitere Käuferschichten stützten? Doch das Thema nutzt sich ab. Nutzten sich deswegen auch die Unzen-Gewichte ab, wäre das Anlass für Protest. Meine Wage ist unbestechlich. Soweit ich weiß, hat es aber in den letzten Tagen aber wieder viele Turbo-Zertifikate zerrissen. Das ging ganz schnell. Und morgen werden Neue gedruckt, weil morgen auch wieder neue Dummköpfe aufstehen, die sie haben möchten. Ganz einfach.

Ach ja, diese Zahlen habe ich neulich gefunden. Vielleicht geht es wirklich bloß um die Derivate-Bombe, also den milliardenschweren gezimmerten Bau über den Edelmetallen. (zum Vergößern auf die Graphik klicken)

Ein paar Milliarden? Was würden Sie denn tun, wenn die Derivate-Hütte zu brennen beginnt? Den Rauch aus den Fenstern lassen oder das Feuer löschen? Na sehen Sie, auch wenn es Politiker anders machen würden….

Seit „freie Märkte“ auf der Flucht erschossen wurden, sind Manipulation von Preisen in Zeiten immer mehr sozialistisch geprägter Marktwirtschaften ist längst zum Alltag geworden. Der Tag hat nicht so viele Stunden, um auf den Blutdruck zu achten. Und er ist zu wertvoll, nach kleinsten Dingen zu schauen, die man ohnehin schon kennt und beobachtet.

Notenbanken manipulieren Zinsen und bewirtschaften Währungen. Unternehmen fummeln im Rahmen der dafür geschaffenen Gesetzlichkeiten in ihrer Bilanz herum. Supermärkte manipulieren Verpackungen und viele Leute manipulieren sich selbst. Es reicht aus, das zu wissen. War es nicht immer schon so? Es kommt darauf an, wie man damit geschickt umgeht. Es dürfte genügen, all dies in seine eigenen Überlegungen für die eigene Positionierung aufzunehmen und dann in der Handlungsebene aktiv zu werden. Der Rest ist größtenteils Zeitverschwendung bzw. eine Suche danach, seine eigene Positionierung bestätigt zu finden. Mehr nicht.

Trotzdem gehen die Dinge ihren Weg und entwickeln sich weiter und bieten vielerlei Anlass für Unterhaltung und Heiterkeit. Geht Europa unter? Oder nicht? Das Spiel der Mächte ist offen. Als Einzelner ist man dem ausgesetzt. Es reicht aus, darauf vorbereitet zu sein und zu hoffen, dass es nicht passiert.

Tritt Griechenland aus der Eurozone aus? Was interessiert es mich? Gewinnt Obama die Wahl? Werden Aktien steigen? Anlageexperten sind sich uneinig., schreibt der Tagesspiegel. Alles andere wäre ein Wunder. Und Gold? Eindeutige Antwort: Jein. Der eine rechnet damit, dass es etwas fällt und dann steigt.
Andere meinen aber, erst steige es und fällt dann. Und letztlich tut es gar nichts.

Und es verschlingt Unmengen Zeit, das zu beobachten und sich je nach Positionierung besser oder schlechter zu fühlen. Die Zeit in die Pflege von Zähnen oder Ausbesserung von Kleidung gesteckt ist praktischer. Unsere ach so lieben Papiergelder sind in Schwierigkeiten gekommen wie unsere Politiker. Es spricht sich herum. Der Weg und das Ziel. Ha! Abgerechnet wird zum Schluss. Ob an den Märkten, in der Liebe, am Ende eines Restaurantbesuchs oder am Ende des Lebens.


 

Schlagworte: , , , , ,

13 Kommentare auf "Gold: War da was?"

  1. stephan sagt:

    Einfach herrlich, wie leicht sich diese (h)ausgemachten Gold-EXPERTEN von Stiftung Warentest und Stiftung Finanztest vorführen lassen. Sehr schön gemacht, Herr Meyer!

    Völlig unglaublich, dass die Volltrottel von Mainstreampresse-Journalisten (in dem Fall war es der Tagesspiegel) diesen geistigen Dünnschiss immer noch zitieren. Wie recherchieren die eigentlich? Schaffen die es nicht einmal, zwei Jahre zurück zu schauen?

    Der eigentliche Hammer ist aber, dass es Leute gibt, die für solche Produkte (= Zeitungen) noch Geld ausgegeben und den Expertisen der vermeintlichen Experten folgen. Auf jeden Fall brauchen sie auf diese Weise nicht selbst zu denken, denn das bekommen sie ja von den „Experten“ vollständig abgenommen – genau wie die Meinungsbildung im Übrigen. Liegt man dann in der Sache daneben (so wie beim Gold), kann man die Verantwortung praktischerweise auf andere abschieben oder sich damit trösten, dass die „Experten“ ja auch falsch gelegen haben. Und das Abschieben von Verantwortung befreit doch ungemein.

    Diese – zahlenmäßig durchaus beachtliche – Gruppe von denkfaulen Mitbürgern, nennt man deshalb berechtigterweise einfach nur dumme Schafe. Määääh!

    • dantak sagt:

      „– zahlenmäßig durchaus beachtliche – Gruppe von denkfaulen Mitbürgern“ ist nett ausgedrückt. Das Verhältins ist ja 1:100 oder 1:1000 und mit etwas Mathematik und Wahrscheinlichkeitsrechnung erkennt man, dass das eine Prozent gar nichts ausrichten kann. Nur beobachten kann man, was die Herde macht. Die Hirtenhunde sind die Banken.

      • pat sagt:

        Das eine Prozent kann schon etwas ausrichten, da die Herde ja nur hinterherläuft.

        Das eine Prozent hat nur das Problem, dass es nicht gut organisiert ist und es mit einem gut organisierten Promille konkurrieren müsste, das momentan die Herde zum eigenen Nutzen lenkt.

  2. cicero sagt:

    Hallo Frank,

    diese Konzentration ist von Derivaten ist wirklich besorgniserregend.
    Ich hätte bei Goldman Sachs nicht dieses unglaubliche Mißverhältnis von Assets zu Derivaten erwartet. Diese Bank kann es wirklich in einer Lichtsekunde zerreissen, die genannten anderen vielleicht in zwei.
    Aus so einer Statistik kann man gut den Wert der Produkte erkennen, den diese (und natürlich viele andere) „Investmenthäuser“ verkaufen.

    Viele Grüße
    Cicero

    • pat sagt:

      Umgekehrt könnte Goldmann Sachs auch andere Banken oder Volkswirtschaften mit diesen „Massenvernichtungswaffen“ zerreißen.

      Übrigens gibt es meines Wissens keine Vorschriften wie diese Derivate zu bilanzieren sind. Das kann jede Bank nach eigenem Gutdünken machen. Diese Zahlen haben deshalb wohl nur begrenzte Aussagekraft.

      • dantak sagt:

        Richtig gut ist, dass OTC Derivate teilweise von Käufer und Verkäufer unterschiedlich bilanziert werden, da zum Stichtag kein „offizieller“ Kurs existiert. Da kann man bilanzieren was man will.

  3. ACHIM sagt:

    Mensch Frank, das find ich ja toll,lange erwartet, jetzt Wirklichkeit geworden, endlich hast Du Dich als Tenhagen-Fan geoutet.
    Lass uns einen Tenhagen-Fan-Club gründen; vielleicht hat der Tenhagen auch einen Facebook-Account, dann können wir uns dort als (Contrarien)Follower eintragen. Ehrlich gesagt, ich war noch nie auf Facebook und meide diese Spy-Site wie die Pest, besser also einen eigenen Fanclub.
    Ich stifte schon mal den Text der Vereinshymne:
    (Melodie Heinz Erhardt)
    http://www.hgcn.de/pdf/Immer_wenn_ich_traurig_bin.pdf

  4. crunchy sagt:

    Yau, das musste mal gefragt werden: Wo sollte Gold eigentlich „stehen“?
    Nach meiner persönlichen,subjektiven (gefühlten) Schätzung sind 2.300 USD aktuell angemessen. Bitte daran denken: Ich habe den letzen Hype schon mitgemacht. Das sind von dem aktuellen Niveau aus gesehen nur noch ein Viertel bis ein Drittel zur fairen Bewertung. Und was, wenn der Preis weiterläuft? Hatten die Not(en)banken damals noch ausreichende Kontrolle? Wat, nu? Bis Oktober 2008 kann man in technischen Chartprogramen eine ausgeglichene Konsistenz erkennen, die normale Inflation. Nach Merk/Stein´s Rettungsversuch für die u.a. Postbank sieht man keine Beruhigung mehr. So unscharf, wie diese Worte sind manche Ängste. Da hilft der chinesische Sprücheklopfer weiter:
    Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor sieben Jahren, der zweitbeste ist heute. Nicht haben, ist das Problem.
    Und dann sollte man sich nicht wundern, wenn Notbanken, alles tun, ihre Existenz zu rechtfertigen und Ihre zu vernichten. Gold und Silber sind, wie Merkel es immer und immer wieder gerne bemühte: alternativlos!

    • Frank Meyer sagt:

      anders gefragt… wo sollten USD und EUR, AUD, YEN und CAD stehen? Das ist die Frage! Alles andere ist Zahlenspielerei. Preise in USD und EUR sind Unsinn. In was rechnet man etwas aus, wenn es diese nicht mehr gibt? Aber das ist ein breites Feld.

      • Avantgarde sagt:

        Es GIBT sie aber – und der US-Dollar wird noch sehr viel länger leben als viele glauben – versprochen 🙂

      • samy sagt:

        … in den Währungen der BRIC-Länder? Es wird langfristig (!) kein Währungsvakuum geben. Die Währung(en) in denen weltweit die meisten Geschäfte abgeschlossen wird bzw. werden, ist bzw. sind die Leitwährungen … Gold wird in dieser Übergangsphase seine Rolle spielen.

        VG

  5. mfabian sagt:

    Das Volumen des Derivatemarktes ist schon erschreckend. Kürzlich hat Zerohedge davon berichtet, das Volumen von 700 Billionen sei überschritten.
    Die älteren offiziellen Daten der BIZ per Juni 2011 weisen bereits 620 Billionen aus: ( http://www.bis.org/publ/qtrpdf/r_qs1203.pdf Seite 10, Tabelle 4)
    Wie lange kann das noch gutgehen? Lange. Sehr lange. Aber auch morgen platzen, wenn irgend ein doofes Kind ruft: „Aber der Kaiser hat doch gar kleine Kleider an!“ 😀

    • Avantgarde sagt:

      In der Tat ein gigantisches globales Nullsummenspiel.

      Deshalb ist bezüglich der Summen das Wort Finanzindustrie vielleicht gar nicht mal so verkehrt.
      Obgleich das Wort rein sprachlich eher in die Ecke neusprech einzuordnen ist 🙂

Schreibe einen Kommentar

Sie müssen eingeloggt sein, um einen Kommentar schreiben.