Gold, Silber, Immobilien und die Steuern

31. März 2012 | Kategorie: Kommentare, RottMeyer

(von Manfred Gburek) Euro-Rettungsschirm, Brandmauer, 800 Milliarden Euro mal eben aus dem Hut gezaubert – in letzter Konsequenz bedeutet das, was am Freitag beschlossen wurde, nichts anderes als die Fortschreibung der Schuldenkrise…

Nur dass die zur Debatte stehenden Beträge immer irrwitziger werden. Das wird in den nächsten Jahren die deutschen Steuerzahler hart treffen. Grund genug, das Problem heute aus ihrer Sicht anzugehen.

Es gibt Steuern, um die man einfach nicht herumkommt, wie große Teile der Einkommensteuer oder die Mehrwertsteuer. Und es gibt Steuern, die sich ganz legal vermeiden lassen, etwa indem man ein größeres Vermögen alle zehn Jahre sukzessive schon zu Lebzeiten an potenzielle Erben verschenkt oder die wenigen übrig gebliebenen Möglichkeiten zur Steuerersparnis bei der Geldanlage nutzt. Mit Letzteren beginne ich heute aus aktuellem Anlass, weil sie für Ihre persönliche Steuerstrategie und -gestaltung wichtig sind und neben Immobilien, Aktien oder sonstigen Wertpapieren auch Ihre Investitionen in Gold und Silber betreffen.

Neulich war ich wegen eines aktuellen Marktberichts zu Wohn- und Geschäftshäusern bei Immobilienmaklern von Engel & Völkers. Nach eingehender Diskussion über Standorte und Preise kamen die Steuern zur Sprache. Ergebnis: Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann die Steuerfreiheit von Gewinnen aus dem Verkauf vermieteter Immobilien nach zehn Jahren Haltedauer (Spekulationsfrist) gekippt wird. Wenige Tage später nahm sich der Berliner Immobilienexperte Rainer Zitelmann, der über gute Kontakte zu Politikern verfügt, desselben Themas an. Sein Fazit lässt keine Zweifel offen: „Es ist naiv, zu glauben, dass die Regelung so bleibt, wie sie ist, und den Kopf in den Sand zu stecken. Nicht nur SPD, Grüne und Linke sind für die Abschaffung der Spekulationsfrist, auch die CDU/CSU wird dabei leider mitmachen. Dass die FDP dagegen ist, wird in der nächsten Legislaturperiode keine Rolle mehr spielen.“

Das Thema ist zwar grundsätzlich nicht neu, weil die Spekulationsfrist 1999 schon einmal verlängert wurde, und zwar von zwei auf zehn Jahre. Aber während es der damaligen rot-grünen Regierung – auch ideologisch motiviert – primär um eine Signalwirkung ging, streben große Teile der CDU/CSU sowie SPD, Grüne und Linke im Namen der sogenannten sozialen Gerechtigkeit am liebsten die Abschaffung aller Steuerprivilegien an. Der Beifall des gemeinen Volkes einschließlich der Wählerstimmen zur Bundestagswahl im Herbst 2013 (falls nicht vorgezogen) ist ihnen sicher, zumal die Gerechtigkeitsdiskussion nach der Ehrensold-Entscheidung von Ex-Bundespräsident Christian Wulff und nach der Veröffentlichung berauschender Managergehälter voll entbrannt ist.

Dass der Fiskus spätestens in der nächsten Legislaturperiode neben vermieteten Immobilien auch Gold und Silber auf dem Kieker haben wird, entspricht dem fiskalischen Denken: Man nimmt den Bürgern dort etwas weg, wo es dem Staat ohne allzu viel Aufwand am meisten bringt, und überlässt den Aufwand (wie zum Beispiel bei der Abgeltungsteuer) den anderen, in diesem Fall den Banken und Sparkassen. Dass die Besteuerung der Edelmetalle dem Staat mehr als nur einen Obolus bringen dürfte, liegt auf der Hand, weil der mit schwunghaftem Handel verbundene Goldpreisanstieg der vergangenen Jahre sich längst bis Berlin und Brüssel herumgesprochen hat. Für den Aufwand werden dann halt auch die Edelmetallhändler herangezogen.

Durch die fiskalische Brille betrachtet, bieten sich zur Besteuerung von Gold und Silber fürs Erste an: die Wiedereinführung der Mehrwertsteuer auf Gold, und zwar zum vollen Steuersatz, die Aufhebung des ermäßigten Steuersatzes auf Silbermünzen und die Einführung der Abgeltungsteuer auf Edelmetallgewinne zu einem von 25 auf 30 Prozent (oder noch mehr) zuzüglich Soli erhöhten Steuersatz, der dann auch für Gewinne aus Wertpapiergeschäften gelten würde. Zur Rechtfertigung könnte die Fiskalbürokratie darauf verweisen, dass private Gewinne aus Wertpapieren schon seit 2009 der Abgeltungsteuer unterliegen (falls die Papiere nicht vorher gekauft wurden), während private Gewinne aus Edelmetallgeschäften nach mindestens einem Jahr Haltedauer bis heute steuerfrei bleiben… (Seite 2)

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3 Kommentare auf "Gold, Silber, Immobilien und die Steuern"

  1. purity sagt:

    Die Zahlen des folgenden Links sind zwar von 2007, sie zeigen jedoch, dass das Ungleichgewicht der Vermögensverteilung immer weiter zunimmt.
    Wer verzinst also die großen Vermögen? Wer bezahlt die Mieten der Wohnungen? Leistung muss sich lohnen! Wenn heute Billiglöhne bezahlt werden und Berufseinsteiger nicht mehr ordentliche Gehälter bekommen, mit Leiharbeit die Löhne gesenkt werden, dann muss man schon einige Fragen zur Vermögensverteilung stellen.
    http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61781/vermoegensverteilung
    Wie soll in der heutigen Arbeitswelt eine junge Familie für die Zukunft planen? Mich ärgert, dass der Staat auf der einen Seite die Steuergelder verschwendet („Euro-Rettung“, Banken-Rettung, Zuwandeung von Bildungs-Unterschichten anderer Länder) auf der anderen Seite aber nicht in der Lage ist für seine eigenen Bürger eine planbare und sichere Zukunft zu ermöglichen. Der demogaphische Wandel wird noch bitter zuschlagen! Doch eine Zuwandeung wie in der Vergangenheit, bei der der Staat unterm Strich mehr ausgeben muss als sie für den Arbeitsmark bringt, kann nicht die Lösung sein.
    Wir brauchen eine Stärkung der Mittelschicht und bessere Möglichkeiten für die schwachen Einkommensgruppen in die Mittelschicht aufzusteigen. 1% der deutschen Bürger besitzt fast 25 % des Vermögens, die reichsten 10% besitzen über 60%! Diese Vermögen werden verzinst, durch Zinsen, Mieten, Unternehmensgewinne. Das führt dazu, dass immer mehr Vermögen bei der kleinen Oberschicht landet. Für eine Volkswitschaft ist das keine gesunde Entwicklung!
    Unter Kohl, CDU/CSU/FDP-Regierung (für die jüngeren Leser 😉 ) war der Spitzensteuersatz bei 53% und die Oberschicht ist nicht ausgewandert.

  2. […] Manfred Gburek: Gold, Silber, Immobilien und die Steuern […]

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