Gold statt Euro

23. Dezember 2016 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Der Euro gerät in zusehends schwierigeres Fahrwasser. Für Anleger aus dem Euroraum bleibt Gold die „bessere Währung“.

Seit Verkündung des Wahlsieges von Donald J. Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat der Wind auf den Finanzmärkten gedreht: Die Zinsen haben angezogen. Das hat sich – aufgrund einer Reihe von Folgewirkungen, die nachstehend kurz angesprochen werden – negativ auf die Roh- und Edelmetallpreise ausgewirkt. Zwei zentrale Fragen stellen sich an dieser Stelle: Wird der Zinsauftrieb nachhaltig sein? Und: Welche Wirkung hat er auf den Euro(-Außenwert)?

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Vermutlich wird sich der Zinsauftrieb in engen Grenzen halten, nicht nur in den USA, sondern auch in anderen Währungsräumen. Denn die Verschuldung ist allerorten bereits so groß geworden, dass eine Rückkehr zu „normalen“ Zinshöhen recht unwahrscheinlich ist. Auf den Finanzmärkten wird erwartet, dass die US-Zentralbank (Fed) ihren Leitzins bis Ende 2017 auf etwa 1,5 Prozent anheben wird, und dass die Langfristzinsen (gemessen an den 10-jährigen US-Staatsanleihen) in einer Bandbreite von 2,5 bis 3,0 Prozent schwanken werden. Diese Aussicht hat bereits „Bremsspuren“ in den Edelmetallpreisen hinterlassen.

Der Außenwert des Euro hat in den letzten Wochen deutlich nachgegeben, insbesondere gegenüber dem US-Dollar. Die Gründe liegen auf der Hand. Da ist zum einen der wachsende Zinsvorteil, den US-Dollar-Anlagen gegenüber Euro-Anlagen bieten. Er sorgt für eine verstärkte Dollar-Nachfrage, und entsprechend gibt der Außenwert der Einheitswährung nach. Zum anderen treten Anleger aus Euro-Anlagen den Rückzug an, weil sich die Zukunftsperspektiven für die Einheitswährung merklich verdüstert haben.

Soll der Euroraum mit allem politischen Mitteln zusammengehalten werden, wird das eine breit angelegte Monetisierung der Staats- und Bankenschulden im Euroraum erfordern. Die damit verbundene Ausweitung der Euro (-Basis-)Geldmenge würde die innere als auch äußere Kaufkraft der Einheitswährung vermutlich stark herabsetzen. Siehe hierzu den Degussa Marktreport „Die 4.760.000.000.000 Euro Lücke“ vom 11. September 2015.

Bricht hingegen der Euroraum auseinander, wird das mit erheblichen Kreditausfällen sowie Einkommens- und Vermögensverlusten verbunden sein. Die Wahrscheinlichkeit einer solchen Entwickung belastet ebenfalls den Euro-Außenwert.

Es gibt folglich gute Gründe für Anleger aus dem Euroraum, ein „Euro-Klumpenrisiko“ zu vermeiden. Dazu gehört beispielsweise, anstelle des Euro US-Dollar, Schweizer Franken und die Währung Gold zu halten. Bekanntlich lässt sich nicht genau bestimmen, wo der richtige („faire“) Preis für das Gold liegt. Doch angesichts des bereits erfolgten Preisrückgangs seit Herbst 2011 und den sich weiter aufbauenden Problemen in der internationalen Kredit- und Geldarchitektur erscheint uns der aktuelle Preis des Goldes keinesfalls „zu teuer“ zu sein.

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Mit der Wahl von Donald J. Trump zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat es auf den Finanzmärkten eine wichtige Veränderung gegeben: Die US-Zinsen sind angestiegen. Seit der Verkündigung des Wahlergebnisses sind die 10-jährigen Renditen der US-Staatsanleihen von 1,85 auf 2,6 Prozent geklettert. Zudem hat die US-Notenbank (Fed) die Zinsen am 14. Dezember erneut angehoben. Der Leitzins liegt jetzt bei 0,75 Prozent.

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Der US-Dollar hat aufgewertet

Der Anstieg der US-Zinsen, verbunden mit verbesserten Wachstums- und Renditeerwartungen in Amerika, hat den US-Dollar gegenüber den anderen Währungen weiter aufwerten lassen. Der Greenback wird wieder verstärkt nachgefragt, weil er attraktive(re) Renditen bietet. Die US-Dollar-Aufwertung ist mit einem rückläufigen Goldpreis (in US-Dollar gerechnet) einhergegangen: Anleger haben wieder Vertrauen in den Greenback, und entsprechend hat die Nachfrage nach Gold abgenommen.

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Goldnachfrage der ETFs ist gesunken

Steigende Kurzfristzinsen in den USA, verbunden mit einer Aufwertung des US-Dollar-Außenwertes, haben das Interesse institutioneller Anleger an der Währung Gold verringert. Das zeigt sich beispielsweise in der rückläufigen Nachfrage nach Gold Exchange Traded Funds (ETFs). Der Abfluss der Anlagegelder aus Gold-ETFs hat sicherlich dazu beigetragen, einen Abwärtsdruck auf den Goldpreis auszuüben beziehungsweise ihn zu verstärken.

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Kreditausfallsorgen sind eingeschläfert worden

Die Zentralbanken haben die Kreditausfallsorgen auf den Finanzmärkten erfolgreich ‚eingeschläfert‘. Es wird nun allgemein erwartet, dass die Zentralbanken jeden ’systemrelevanten‘ Schuldner – ob Bank oder Staat – über Wasser halten werden. Das wiederum hat die Nachfrage nach Gold zu Versicherungszwecken vermindert und seinen Preis gedrückt.

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Euro-Außenwert hat gegenüber dem US-Dollar verloren

Der Zinsanstieg in den USA, verbunden mit der Fortführung der extremen Niedrig- beziehungsweise Negativzinspolitik durch die Europäische Zentralbank (EZB), hat den Außenwert des Euro unter Druck gesetzt. Damit ist ein negativer Wohlstandseffekt für die Euro-Sparer verbunden: Für sie werden nicht nur Importgüter teurer (Computer etc.), sondern auch der Erwerb von zum Beispiel Aktien von Auslandsunternehmen.

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Kreditmenge schwillt weiter an und treibt Aktienmärkte in die Höhe

In den USA wächst die Bankkreditmenge mit relativ hohen Raten. Die damit verbundene Geldmengenausweitung hat in den letzten Jahren vor allem die Bestandsgüterpreise (wie z. B. die Aktien- und Häuserpreise) in die Höhe getrieben. Der US-Geldpolitik ist es folglich mit ihrer Niedrigzinspolitik gelungen, nicht nur die Kreditausfallsorgen aus den Finanzmärkten zu vertreiben (siehe hierzu Abbildung 4), sondern auch die Vermögenspreise steigen zu lassen und damit eine „Prosperitätsillusion“ zu schaffen.

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© Prof. Dr. Thorsten Polleit – Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH

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