Gold statt Bankeinlagen

3. Oktober 2015 | Kategorie: RottMeyer

von Prof. Thorsten Polleit

Jetzt, wo es keinen Zins mehr gibt, wird das Gold zur ernsten Konkurrenz von Termin- und Spareinlagen bei Banken. Warum sind die Zinsen so niedrig? Ökonomen stellen eine Reihe von Erklärungen bereit. Eine davon ist, dass die Flut der Ersparnisse den Zins auf die Nulllinie oder darunter zwinge. Doch überzeugen kann das nicht. Die Erklärung ist vielmehr ganz offensichtlich: Es sind die Zentralbanken, die durch ihre Markteingriffe die kurz- und langfristigen Zinsen künstlich niederdrücken.

So haben die Zentralbanken die Leitzinsen auf de facto null Prozent gesenkt. In Schweden und der Schweiz sind die Leitzinsen sogar negativ. Das übt bereits einen Abwärtssog auf die Langfristzinsen aus. Er wird verstärkt durch die Anleihekäufe der Zentralbanken. Dadurch treiben sie die Wertpapierkurse in die Höhe, senken also deren Renditen. Die Zinsen befinden sich in den Händen der Zentralbanken, werden von ihnen kontrolliert.

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Die künstlich gedrückten Zinsen bescheren Sparern, die auf traditionelle Sparformen setzten – Verluste: Die Politiken der Zentralbanken entwerten Termin- und Spareinlagen, Staats- und Bankanleihen, Rentenfonds und Lebensversicherungen, weil die Teuerungsrate vielfach bereits über den verbliebenen, kümmerlichen Renditen liegt. Sparer werden also (zwangs-)entspart. Diese Entwicklung dürfte für die Goldnachfrage von erheblicher Bedeutung sein.

Eine begründete Abwägung

Fällt der Zins, so wird die Goldhaltung attraktiver: Der Ertrag nimmt ja ab, den man alternativ mit dem Halten von festverzinslichen Anlagen erzielen kann. Gold ist bekanntlich Geld, und es wird in der Regel (auch) nachgefragt, weil es als eine liquide, langfristig sichere Anlage angesehen wird. Damit steht es im Wettbewerb mit zum Beispiel Termin- und Spareinlagen bei Banken. In Zeiten eines positiven Zinses hatten Bankeinlagen gewissermaßen die Nase vorn. Mit ihnen ließ sich ein positiver Zinsertrag erzielen, mit dem Halten von Gold nicht.

Das aber hat sich geändert. Bankeinlagen erbringen keinen Zins mehr. Ihr Zinsvorteil gegenüber dem Gold ist fort. Für Bankkunden macht es folglich Sinn darüber nachzudenken, ob das Halten von Termin- und Spareinlagen für sie überhaupt noch sinnvoll ist. Was wären die Alternativen? Zum einen empfiehlt sich ein Wechsel von längerfristigen Bankeinlagen auf täglich fällige Giroguthaben. Dadurch erhöht sich die Liquidität, ohne dass dabei ein Zinsverlust eintritt. Zum anderen wäre zu überlegen, ob nicht (ein Teil) der längerfristigen Bankeinlagen besser in Gold angelegt werden sollte. Dafür gibt es durchaus gute Gründe, wie die nachstehende Darstellung zeigen soll.

polleit-2015-10-02Termin- und Spareinlagen spielen fortan keine Zinserträge mehr ein. Ihre Wertsteigerung ist null beziehungsweise bei einem Negativzins und positiver Teuerungsrate werden sie zum Verlustgeschäft. Dem steht gegenüber, dass Termin- und Spareinlagen keinen Marktpreisschwankungen unterliegen: Sie werden zum Nennwert ausgewiesen. Gold wird tagtäglich auf Märkten gehandelt, es unterliegt Marktpreisschwankungen. Allerdings schützt das Gold (zumindest) vor einer Geldentwertung. Das zumindest zeigt die langfristige Preishistorie des gelben Metalls in beeindruckender Weise. So gesehen gibt es in der Tat einen Grund abzuwägen, Bankeinlagen oder Gold zu halten.

Diese Abwägung wird noch dringlicher angesichts der Möglichkeit, dass die Schulden von Staaten und Banken nicht zurückgezahlt werden. Im Euroraum ist bereits eine einheitliche Bankenabwicklung etabliert worden. Danach sollen für Verluste der Banken nicht nur die Eigentümer, sondern auch die Bankkunden gemäß einer „Haftungskaskade“ zur Rechnung gezogen werden. Im Ernstfall können nicht nur Bankschulden (etwa in Form von nachrangigen Bankanleihen) gestrichen werden. Auch Bankeinlagen von mehr als 100.000 Euro könnten zur Verlustdeckung herangezogen werden. Bankguthaben mögen zwar keine Marktpreisschwankung aufweisen, sie sind aber ausfallgefährdet, sie können zu unwiderruflichen Verlusten werden.

Das ist mit Gold nicht möglich. Es hat schon seit Jahrtausenden als verlässliches Geld, als verlässlicher Kaufkraftspeicher gedient. Dass es in jüngerer Vergangenheit vielfach als verzichtbar im Währungsgefüge angesehen wurde, lag vor allem auch daran, dass verzinsliche Bankguthaben vielfach als attraktiver Ersatz (als Substitut) für Gold angesehen wurden. Nun aber treten die Probleme des ungedeckten Geldsystems überall auf der Welt immer stärker und schonungsloser zutage – und zwar so stark, dass die Zentralbanken den Zins auf null Prozent oder darunter setzen. In einem solchen Umfeld wird Gold zusehends attraktiver gegenüber herkömmlichen Sparformen.



Warten auf den „Crash“

Die Zentralbanken folgen dem Motto „Weiter so“. Wenn immer mehr Geld in Umlauf gebracht wird, bleibt der „große Crash“ aus. Vorerst.

Das Motto in den großen Zentralbanken rund um die Welt lautet: „Weiter so”. Sie wollen die Finanzmärkte vor dem Zusammenbruch bewahren und die Konjunkturen in Gang halten. Was immer dazu erforderlich ist, werden sie tun. Die Zentralbankräte wissen, wo sie ansetzen müssen: Die Kreditausfallsorgen müssen aus den Finanzmärkten vertrieben werden, und Inflationssorgen dürfen nicht aufkeimen. Ersteres ist ihnen gelungen, indem sie die Zinsen auf Rekordtiefstände geschleust haben. Zweiteres interessanterweise auch. Kaum jemand fürchtet, dass ihre Maßnahmen zu Inflation führen werden.

Auf den Finanzmärkten wird die Botschaft der Zentralbanken verstanden: So etwa wie 2008/2009 – eine drohende „Mega-Pleite“, einen „Credit Event“ für das Weltfinanzsystem – wird es nicht mehr geben. Die Zentralbanken werden, wenn es sein muss, die elektronische Notenpresse in großem Stile anwerfen, um mit neuem Kredit und Geld systemgefährdende Kreditausfälle aus der Welt zu schaffen. Als Monopolisten der Geldproduktion haben die Zentralbankräte nicht nur die Macht, sondern jetzt auch den Willen dazu. Und letztlich hängt alles am Kredit. Auch die Börsen.

In der kurzen Frist erscheint der Verbund zwischen Kreditausweitung und Aktienkursen zwar recht „lose“ zu sein. In der langen Frist offenbart sich jedoch der positive Zusammenhang zwischen beiden Größen. Es ist eben die Ausweitung der Kredit- und der dadurch geschaffenen Geldmengen, die alle Preise, einschließlich der Aktienkurse, in die Höhe befördern. Doch wie lange kann das noch gutgehen? Oder besser: Wie lange ist zu befürchten, dass es so weitergeht?

Es hängt von den Geldnachfragern ab. Solange sie Vertrauen haben in das ungedeckte Fiat-Geld und es bereitwillig zu Transaktions- und Sparzwecken nachfragen, solange geht auch der „Boom“ weiter, und der „Bust“ kommt nicht zum Zuge. Bislang jedenfalls hält die Nachfrage nach Fiat-Geld recht gut Schritt mit dem Ausweiten der Fiat-Geldmenge. Dass sich das ganz plötzlich, quasi über Nacht, ändern könnte, ist zwar nicht unmöglich, aber doch unwahrscheinlich. Denn dazu müsste nämlich die Nachfrage nach Fiat-Geld einbrechen; eine „Flucht aus dem Fiat-Geld“ müsste einsetzen. Bekanntlich ändern sich aber die Geldhaltungs- und Ersparnisgewohnheiten der Menschen nur recht langsam. Selbst nach den Erschütterungen von 2008/2009 ist von augenfälligen Veränderungen der Geldhaltung und Ersparnisbildung nichts zu sehen, zumindest nicht in den großen Volkswirtschaften der Welt. Wer aufmerksam bleibt, wird es mitbekommen, wenn die Geldnachfrage beginnt einzuknicken und Gefahr im Verzuge ist.

Bis dahin dürfte das Auf und Ab auf den Börsen weitergehen, mit immer stärkeren Amplituden. Der allseits gefürchtete „Crash“ à la 1929, der die Aktien ins Bodenlose fallen ließ, wird jedoch wohl noch auf sich warten lassen. Denn solange die Zentralbanken dafür sorgen, dass der volkswirtschaftliche Kreditmotor nicht ausfällt und der Geldzustrom nicht abreißt, werden Aktienkursrückschläge zeitlich begrenzt bleiben – wie in 2000/2001 und 2008/2009. Diese Einschätzung mag helfen, eine Börsenweisheit beherzt und erfolgreich in die Tat umsetzen zu können: „Sei furchtsam, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn anderen furchtsam sind.“ © Prof. Dr. Thorsten Polleit – Marktreport Degussa Goldhandel GmbH

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5 Kommentare auf "Gold statt Bankeinlagen"

  1. Joseph Breitenbach sagt:

    Sinn kann man nicht „machen“ wie z.B. Brezen oder Würste. oder kennt jemand eine chemische Formel oder ein Koch- bzw. backrezept, mit dem man Sinn „machen“ kann? Wenn ja, bitte melden! – Etwas „hat“ Sinn, wie z.B. etwas masse oder Farbe oder elektrische Ladung hat. Habt Ihr das verstanden, Ihr Deutsch-Kindergartensprachler, oder muss ich es wiederholen?

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